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Reinigungsfirma kontert Ekel-Vorwürfe

Reinigungsfirma kontert Ekel-Vorwürfe

Raumpflegerinnen schlagen im «Blick» Alarm: Sie hätten gar keine Zeit mehr, die Hotelzimmer sauber zu putzen. Einige dieser Frauen arbeiteten für eine Rapperswiler Reinigungsfirma – diese weist die Anschuldigungen zurück.

Südostschweiz
vor 3 Jahren in
Aus dem Leben
So betitelt der «Blick» die Geschichte rund um die Vorwürfe der Putzfrauen.
ROLAND LIEBERHERR

Güsel wegräumen, Betten neu beziehen, Staubsaugen, das ganze Bad sauber machen – alles in zehn Minuten. «Wir Hotelputzfrauen sind am Anschlag», klagen Betroffene in der gestrigen «Blick»-Ausgabe. «Früher hatten wir zu zweit für ein Zimmer 20 Minuten Zeit, heute nur noch die Hälfte. Und die Chefs wollen, dass es noch schneller geht.»

Vier junge Raumpflegerinnen, die bis vor Kurzem in grossen Zürcher Hotels geputzt haben, packen gegenüber der Boulevard-Zeitung aus. Die Lage sei prekär, die Zustände ekelerregend, monieren sie.

Manchmal hätten sie das ganze Zimmer mit demselben aggressiven Mittel reinigen müssen – ohne dieses dann vom Boden oder den Möbeln abwaschen zu können. Vereinzelt hätten sie sogar mit dem gleichen Lappen Gläser reinigen müssen, mit dem sie bereits zuvor das Klo geputzt hatten.

«Unhaltbare, falsche Vorwürfe»

Die Raumpflegerinnen, welche die Missstände anprangern, waren jedoch nicht bei den Hotels selbst, sondern bei Subunternehmen angestellt. Drei der Frauen arbeiteten gemäss «Blick» bei der Firma Burkhard & Partner aus Rappers-wil-Jona. Diese habe unter anderen die Putzmandate in Häusern der Marriott-Gruppe, des grössten Hotelkonzerns der Welt. Zwei der Burkhard & Partner-Angestellten hätten im Fünfsternehotel «Renaissance» hinter der Hardbrücke geputzt, eine weitere im Viersternehotel «Sheraton».

Die Reinigungsfirma aus Rappers-wil-Jona weist gegenüber dem «Blick» alle Vorwürfe zurück: «Wir sind überrascht und konsterniert über die unhaltbaren und falschen Vorwürfe», lässt die Firma über einen Anwalt ausrichten.

Die Zeit für die Reinigung entspreche den branchenüblichen Standards. Das Unternehmen werde gut geführt. «Das zeigt sich auch in den vielen langjährigen und zufriedenen Mitarbeitern», heisst es im Schreiben weiter.

«Wir sind überrascht und konsterniert über die unhaltbaren und falschen Vorwürfe.»

Reinigungsverband reagiert

Die betroffenen Hotels streiten die Vorwürfe dagegen nicht ab. Die Verantwortlichen geben sich aber überrascht und beteuern, dass Sauberkeit oberste Priorität habe. «Wir werden mit dem betreffenden Subunternehmen zusammenarbeiten, um die aufgeworfenen Probleme zu verstehen, und ein angenehmes Arbeitsumfeld sowohl für die Mitarbeiter als auch für die Subunternehmer zu gewährleisten», schreibt eine Sprecherin der Marriott-Gruppe.

Der Verband der Schweizer Reinigungsunternehmen Allpura habe das Problem dagegen schon länger erkannt, schreibt «Blick». Allpura schlägt nun Alarm. Der Verband wolle diese Woche einen Leitfaden an seine Mitglieder verschicken. Darin steht, wie man sich im heiklen Geschäftsfeld Hotelreinigung zu verhalten hat und was die Probleme sind: In Hotels sei die Auslastung der Reinigungskräfte selten konstant, ihre Einsätze aufgrund instabiler Zimmerbuchungen oft nur kurzfristig planbar.

Unia nimmt Hotels in die Plicht

Wegen solcher Unsicherheiten fürs Geschäft würden sich grosse Reinigungsfirmen gar nicht mehr in die Hotels hin- einwagen. Stattdessen liefern sich kleine Unternehmen einen ruinösen Preiskampf. Opfer sind dann die Putzfrauen, die sich kaum wehren können.

Die Gewerkschaft Unia nimmt statt der Reinigungsunternehmen vor allem die Hotels in die Pflicht. «Das Geschäftsmodell vieler Reinigungsfirmen basiert auf einem Preiskampf, der nicht zu bewältigende, unrealistische Zeitvorgaben für die Zimmerreinigung und eine zu dünne Personaldecke zur Folge hat», schreibt Unia. Stattdessen sollten die Hotels den Frauen bessere Arbeitsbedingungen garantieren, indem sie diese direkt anstellen.

 

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