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Camenisch: «Entenflöhe brauchen andere Lebewesen zum Überleben»

Entenflöhe lieben warmes, seichtes Wasser. Dies musste die Igiserin Nikolina Ganser am vergangenen Sonntag feststellen, als ihre beiden Kinder von den Flöhen befallen wurden. Flurin Camenisch vom Naturmuseum Graubünden erklärt, um was es sich bei den Tieren genau handelt.

Südostschweiz
Mittwoch, 11. Juli 2018, 04:30 Uhr Das sagt der Experte

Die Igiserin Nikolina Ganser verbrachte letzten Sonntag mit ihrer Familie den Tag am Chapfensee bei Näfels. Plötzlich kam es zu einer unschönen Überraschung. Die Körper ihrer beiden Kinder waren mit Pusteln übersät. Grund dafür waren Entenflöhe.

«Ein Entenfloh ist ein Parasit, ein Lebewesen das andere Lebewesen braucht, um sich überhaupt entwickeln zu können. Eigentlich handelt es sich um eine Wurmart, die sich nur unter Mithilfe von Wasservögeln und Wasserschnecken entwickeln kann. Es ist ein ganz kleines, ypsilonförmiges Lebewesen von nur wenigen Millimetern, das die Hauptentwicklung in einem Wasservogel, hauptsächlich in Enten, durchführt. In der Ente entwickelt sich der Parasit weiter und legt Eier, die dann wiederum durch den Kot ins Wasser ausgeschieden werden.» So erklärt Flurin Camenisch vom Naturmuseum Graubünden die in diesem Falle doch unangenehmen Parasiten.

Vom Kot der Vögel in die Schnecken

«Danach schlüpfen Larven, die von Wasserschnecken aufgenommen werden und sich darin ein weiteres Mal weiterentwickeln», so Camenisch. Von der Schnecke aus suchen sich die Zerkarien, so heissen die Tierchen nach dem Verlassen der Schnecken, in der Regel durch die Haut von Wasservögeln erneut einen neuen Wirt. «Und hier taucht dann auch das Problem auf, dass auch der Mensch hin und wieder im Wasser ist. Befallen die Larven einen Menschen, sterben sie allerdings ab, da es sich hierbei um keinen Endwirt handelt. Die abgestorbenen Parasiten werden in der Folge von Abwehrstoffen im Körper aufgelöst. Durch diese Reaktion gibt es für Menschen dann aber Nebenwirkungen in Form von lästigem Juckreiz», erklärt Camenisch weiter.

Entenflöhe lieben warmes Wasser

Eine Häufung der Parasiten ist grundsätzlich immer mit warmen Sommertagen verbunden. «Ab rund 20 bis 23 Grad Wassertemperatur können sich die Entenflöhe im seichten Wasser optimal vermehren. Hiervon betroffen sind dann auch vor allem Seen, die über keine grosse Wassertiefe verfügen und sich schnell aufheizen», erklärt Flurin Camenisch weiter.

Sogar der Winter ist für die Tiere kein Problem

Die Entenflöhe sind laut Camenisch sogar in der Lage, in den unterschiedlichen Entwicklungsstadien zu überwintern. Selbst das rund vier Grad warme Wasser unter den Eisschichten lässt die Tiere nicht absterben.

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