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Eben nicht wie gesagt

«Linth-Zeitung»-Kolumnist Frédéric Zwicker nervt sich in seiner Kolumne über Fussballer und andere Sportler, die ihre Interviews schon mit den Worten «Wie gseit» beginnen.

Linth-Zeitung
30.10.18 - 13:00 Uhr
Leben & Freizeit
Frédéric Zwicker nervt sich in seiner Kolumne über Sportler, die sagen, sie hätten etwas schon gesagt – haben sie aber nicht.
Frédéric Zwicker nervt sich in seiner Kolumne über Sportler, die sagen, sie hätten etwas schon gesagt – haben sie aber nicht.
PRESSEBILD

Wie gesagt: Das geht mir richtig auf die Nerven. Denn nicht nur ist es gelogen, dass sich die Balken biegen, es ist obendrein eine Lüge, die sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Vielleicht gerade deshalb, weil jene, die sie verbreiten, fast immer schnelle Läuferinnen oder Läufer sind. Manche fahren auch Rad oder einen Motocross-Töff. So viel scheint jedenfalls sicher: Ausser der Dopinglüge hat keine andere Lüge derart schnelle Botschafterinnen und Botschafter.

Es wurde auch schon geschnödet, dem Sport seien die Charaktere ausgegangen. Heute durchlaufen Sportler Medienschulungen, damit sie nachher sagen können: «Es war eine super Mannschaftsleistung. Ohne die anderen hätte ich keine Tore schiessen können.» Oder: «Mein Gegner hat toll gespielt, Publikum, ihr seid fantastisch, ich bin überglücklich, ich danke den Sponsoren, den Freiwilligen, meiner Familie und meinem Team. Dieses Turnier ist für mich das Speziellste von allen.» Ob die Sportler die neuerdings grassierende Unsitte aber auch in der Medienschulung gelernt haben? Das scheint mir doch äusserst zweifelhaft.

«Warum sagen Sportler ‘wie gseit’ und sagen dann etwas, was sie noch nicht gesagt haben?»

«Wie gseit», sagen die Fussballer, Motor-sportler, die Tennisspielerinnen und Curlerinnen, die Velofahrer und Triathletinnen, die Eishockeyaner und Leichtathleten. «Wie gseit», sagen sie, manchmal im ersten Satz im Live-Interview nach dem Spiel oder Rennen, und dann sagen sie etwas, und man denkt sich: Das haben sie doch noch gar nicht gesagt?! Und auf die zweite Frage sagen sie wieder zuerst «wie gseit», und es folgt etwas, was man ebenfalls noch nicht gehört hat, denn jetzt ist man noch aufmerksamer, und es würde einem auffallen, wenn sie ihre erste Antwort wiederholen würden, was sie aber müssten, weil diese das Einzige ist, was sie bisher gesagt haben.

Warum sagen Sportler «wie gseit» und sagen dann etwas, was sie noch nicht gesagt haben? Warum tun es heuer so viele? Steckt die Pharmabranche dahinter? Ist es eine versteckte Kampagne für Gehirnstimulationstabletten von Novartis? «Schatz, ich glaube, ich habe Alzheimer.» «Wieso?» «Weil Xhaka fünf Antworten gegeben hat, an die ich mich nur erinnere, weil er sie alle noch einmal wiederholt hat.»

«Wie gseit.» Und dann, so müsste es sein: «Nein! Schau hier: Videobeweis. Wir filmen ja alles, wir halten dir ein Mikrofon hin. Hör es dir an.» Und dann: Zack! Da steht einer neben dem Moderator. Ein zusätzlicher Schiedsrichter. Der Scharfrichter. Für jedes gelogene «wie gseit» eine schallende Ohrfeige und eine Interviewsperre fürs nächste Spiel. So stelle ich mir das vor. So wütend macht mich das.

Denn man tut das nicht. Ein Tisch ist ein Tisch, hat Peter Bichsel geschrieben. Es gibt Regeln. Es gibt eine Grammatik. «Wie gesagt» sagt man nur, wenn man etwas wiederholt, was man schon gesagt hat. Alles andere ist inhaltlich und ethisch falsch. Und es geht mir, wie gesagt, richtig auf die Nerven.

Kontaktieren Sie unseren Autor zum Thema: redaktion@linthzeitung.ch

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