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Seine grosse Liebe Chur lässt einen Engadiner nicht mehr los

Gian Tuffli hält die Veränderungen der Stadt Chur seit 20 Jahren in Bildern und Videos fest. Er geht damit mit gutem Beispiel voran.

24.06.18 - 04:30 Uhr
Aus dem Leben
Gian Tuffli schaut genau hin, was sich in den Churer Strassen alles abspielt.
Gian Tuffli schaut genau hin, was sich in den Churer Strassen alles abspielt.
OLIVIA ITEM

«Mit jedem Tod eines Menschen geht auch eine Geschichte verloren», sagt Gian Tuffli. Nichts mehr werde aufgeschrieben, nichts bliebe der Nachwelt erhalten. Das schmerzt ihn.

Gian Tuffli macht es deshalb anders. 1965 zügelte er von Scuol in die «Grossstadt» Chur. Seither ist sie seine Weggefährtin. Eine Stadt, die nie stehen bleibt. Der 69-Jährige hält ihren Wandel in Bild und Video fest. Mit den Fotografien begann er vor 20 Jahren. «Wer mit offenen Augen durch die Stadt läuft, entdeckt lauter spannende Details», so Tuffli. Besonders der Blick nach oben lohne sich. Beispielsweise in der Churer Altstadt, wo Dutzende Malereien die Häuserfassaden verzieren. 

Tuffli ist auch überall dort, wo neue Überbauungen entstehen und Altes abgerissen wird. Im Wissen darum, dass sein Material in 50 Jahren noch interessanter sein dürfte als heute.

Youtube statt Stadtarchiv

Tuffli wusste erst nicht, wohin mit seinen Aufnahmen. Eine Idee: seine Bilder und Videos dem Stadtarchiv zu übergeben. Eine andere war es, den modernen Weg zu gehen. Er meldete sich auf Facebook in der geschlossenen Gruppe «Du bisch vo Chur, wenn...» an. Schnell wurde es ihm zu bunt. «Es wurde zu viel gestritten», sagt Tuffli. 

Gian Tuffli in der Natur und als Statist im zweiteiligen Historien-Film «Gotthard».
Gian Tuffli in der Natur und als Statist im zweiteiligen Historien-Film «Gotthard».
FACEBOOK

Dann entdeckte er die Facebook-Gruppe «Chur mon amour», gegründet vom alt eingesessenen Churer Fredy Dekumbis. Hier geht es darum, Heimatgefühle zu wecken, alte Bilder zu zeigen und mit ihnen in der guten alten Zeit zu schwelgen. Genau das Richtige für Tuffli also.

Tuffli stellte viele alte Bilder zusammen und packte sie in ein Video. Da ist zum Beispiel die Serie «Alt - neu», in der Tuffli Strassen und Plätze von früher der heutigen Zeit gegenüberstellt. Musikalisch umrahmt von den Liedern und Texten von Rico Cavegn. Die Videos landeten auf «Chur mon amour» – und auf Youtube.

«Wo kann man das kaufen?»

Die Resonanz auf die Videos aus Chur ist gross. Der dritte Teil der Serie «Alt - neu» zählte über 30 000 Aufrufe. Nicht viel weniger als Chur Einwohner zählt. «Leider musste ich etwas am Video ändern, das neu hoch geladene Video steht mittlerweile aber auch schon bei 4000 Aufrufen», so Tuffli.

Dass die Videos beim Publikum ankommen, merkt Tuffli auch auf anderen Wegen. Jahrgänger-Treffs wollen die Filme zeigen. Sie werden per SMS und Whatsapp weitergeleitet. Tuffli wird gar gefragt, wo es denn die Filme zu kaufen gebe.

Um Profit geht es Tuffli nicht. Die Zeitdokumente sind für ihn wertvoller als Papier in Notenform. Und so macht er munter weiter mit seiner ganz eigenen Interpretation von Freiwilligenarbeit. Am 29. Juni soll ein neues Video erscheinen. Ein Video, welches die Churerinnen und Churer der Zukunft ins Staunen versetzen dürfte. Denn Tuffli gibt seine Geschichte und die der Stadt weiter. Im Bild, auf Video. Und privat in seinem ganz persönlichen Buch, das Seite um Seite gewinnt und nur für seine Familie bestimmt ist. Ganz nach dem Motto: Jede nicht verlorene Geschichte ist eine gewonnene Geschichte.

Zum Youtube-Kanal von Gian Tuffli geht es hier

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