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Schlafende Bären weckt man nicht

Napa von Arosa hat die Winterruhe angetreten. Nach Gefangenschaft und schweren Verhaltensstörungen ist das rasche Zurückfinden von Napa zum natürlichen Verhalten nicht selbstverständlich.

Südostschweiz
Donnerstag, 29. November 2018, 08:05 Uhr Winterruhe in Arosa

«Die angetretene Winterruhe ist eine erfreuliche Bestätigung der gelungenen Integration und des Rückfindens zum natürlichen Verhalten», erklärt Hans Schmid, wissenschaftlicher Leiter des Arosa Bärenlands, in einer Medienmitteilung. Richtig überrascht darüber, dass Napa jetzt in die Winterruhe übergegangen ist, sei er aber nicht, erklärt Schmid dann auf Anfrage. Denn die Winterruhe sei kein erlerntes Verhalten, sondern angeboren. Trotzdem sei es schwierig zu sagen, was Napas Vergangenheit für einen Einfluss auf sein zukünftiges Verhalten habe. Gemäss Schmid hat sich Napa aber so eingestellt, wie es im Buche steht. Mit dem ganz natürlichen Verhalten: Winterruhe.

Dies, da man eine genügend grosse Nahrungsmenge sichergestellt habe, damit Napa genügend Fettreserven anlegen konnte. Alles andere habe sich ganz natürlich eingestellt.

60 Kilo zugenommen

«Wir haben ihm täglich 23 Kilo Früchte und Gemüse gegeben, rund zwei Kilo Brot und drei bis vier Kilo Fleisch», erklärt Schmid. Das habe gereicht, dass Napa eine Gewichtszunahme von 260 auf 320 Kilogramm gemacht habe.

Man gebe jetzt aber keine Nahrung mehr, also habe Napa auch keinen Anlass mehr rauszukommen und etwas zu Essen zu suchen. Vielleicht werde er einmal in der Woche oder alle paar Wochen rauskommen um zu schauen, ob es nicht doch irgendwo Nahrung habe. «Wir werden im Winter aber konsequent keine Nahrung mehr geben – wie es auch in der Natur ist – denn Napa ist bestens angepasst und auch gut auf den Winter vorbereitet», so Schmid.

Bei Nacht wird geschlafen

Gemäss dem Experten ist der Zeitpunkt der Winterruhe angeboren. «Wenn Braunbären genügend fett haben, lässt der Appetit langsam nach und wenn es im Freiland keine Nahrung mehr gibt, dann begeben sie sich im Herbst in die Winterruhe. Genau das macht Napa jetzt», so Schmid. Der Braunbär habe sich in seine Höhle zurückgezogen. Er grabe zwar immer ein wenig und bewege sich in seiner Höhle, aber momentan sei er 24 Stunden am Ruhen.

«Wir haben Überwachungskameras in der Höhle installiert. Also sehen wir jedes Mal wenn er sich bewegt und das gibt uns ein Signal. Wir sehen aus diesen Signalen, dass Napa Phasen hat, wo er sich in der Ruhe drin ständig bewegt», erklärt Schmid. In der Nacht gebe es Phasen, in denen sich Napa fast nicht mehr bewege. Dann schlafe er wahrscheinlich.

Napa wird bei der Schneeschmelze erwachen

Wann Napa wieder aus der Winterruhe komme, könne gesteuert werden. Gemäss Schmid wird er rauskommen, sobald es Nahrung hat. «Wir werden unser Futterregime nach der Natur richten. Das heisst, wenn die Schneeschmelze da ist, wird es wieder Nahrung geben».

Aus der Winterruhe rauszukommen sei ein natürlicher Vorgang. «Interessant ist, dass Bären kein Muskelschwund haben, obwohl sie bis zu vier Monate nur liegen», sagt Schmid. Sie kämen bei vollen Kräften aus der Winterruhe, was auch wichtig sei. Dann werde das Tier wieder auf Nahrungssuche gehen und den nächsten Winter vorbereiten.

Napas Schnarchen online miterleben

Braunbären halten keinen vollständigen Winterschlaf, sondern eine Winterruhe. Sie verlassen mehrfach im Winter ihre Höhle und begeben sich alle paar Tage oder auch nur alle paar Wochen, auf Nahrungssuche. Wie Napa schläft, kann online live mitverfolgt werden, heisst es in der Mitteilung. Sein krachendes Schnarchen kann auf arosabaerenland.ch angehört werden.

Napa verbrachte Jahre in einem engen, verrosteten Käfig als zur Schau gestellte Attraktion eines serbischen Zirkus. Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten befreite ihn und überführte ihn zusammen mit der Ferienregion Arosa ins gemeinsame Projekt Arosa Bärenland. Napa, der sich in seinem Käfig nicht mal aufrichten konnte, habe im weiten und natürlichen Gelände des Arosa Bärenlands rasch Lebens- und Entdeckungsfreude entwickelt.

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