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Rauchende Kinder, geköpfte Gänse und mittendrin ein Fotograf

In den vergangenen zwei Jahren hat sich «Südostschweiz»-Fotograf Sasi Subramaniam stark mit Schweizer Bräuchen auseinandergesetzt. Und für seine Diplomausbildung mit seiner Fotokamera festgehalten. Details spielen dabei für ihn eine wichtige Rolle.

Marco
Lüthi
Samstag, 08. September 2018, 04:30 Uhr Fotograf Subramaniam

Mit Glarner Bräuchen ist Sasi Subramaniam bereits bestens vertraut. Der Glarner Fotograf veröffentlichte gemeinsam mit Historikerin Susanne Peter-Kubli vor zwei Jahren das Buch «Lebendiges Glarnerland».

Neben dem Schiibefleuge, dem Fridolinsfeuer, der Näfelser Fahrt, der Glarner Landsgemeinde oder den Alpabfahrten gibt es in der übrigen Schweiz noch viele weitere gelebte Bräuche und traditionelle Feste. 16 davon besuchte Sasi Subramaniam während seiner zweijährigen Diplomausbildung an der Schweizer Journalistenschule MAZ in Luzern. Diese schloss er im März mit einer Fotoserie über Schweizer Brauchtum ab.

«Der weltberühmte schweiz-amerikanische Fotograf Robert Frank hat einmal gesagt, dass ihm die Schweiz langweilig erscheint. Ob das wirklich so ist, wollte ich mit diesem Fotoprojekt selbst herausfinden», sagt Subramaniam. Dabei ging es dem 44-Jährigen vor allem um eines: die Schweizer Bräuche aus Sicht eines Flüchtlings zu zeigen – seiner eigenen.

Sasi Subramaniam stammt aus Sri Lanka, wo er als Journalist und Kriegsreporter arbeitete. Vor rund zehn Jahren zwang ihn der dort tobende Bürgerkrieg zur Flucht. Die Gewalt richtete sich auch gegen die Medien. Gemeinsam mit seiner Frau Sunethra, die ebenfalls Journalistin ist, flüchteten sie in die Schweiz und strandeten so im Glarnerland. Heute wohnt er mit seiner Frau und den beiden Kindern in Mollis. Seit mehr als sieben Jahren fotografiert er für die Glarner Ausgabe der «Südostschweiz». Schon da besuchte er für die Regionalzeitung regelmässig traditionelle und urchige Anlässe im Kanton Glarus.

Die Gegensätze der Schweiz

Die Reise durch das Schweizer Brauchtum führte Sasi Subramaniam unter anderem ins Wallis, wo Kühe miteinander kämpfen, nach Sursee, wo tote Gänse enthauptet werden, oder an die Viehschau in Appenzell, wo Kinder qualmen. Vor allem Letzteres faszinierte den 44-jährigen Fotografen besonders. Dass Kinder einmal im Jahr rauchen dürfen, das kennt Subramaniam ja schon aus dem Glarnerland. Trotzdem: «Die Schweiz ist ein geregeltes Land mit einer grossartigen Demokratie und vielen politischen Abstimmungen im Jahr. Und auf der anderen Seite gibts Bräuche, bei denen Kindern rauchen und Gänsehälse abgetrennt werden.» Dieser Gegensatz sei einfach faszinierend – eine komplett andere Seite der Schweiz.

Kühe auf dem Oberarm

Wenn Sasi Subramaniam mit seiner Fotokamera auf Sujet-Jagd ist, gibts oft Momente, in denen er blitzschnell reagieren muss. Dann, wenn die Symmetrie von Farben, Objekten oder das Zusammenspiel von Licht und Schatten für ihn stimmt. Etwa, als er im Mai 2017 die Kuhkämpfe im Wallis besuchte. Dort traf er auf eine Frau mit tätowierten Kühen auf dem Oberarm, die seitlich neben einem Plakat mit kämpfenden Walliser Kühen stand. Oder am Zibelemärit in Bern, an dem einem Verkäufer mit umgehängter Zwiebelkette der Schatten einer solchen mitten übers Gesicht verläuft.

Doch es sind auch die besonderen Augenblicke, die dem 44-Jährigen nicht entgehen: Eine Frau stützt sich mit verschränkten Armen auf dem Rahmen des offenen Autofensters ab, um an ihr die mit Blumen geschmückten Kühe auf der Strasse in Näfels vorbeiziehen zu lassen. «Viele Autofahrer regen sich während den Alpabzügen auf. Doch diese Frau hat ihr Auto am Strassenrand parkiert, um den Abzug zu geniessen», zeigt sich Sasi Subramaniam nach wie vor beeindruckt.

Zu Ende ist die Entdeckungsreise durch das Schweizer Brauchtum für den Glarner Fotografen aber bei Weitem noch nicht. Seine Bilder sollen in naher Zukunft in Buchform erscheinen. Dafür wird Sasi Subramaniam in den nächsten zwei Jahren viele weitere Bräuche und Feste in der Schweiz besuchen und sie mit seiner besonderen Sicht festhalten.

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