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Mit Flüchtlingen in Kontakt getreten

Im Rahmen der Flüchtlingstage organisierten in der Region verschiedene Personen aus Kirche, Kunst und Kultur Aktionen, um mit Flüchtlingen ins Gespräch zu kommen und ihre Geschichten zu erfahren – mit Erfolg.

Südostschweiz
Sonntag, 24. Juni 2018, 04:30 Uhr Flüchtlingstage
Spuren hinterlassen: Ein Flüchtling meisselt seine persönliche Geschichte in eine Stele.
PRESSEBILD

Im Schatten der Grossveranstaltungen wie Tour de Suisse und Blues’n’Jazz fanden am vergangenen Wochenende auch verschiedene Aktionen im Rahmen der Flüchtlingstage statt. Zum Auftakt stand ein Theater auf der Seebühne Schmerikon an.

Das Stück «Der Engel» von Silja Walter war laut Organisator Bruno Jud aber sehr anspruchsvoll, weshalb die Flüchtlinge das Zelt nach rund der Hälfte wieder verlassen hätten. Die restlichen rund 60 Anwesenden hätten es aber genossen.

In der Alten Zementi in Schmerikon entstand ein Labyrinth der besonderen Art, das den Besuchern ein symbolisches Nacherleben einer Fluchtsituation ermöglichte: Wege führten im Kreis herum und Zugänge zu einer gemütlichen Wohnstube waren durch ein Gitter versperrt. Es folgte ein Zickzack-Kurs vorbei an Warntafeln, Regeln und Bestimmungen.

Durchs Labyrinth kriechen

Wer bereit war, zu kriechen, durfte sich durch eine Abkürzung hindurchquälen. Schöne orientalische Welten mussten zurückgelassen werden, da sie durch Kriege zerstört wurden.

Die Sehnsucht auf eine hoffnungsvolle Zukunft wurde durch ein gemauertes Herz enttäuscht und endete in einer Sackgasse. Dort zeigte ein Video der Künstlerin Margit Bartl-Frank Impressionen einer Flucht einer Familie aus Nazideutschland in die Schweiz und zeigte auf, wie wichtig es ist, wenn Menschlichkeit über strenge Gesetze siegt. Von Augenpaaren kritisch beobachtet, gelangte man letztlich doch noch an ein Ziel, an dem man herzlich empfangen wurde.

Die Besucher zeigten sich laut der Künstlerin und Organisatorin Mirjam Rigamonti mehrheitlich positiv beeindruckt von der Kunst-Installation. Die Stimmung war oftmals nachdenklich, aber unerwartete Wendungen und die teilweise humorvolle Gestaltung entlockte manchen Besuchern auch ein befreiendes Lachen.

Auch Kritik hatte ihren Platz und wurde ernst genommen: So bemängelten einige Besucher, dass zu wenig für sozial schwache, ältere und kranke Menschen in der eigenen Bevölkerung gemacht würde. In Gesprächen wurde klar, dass unsere humanitäre Tradition verlangt, dass alle Menschen, unabhängig ihrer Herkunft, gleiche Unterstützung erhalten sollten.

Spuren im Stein hinterlassen

Ebenfalls bei der alten Zementi hat sich Steinbildhauer Ernesto Ghenzi etwas einfallen lassen: Flüchtlinge und Spaziergänger konnten an einer grossen Stein-Stele ihren persönlichen Weg einmeisseln. Es entstanden beeindruckende Spuren – oder wie Genzhi sagt: «Die Spuren sind so verschieden wie die Menschen selbst, aber hier sind sie im Stein vereint und symbolisieren die aufstrebende Hoffnung.»

Im Stadtmuseum Rapperswil fand ausserdem eine spezielle Führung mit Flüchtlingen durch die Ausstellung «Xaver Suters Reise nach Amerika 1849». Auch zwei ökumenische Gottesdienst gehörten zum Programm.

Das OK-Team war trotz des vollen Wochenendes mit dem Interesse der Bevölkerung an den Anlässen zufrieden. Die Sensibilisierung der Interessierten mit den Problemen der Flüchtlinge sei laut Urs Bernhardsgrütter, Diakoniebeauftragter der Seelsorgeeinheit Rapperswil-Jona, gelungen.

Schwieriger sei es gewesen, wirklich viele Kontakte zu den Flüchtlingen zu knüpfen und diese zu vertiefen. «Aus meiner Sicht am meisten gelang dies nach der Führung durch die Ausstellung im Stadtmuseum, wo wir im Forum St. Johann noch zusammen sassen und die aktuellen Probleme der Flüchtlinge uns anhörten und darüber sprachen», lautet Bernhardsgrütters Fazit.

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