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Das Geisterhaus in der Innenstadt zerfällt langsam

Die alte Churer Fuhrhalterei am Tor zum Welschdörfli ist in einem traurigen Zustand – und deshalb teilweise einsturzgefährdet. Ob das Gebäude erhalten werden kann, ist noch unklar.

Südostschweiz
Montag, 23. Juli 2018, 04:30 Uhr Die alte Fuhrhalterei
Mehr Ruine als Gebäude: Die alte Fuhrhalterei am Eingang zum Churer Welschdörfli ist teilweise einsturzgefährdet .
OLIVIA ITEM

Seit vielen Jahren bröckelt sie vor sich hin. Die einst stolze Baute, die viel aus alten Zeiten erzählen könnte, ist wegen latenter Einsturzgefahr seit Langem unbewohnt. Sie beherbergt bloss noch ein Spezialgeschäft für Mountainbiker, die von Brambrüesch nach Chur herniedersausen, sowie ein paar Lagerräume. Ja, die alte Fuhrhalterei an der Kasernenstrasse in unmittelbarer Nähe zum Welschdörfli hat sicher schon bessere Zeiten gesehen. Das langsam zerfallende Haus mit Wohntrakt, Turm und Pferdeställen im Erdgeschoss gehört der Stadt beziehungsweise deren Wohnbaugenossenschaft Chur.

Vorerst ändert sich am Zustand kaum etwas

Zwar hat der Stadtrat kürzlich einen Kredit von 53 000 Franken für den Erhalt und die Sicherung der hochbetagten Bausubstanz gesprochen. Weitere 37 000 Franken fliessen zwecks Gebäudesicherung dem alten Stadtspital am Bienenweg zu. Ändern wird sich am Istzustand der Fuhrhalterei durch diese baulichen Eingriffe vorerst aber kaum etwas. Denn eine Gesamtsanierung der alten Fuhrhalterei würde zwischen vier und sechs Millionen Franken kosten, wie der Stadtrat in seiner Antwort auf einen parlamentarischen Vorstoss von SP-Gemeinderätin Tina Gartmann-Albin zu bedenken gibt.

Zugang wird blockiert

«Wir wissen, dass der Zustand des Gebäudes desolat ist», sagt Alfred Janka. Er ist Immobilien-Projektleiter bei der städtischen Dienststelle Immobilien und Bewirtschaftung. Deshalb sei es wichtig, an beiden Gebäuden umgehend Sicherungsmassnahmen vorzunehmen. Akut einsturzgefährdet ist die Fuhrhalterei aber offenbar nicht als Ganzes. Gesichert werden müssten die Stützkonstruktionen der Balustrade beim Eingangsbereich, der Turm, der Kamin und das Dach, erklärt Janka. Gleichzeitig wird vorsichtshalber der Zugang zum Haus über den Innenhof blockiert. Es sei mittlerweile zu gefährlich, die hölzerne Balustrade im Innenhof zu betreten, so Janka.

Schutzwürdig oder nicht?

Doch wie geht es mit der alten Fuhrhalterei weiter, wird sie bald abgerissen oder gar saniert? Der Stadtrat lässt sich da noch nicht in die Karten blicken. Er rechnet in den nächsten Jahren jedoch mit weiteren Bausicherungsmassnahmen, wie er in seiner Antwort auf den Vorstoss Gartmann-Albins festhält.

Und wie ist es um die Schutzwürdigkeit des alten Gebäudes bestellt? Bezüglich Schutzwürdigkeit und eines allfälligen Abbruchverbots kann Immobilien-Projektleiter Janka zum jetzigen Zeitpunkt «keine abschliessende Antwort geben», wie er sagt. Grund dafür sind Verfahren zur Inventarisierung schützenswerter Bauten und zum andern das bereits erwähnte Quartierplanverfahren Welschdörfli, die momentan im Gang sind.

Vom Bündner Heimatschutz war zum Thema alte Fuhrhalterei wegen Ferienabwesenheit keine Stellungnahme erhältlich.

Gemeinsame Nutzung wird angestrebt

Der Stadtrat wird, wie er in Aussicht stellt, in nächster Zeit eine Nutzungsstudie in Auftrag geben. Davon tangiert ist nicht nur das Fuhrhaltereiareal, sondern auch der Parkplatz Freihof im Welschdörfli. Nach den Vorstellungen der Stadtregierung wird «eine gemeinsame, integrative Nutzung der alten Fuhrhalterei und auf dem Areal Freihof angestrebt». Eine «öffentliche oder halböffentliche Nutzung des Areals» schliesst er in diesem Zusammenhang «nicht von vorneweg aus». Parallel zur besagten Nutzungsstudie läuft seit dem letzten Jahr «auf Anregung privater Grundeigentümer» ausserdem ein Quartierplanverfahren. Und derweil wird die alte Fuhrhalterei weiter vor sich hinbröckeln.

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