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Support für eine grenzenlose Gesundheitsversorgung

Das Gesundheitszentrum Val Müstair will die Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich mit dem Südtirol intensivieren. Mit dem Besuch von Bundesrat Ignazio Cassis kommt Bewegung in die Angelegenheit.

Fadrina
Hofmann
Dienstag, 10. Juli 2018, 04:30 Uhr Gesundheitszentrum Val Müstair
Hoher Besuch: Bundesrat Ignazio Cassis lässt sich die Arbeitsweise am Gesundheitszentrum Val Müstair erklären.
ROLF CANAL

Für die meisten Münstertaler war es eine grosse Ehre, dass Bundesrat Ignazio Cassis am Wochenende ihre Heimat besucht hat. Für die Verantwortlichen des Gesundheitszentrums Val Müstair war es aber vor allem eine grosse Chance. Denn die Verhandlungen für eine intensivierte grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Grundversorgung stocken. Das Gesundheitszentrum will sich auch für die italienische Bevölkerung öffnen. Doch das Unterfangen ist zum Stillstand gekommen.

«Wir brauchen einen gewissen Support bei den Verhandlungen in Rom, und der Bundesrat hat uns die Unterstützung in Aussicht gestellt», sagte Regierungsrat Christian Rathgeb kurz vor dem Rundgang mit Cassis im Spital in Sta. Maria. Begleitet wurden die Politiker auch von der Bürgermeisterin von Taufers, Roselinde Gunsch, und dem Gemeindepräsidenten von Val Müstair, Rico Lamprecht.

Ein gut funktionierendes Spital

Cassis ist selber Arzt, ein Internist. Damit betrat also ein Fachmann das Gebäude, welches eines der kleinsten Spitäler der Schweiz ist. Begleitet von Direktorin Judith Fasser und Kommissionspräsident Hansruedi Steiner sowie dem Chefarzt Theodor von Fellenberg liess sich Cassis alles zeigen: von der Ambulanz zur Arztpraxis mit Ultraschalldiagnostik bis zur Pflegeabteilung.

Der Bundesrat zeigte sich sehr interessiert. Er fragte etwa, wie man Assistenzärzte für diese entlegene Region akquirieren könne. Er wollte wissen, ob die schwierigen Witterungsbedingungen im Winter Probleme bei der Rettung verursachten. Und er wollte auch erfahren, wie es mit den Gesundheitskosten pro Einwohner im Tal aussehe. Diese gehören gemäss Berchtoldstudie von 2014 zu den tiefsten im Land.

Fasser erläuterte dem Bundesrat mit konkreten Zahlen, wie umfassend das Angebot des Kleinstspitals ist: 3,5 Akutbetten, 28 Pflegebetten, 60 bis 70 Spitex-Patienten, 123 Rettungseinsätze pro Jahr, 7500 Arztkonsultationen inklusive der Konsultationen der Konsiliarärzte. «Wir versuchen, stetig das Angebot den Bedürfnissen der Patienten anzupassen», sagte Fasser.

Viele Jahre und viele Ordner

Ein klar geäussertes Bedürfnis ist, dieses Angebot auch für das nahe Vinschgau zu öffnen. «Wir sind seit vielen Jahren an einem entsprechenden Projekt dran, viele Ordner sind in dieser Zeit gefüllt worden, aber die Angelegenheit hat sich totgelaufen», sagte Steiner. Das Anliegen des Gesundheitszentrums Val Müstair sei, dass beide Staaten eine Absichtserklärung für eine interregionale Zusammenarbeit unterzeichneten. «Damit könnten wir in eine nächste Phase gehen, die aus einem Geben und einem Nehmen bestehen soll», erläuterte der Kommissionspräsident.

«Für mich als Aussenminister ist es interessant zu erfahren, welche Art der Zusammenarbeit vorgesehen ist.»

Die Direktbeteiligten seien bereit, die Details der Zusammenarbeit so auszuarbeiten, dass sie von beiden Seiten akzeptiert werden könnten.

Vereinbarung bis Ende Jahr

Der Blick hinter die Kulissen hatte für Rathgeb noch einen weiteren Grund. «Wir stehen in einer schwierigen Phase, Stichwort Einführung von Fallzahlen bei der Grundversorgung», erklärte er. Für Graubünden mit seiner dezentralen Gesundheitsversorgung seien die Fallzahlen ein grosses Problem. Der Besuch im Münstertaler Spital war für Rathgeb deswegen auch eine Gelegenheit, Cassis für diese Thematik zu sensibilisieren.

«Für mich als Aussenminister ist es interessant zu erfahren, welche Art von Zusammenarbeit die Münstertaler mit dem Südtirol machen wollen», sagte Cassis. Seine Aufgabe sei es nun, die rechtliche Lage zu prüfen und zu schauen, welche internationale Beziehungen zum Tragen kommen. «Bundespräsident Alain Berset als Gesundheitsminister und ich als Aussenminister sind prädestiniert, gemeinsam diese Frage anzugehen», sagte er.

In einem nächsten Schritt klärt die Abteilung von Cassis in Bern in Zusammenarbeit mit Sta. Maria und Chur ab, ob die Autonome Provinz Bozen eigenmächtig handeln kann oder ob ein Einschalten der Schweizer Botschaft in Rom notwendig wird. «Wichtig ist, dass wir bis Ende Jahr Klarheit haben», meinte Rathgeb abschliessend.

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