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Der Müll steht ihr gut

Tanja Oertli schminkt sich nicht, um besser auszusehen: Die professionelle Make-up-Artistin will einen Wettbewerb für kreatives Schminken gewinnen – und klebt sich dafür Abfall ins Gesicht.

Südostschweiz
Mittwoch, 28. März 2018, 04:30 Uhr Make-Up-Artistin
Als hätte sie den Kopf in den Kübel gesteckt: Tanja Oertli hat sich von der Wegwerfgesellschaft zu ihrem Make-up inspirieren lassen.
Als hätte sie den Kopf in den Kübel gesteckt: Tanja Oertli hat sich von der Wegwerfgesellschaft zu ihrem Make-up inspirieren lassen.
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Am Anfang könnte Tanja Oertlis Youtube-Video als herkömmliches Schminken vor dem Ausgang durchgehen – vorausgesetzt man ignoriert den Kehrichtsack, den sie sich übergestreift hat. Sie trägt Lidschatten auf, zeichnet die Augenbrauen nach und versteckt mit einem Abdeckstift ein bisschen die Augenringe. Dann bastelt sie sich mit Flüssiglatex eine Narbe ins Gesicht und klebt sich eine halbe Cola-Flasche an die Backe. Es folgen Zigi-Stummel an Stirn und Kinn und ein Kinderschoko-Papierchen an der rechten Backe.

Was im Zeitraffer-Video in sechseinhalb Minuten zu sehen ist, brauchte drei bis vier Stunden, erzählt Tanja Oertli. Die 26-jährige Glarnerin bewirbt sich mit dem Video für die Nyx-Face-Awards Switzerland. Die Kosmetika-Marke zeichnet mit dem Wettbewerb besonders kreatives Make-up aus. Zu gewinnen gibt es eine Reise nach Los Angeles.

«Das Kreative liegt mir sehr»

«Mit meinem Make-up möchte ich auf Umweltverschmutzung aufmerksam machen», erklärt Oertli die Idee hinter dem Güsel im Gesicht – in der Regel schminkt man sich ja, um schöner auszusehen. Hier kann sie sich aber ganz ausleben. «Das Kreative liegt mir sehr», sagt Oertli. Die Idee sei ihr an einer Modenschau in Zürich gekommen, bei der es um Kleiderverschwendung ging.

Oertli ist professionelle Make-up-Artistin: Sie verdient ihr Geld mit Schminken. An den letzten Schweizermeisterschaften landete sie auf dem dritten Platz. Danach wurde sie von Nyx angeschrieben und zum Wettbewerb eingeladen. Zu ihrem Alltag gehören sonst Auftragsarbeiten für Fotografen, oder sie schminkt vor Hochzeiten oder auch der Fasnacht. Da folgt sie dann den Wünschen ihrer Kundinnen (und Kunden).

«Schon mit 14 habe ich gemerkt, dass ich das megagern mache», erzählt sie. Ihre Eltern sagten ihr aber, sie solle erst einmal etwas Richtiges lernen. Also machte sie eine Ausbildung zur Detailhandelsfachfrau. Vor zwei Jahren begann sie die Ausbildung zur Make-up-Artistin, die sie vor einem halben Jahr abschloss. «Was gibt es Schöneres, als wenn man einen Job hat, der Spass macht», sagt Oertli.

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