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«Wir sollten uns nicht verstecken müssen»

Am heutigen Coming-Out-Day sind Schwule und Lesben dazu aufgerufen, sich zu outen. Die Jugendgruppe «Whatever» in Graubünden hilft dabei.

Kristina
Ivancic
Donnerstag, 11. Oktober 2018, 13:50 Uhr Diskriminierung in Graubünden
Symbolbild: Noch immer erfahren gleichgeschlechtliche Paare Diskriminierung.
MARCO HARTMANN

«Schwul? Lesbisch? Bi? Transgender? Pansexuell? Intersexuell? Etwas dazwischen? Oder schlicht queer? Dann bist du bei uns an der richtigen Adresse!» Mit diesen Worten begrüsst die Jugendgruppe «Whatever» die Besucher auf ihrer Website. Wie die Wortwahl verrät, sollen Jugendliche – geoutet oder auch nicht – dort einen Platz finden, an dem sie sich nicht verstellen müssen. «Bei uns kann jeder so sein, wie er ist, egal wie er ist», erklärt Jasmin Bauer.

Wie die Co-Leiterin von «Whatever» erklärt, ist das Bedürfnis nach einer solchen Gruppe noch immer sehr gross. «Viele kommen zu uns noch vor ihrem Outing, um sich erst einmal in einer sicheren Umgebung einzugestehen, wer sie wirklich sind.» «Whatever» würde ihnen dann helfen, sich selbst zu akzeptieren, bevor sie den Schritt an die Öffentlichkeit wagen.

Kampf gegen Diskriminierung

Das Coming-Out ist nicht immer einfach, wie Bauer sagt. «Man muss sich erst einmal selber eingestehen, 'anders' zu sein. Es realisieren. Und dann muss man lernen, sich so zu akzeptieren. Und begreifen, dass es in Ordnung ist, anders zu sein. Erst dann geht es darum, den Schritt nach aussen zu wagen», sagt Bauer. Und dort wartet bereits die nächste Hürde: Betroffene erfahren noch immer grosse Diskriminierung. Sie werden gemieden, ausgegrenzt, beschimpft oder gar angespuckt. Von solchen Erfahrungen berichten Menschen, die sich geoutet haben, immer wieder.

Sich gegen Diskriminierung und für Aufklärung einsetzen – das ist ebenfalls ein Ziel der Gruppe. Dieses Jahr gab es vor diesem Hintergrund eine Demonstration in Chur. Und im nächsten Jahr plant die Gruppe, einen Abend in der «Höflibeiz» das Ruder zu übernehmen. «Indem wir dort sind, kochen und servieren, kommen wir mit den Gästen in Kontakt. So können wir ihnen zeigen, dass wir ebenfalls ein Teil dieser Gesellschaft sind – und keine Abnormalität.»

Graubünden bunt machen

Ein Coming-Out tut gut. Davon ist Bauer überzeugt. «Es fühlt sich unglaublich gut an, sich nicht mehr verstecken zu müssen. Und wir sollten uns nicht verstecken müssen.» Und deshalb ist Bauer die Co-Leiterin von «Whatever» in Graubünden. Sie will auch andere Jugendliche helfen, die sich in einer solchen Situation befinden. Damit die Gruppe ihrer Aufgabe auch in Zukunft nachkommen kann, sucht sie derzeit neue Vorstandsmitglieder, «die helfen, Graubünden bunt zu machen.»

Selbst wenn sich Menschen weltweit dafür einsetzen, mehr Verständnis für die «LGTB+»-Gemeinde zu schaffen, wissen viele noch nicht, wofür die einzelnen Begriffe stehen, nachdem sich Betroffene geoutet haben. Was heisst denn Transgender? Pansexuell? Intersexuell? Hier kommt die Antwort:

 

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