×

Glücksspiel in der Schweiz: Was erlaubt und was verboten ist

Schon in der antiken Zeit schlossen die Bürger bei sportlichen Wettbewerben und anderen Gelegenheiten Wetten miteinander ab.

Südostschweiz
Freitag, 06. Juli 2018, 13:46 Uhr
Zur derzeitigen WM trafen sich etliche Glücksspieler, um sportliche Wetten abzuschliessen.

Das Prinzip einer Wette ist einfach und blieb seitdem unverändert: Mehrere Parteien sagen ein bestimmtes Ereignis voraus. Tritt das gewünschte Resultat ein, so gewinnt derjenige, der darauf einen finanziellen Betrag oder ein anderes Angebot gesetzt hat. Die anderen verlieren ihren Einsatz. Es waren die technischen Möglichkeiten, die das Glücksspiel veränderten und ausweiteten. Online-Casinos sowie andere Wettangebote sind heutzutage – trotz etlichen Anbietern ohne „legale“ Lizenz -  weit verbreitet und etabliert. In jedem Land gelten für die Glücksspiele andere Regeln. Was erlaubt und was verboten ist, richtet sich nach der jeweiligen politischen Situation und danach, ob es um einen Wettanbieter oder um einen Spieler geht.

Sportwetten sind in der Schweiz beliebter denn je

Es sind vor allem die sportlichen Grossereignisse, welche die Schweizer zu zahlreichen Wetten animieren. Bei der Fussballweltmeisterschaft 2018 in Russland, in der die Schweiz als glücklose Mannschaft im Achtelfinale gegen Schweden ausschied, wetteten die Schweizer, was das Zeug hielt: Im Büro, bei Freunden oder auf grösseren Veranstaltungen. Was die Organisatoren betrifft, ist Vorsicht geboten: Ein Gaststättenbetreiber, der mit den Wetteinnahmen ausschliesslich seine Kosten deckt und einen eventuellen Gewinn unter den Teilnehmer aufteilt, befindet sich rechtlich betrachtet auf der sicheren Seite. Gewerbsmässig organisierte Wetten sind nicht erlaubt. Es gibt nur wenige sportliche Veranstaltungen, in denen gewerbsmässig gewettet wird. Dazu zählt das einmal im Jahr stattfindende Pferderennen in St. Moritz oder in Aarau. Dem Wettenden drohen, sobald er eine (illegale) Wette abschliesst, keine strafrechtlichen Konsequenzen vonseiten der Behörden.

Für das Online-Glücksspiel gelten in der Schweiz strikte Regeln

Prinzipiell verbieten die staatlichen Gesetze in der Schweiz das Online-Glücksspiel. Ein Volksentscheid der Bürger macht den Weg frei für ein neues, umstrittenes Glücksspielgesetz in der Schweiz. Mehr als 70 Prozent der Bürger sprachen sich für ein strenges Glücksspielgesetz aus. Ab 2019 ist es ausländischen Anbietern verboten, Online-Glücksspiele in der Schweiz anzubieten. Die Regierung greift in dieser Hinsicht hart durch und blockiert die Webseiten aller internationalen Betreiber, die nicht zu den landbasierten Casinos gehören. Diese erhalten wiederum ein exklusives Anrecht auf eine Online-Lizenz. Während Kritiker dem Vorhaben skeptisch gegenüberstehen, von einem „Rückschritt der Digitalisierung“ sowie einer „beginnenden Zensurinfrastruktur“ sprechen, begrüsst die unabhängige Stiftung „Sucht Schweiz“ das Vorhaben grundsätzlich. Die Stiftung, die sich mit unterschiedlichen Kampagnen für die Prävention von Spielsucht einsetzt, fordert, den Schutz der Spieler noch weiter zu verbessern.

Wie Betreiber dennoch ein Online-Casino betreiben

Die grundlegende Voraussetzung, die ein Betreiber erfüllen muss, um ein seriöses Online-Casino zu führen, stellt eine Glücksspiellizenz dar. Es bestehen zwei Optionen, wie sich ein Online-Casino oder eine ähnliche Plattform in der Schweiz aufbauen lässt. Liegt die Lizenz vor, so heisst es, die infrage kommenden Zahlungsanbieter zu kontaktieren und mit ihnen entsprechende Verträge abzuschliessen. Das Unternehmen benötigt anschliessend ein eigenes Händlerkonto. Eine andere Möglichkeit bezieht sich darauf, ein White Label zu betreiben und unmittelbar danach das Projekt zu bewerben. Für einen gelungen Start in die Welt des Online-Glücksspiels fehlt anschliessend nur noch eine geeignete und stabile Software.

Diese Regeln gelten für die Casinos in der Schweiz

Für die in der Schweiz beheimateten Casinos gelten ebenso strenge Regeln. Es dürfen lediglich die Spielbanken ihre Dienstleistungen anbieten, welche eine gültige Konzession vorweisen. Im gesamten Land gibt es davon lediglich knapp über 20 Anbieter. Es ist strafbar, auf eigene Faust ein Casino ohne Lizenz zu eröffnen. Für die Besucher gilt dasselbe Prinzip wie bei den Sportwetten: Sie dürfen bei einem illegalen Anbieter, der keine aktuelle Lizenz aufweist, an einem Glücksspiel teilnehmen. Sobald sich die Behörden entschliessen, gegen den Betreiber ein strafrechtliches Verfahren zu eröffnen, haben die Teilnehmer rein rechtlich betrachtet nichts zu befürchten. Sie sollten allerdings damit rechnen, ihren gesetzten Einsatz zu verlieren.

Pokerturniere sind abseits der Spielecasinos seit 2010 verboten

Schlechte Nachrichten für alle Poker-Freunde: Gewerbsmässige Turniere sind laut Artikel 4 Absatz 1 des Spielbankengesetzes weiterhin verboten. Die Spielbankenkomission behält es sich im Zweifelsfall vor, individuell über den Einzelfall zu entscheiden. Solch ein Fall tritt beispielsweise bei einem privaten Spiel im Kreis von Freunden und Familie auf. Wer Glücksspiele in privaten Vereinen, in privaten Clubs oder gar im Rahmen einer „halb-öffentlichen“ Veranstaltung offeriert, muss grundsätzlich mit einer Strafe rechnen. Der Beschluss richtet sich klar gegen das ursprüngliche Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, wonach die Poker-Variante „Texas Hold’em“ als Geschicklichkeitsspiel einzustufen sei. Denn: Beim Poker ist unklar, ob mehr Geschicklichkeit als Zufall gefragt ist. Die „reinen“ Geschicklichkeitsspiele wie beispielsweise Schach sind auch dann, wenn ein finanzieller Einsatz vorliegt, uneingeschränkt legal erlaubt.

Kommentar schreiben

Kommentar senden