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Graubünden ist grösser geworden und liegt weiter im Osten

Graubünden ist gewachsen, um etwa 80'000 Quadratmeter oder zirka zehn Fussballfelder. Der Kanton hat sich aber nicht etwa ausgedehnt, der Grund liegt im Detail.

Südostschweiz
Freitag, 14. September 2018, 04:30 Uhr 80'000 Quadratmeter
Der Nullpunkt liegt in Bern, der Grenzübergang Tirano im Puschlav ist davon 1,8 Meter weiter entfernt als seit 1903 gültig.
KANTON GRAUBÜNDEN

Der Kanton Graubünden hat eine Fläche von 7105 Quadratkilometer – ungefähr. Denn seit dem Jahr 2016 gilt in der ganzen Schweiz ein neuer Bezugsrahmen für Vermessungen. Dieser Bezugsrahmen, LV95, löste den alten, LV03, ab. Durch diese neuen Daten ist der Kanton Graubünden gewachsen, also um rund acht Hektaren oder 80'000 Quadratmeter grösser geworden.

Die neuen Vermessungen zeigen eine leichte Verzerrung des Kantons Richtung Südosten.

Das entspricht etwa der Grösse von zehn Fussballfeldern. Über diese zusätzliche Fläche, die da plötzlich verfügbar wäre, würde man sich in Chur so kurz vor der nächsten Sportanlagen-Abstimmung wohl freuen. Zum Vergleich: Die Churer Altstadt hat eine Fläche von etwa 0,4 Quadratkilometer, 400'000 Quadratmeter oder zwischen 45 und 50 Fussballfelder.

Zehn Fussballfelder, etwa so viel «grösser» ist der Kanton Graubünden geworden.

Was ändert sich dadurch für Otto Durchschnittschweizer? Schickt einen das Navi im Auto jetzt plötzlich nach Tirano oder hält einen schon Bivio an, statt ans gewünschte Ziel nach St. Moritz? Oder muss man sich um das Schienennetz der Rhätischen Bahn sorgen, das womöglich verzogen und verbogen werden könnte?

Muss die Schweizer Luftwaffe einen neuen Anflug auf den Landplatz Churer Rossboden finden? Oder gar die russischen Milliardäre den Flugplatz Samedan anders anfliegen? Sind wir Bündner jetzt noch weiter vom Zentrum der politischen Schweiz in Bern – dort liegt der Nullpunkt für die neuen Messungen – entfernt?

Alles nur eine Frage des Messgenauigkeit

Der Leiter des kantonalen Amts für Landwirtschaft und Geoinformation, Daniel Buschauer, gibt Entwarnung. Diese Weniger-als-ein-Zehntel-eines-Quadratkilometers zusätzliche Fläche ist schlicht und einfach genaueren Messungen zu verdanken.

Es also natürlich weder so, dass die wehrhaften Räter neues Land erobert, noch dass die Plattentektonik der Erde die Alpen weiter aufgefaltet und mehr Fläche geschaffen hätte.

Einige Bündner Grundbesitzer dürfen sich aber dank dieser neuen Messungen durchaus über mehr Land freuen. Reich werde dadurch aber niemand, muss Buschauer mögliche Hoffnungen gleich im Keim ersticken. «Alle Parzellen im Kanton wurden von den Geometerbüros im Auftrag des Kantons neu berechnet und einige wurden grösser und einige auch etwas kleiner.»

Weniger als ein Prozent der Parzellen betroffen

Von total über 220'000 Parzellen im Kanton weisen laut Buschauer weniger als ein Prozent eine Veränderung von mehr als zwei Quadratmeter auf. Zwei Quadratmeter mehr Fläche ist eigentlich kaum erwähnenswert: Bei einer Fläche von 10 x 10 Metern bedeuten zwei Quadratmeter mehr Fläche, dass eine Seitenlänge 20 Zentimeter länger wird, also 10 x 10,2 Meter.

Im Alltag sind es denn auch die Bauplaner, Architekten und Strassenplaner, die die neuen Daten tatsächlich verwenden. Sie alle müssen nun ab Februar 2019 den Bemessungsrahmen LV95 nutzen, das hat der Kanton beschlossen – andere Daten sind dann in amtlichen Verzeichnissen sowieso nicht mehr verfügbar.

Und für alle die eingangs gestellten Fragen gilt: Nein.

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