Ein klirrend kaltes Kunstwerk
Ein Eislabyrinth, Eispaläste und nun ein Atrium aus Eis und Schnee: Art Engiadina erschafft auch diesen Winter eine coole Attraktion in Sur En.
Ein Eislabyrinth, Eispaläste und nun ein Atrium aus Eis und Schnee: Art Engiadina erschafft auch diesen Winter eine coole Attraktion in Sur En.
Eis und Feuer – so gegensätzlich diese beiden Elemente sind, so mystisch wirken sie im Zusammenspiel. Die Künstler Daniel Cotti und Markus Buschor sind für ihre Skulpturen und Bauwerke aus Eis bekannt. Brennende Eiskugeln, ein Feuer speiender Eisdrache, Kerzenschein an der Eisbar – all dies hat es in den vergangenen Wintern in Sur En bereits dank ihrer Mitwirkung gegeben.
Das Eislabyrinth war im Winter 2014/15 das Startprojekt der Winteraktivitäten von Art Engiadina. Es folgten ein Eispalast und im vergangenen Jahr der noch magischere Märchenpalast aus Eis. «Wir wollen jedes Jahr etwas anderes machen», sagt Cotti. Und so ist die Idee eines Atriums aus Schnee und Eis entstanden. Es handelt sich um eine Kunstgalerie in einmaliger Atmosphäre.
Eine beeindruckende Szenerie
Sur En befindet sich in der Talsohle am Inn, wo im Winter kaum ein Sonnenstrahl hinkommt. Sur En hat aus der Not eine Tugend gemacht und wirbt im Winter mit dem Eisweg durch den Wald, mit Eisstock-Schiessen – und seit vier Jahren mit einem Eiskunstwerk.
Ab Dezember wollen Cotti, Buschor und ihre Helfer vor Ort erneut aus Kunstschnee ein eindrückliches Gebäude aus Eis und Schnee erschaffen. Das Zentrum des geplanten Kunstwerks bildet ein Innenhof – ein Atrium – mit einem Durchmesser von circa neun Metern, dessen Wände fünf Meter hinaufführen und die Sicht auf den Sternenhimmel offenlassen.
Ein offenes Feuer und Stehtische aus Eis sollen eine wunderbare Stimmung erzeugen.
Umfasst wird das Atrium mit einem Rundgang, der optisch in fünf Elemente unterteilt wird. Drei davon werden als Galerieräume mit einheimischen Kunstschaffenden bespielt. Mit von der Partie sind Jean Badel aus Guarda, Otmar Derungs aus Strada, Alesch Vital aus Scuol und natürlich Cotti und Buschor.
In einem Eisraum wird der Eingang mit einer gemütlichen Lounge platziert. Im letzten Abschnitt ist die Bar mit Sitzgelegenheiten – mit Fellen und Filzunterlagen natürlich. «Ein offenes Feuer und Stehtische aus Eis erzeugen eine wunderbare Stimmung», schildert Cotti die Idee.
Eine neue Plattform für Künstler
Noch existiert das Atrium aus Eis und Schnee nur auf Papier. Noch sind auch die Temperaturen zu hoch, um mit den Vorbereitungen anzufangen. Mit drei Wochen Arbeit rechnen Cotti und Buschor. «Wir sind ein eingespieltes Team, auch wenn wir jedes Mal etwas anderes machen», sagt Buschor. Am 26. Dezember soll die offizielle Eröffnung stattfinden.
Ermöglicht wird dieses Projekt durch die finanzielle Unterstützung vom Verein Art Engiadina, von Sponsoren und von Geschäftsführer Wolfgang Bosshardt. Er ist auch Betreiber des Camping Sur En und stellt die ganze Infrastruktur zur Verfügung. «Mit dem Atrium soll eine neue Plattform für Künstler geschaffen werden», sagt Bosshardt. Gleichzeitig soll das Eiskunstwerk auch eine touristische Attraktion sein.
Die Öffnungszeiten des Atriums stehen mit Mittwoch bis Samstag von 17 bis 20 Uhr bereits fest. Angedacht sind auch wöchentliche Führungen. Das Atrium soll zudem für Anlässe gebucht werden können. «Uns geht es darum, ein Erlebnis zu schaffen», sagt Buschor.
Ein vergängliches Kunstwerk
Ein Erlebnis ist es für die Künstler bereits, das Atrium zu erschaffen. «Mit Eis und Schnee arbeitet man mit anderen Dimensionen», meint Buschor. «Es ist ein Material, das dir die Natur schenkt und fasziniert, weil es vergänglich ist», sagt Cotti. Am Ende der Wintersaison schmilzt das Atrium aus Eis und Schnee und kehrt in seinen natürlichen Wasser-Kreislauf zurück.
Laut Buschor macht die Vergänglichkeit des Materials auch einen grossen Teil der Faszination aus, den die Besucher bei Eiskunstwerken verspüren. «Man muss das Werk verinnerlichen. Es ist eine besondere Wahrnehmung, es geht um die Entdeckung der Aufmerksamkeit.»
Fadrina Hofmann ist als Redaktorin für die Region Südbünden verantwortlich. Sie berichtet über alle gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Themen, die in diesem dreisprachigen Gebiet relevant sind. Sie hat Medien- und Kommunikationswissenschaften, Journalismus und Rätoromanisch an der Universität Fribourg studiert und lebt in Scuol im Unterengadin. Mehr Infos
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