×

Mit Alphorn und Tracht nach Südkorea

Not Carl möchte mit einer Fan-Delegation an die Olympischen Winterspielen nach Pyeongchang. Im Gepäck: sein Alphorn. Für diese Aktion sucht er nun Gönner. Von Präsenz Schweiz gibt es keine finanzielle Unterstützung.

31.01.18 - 04:30 Uhr
Leben & Freizeit
Verbreitet gute Laune: Mit seinem Alphorn ist Not Carl im Ausland bei Olympischen Spielen – im Bild in Sotschi – ein Schweizer Sympathieträger.
Verbreitet gute Laune: Mit seinem Alphorn ist Not Carl im Ausland bei Olympischen Spielen – im Bild in Sotschi – ein Schweizer Sympathieträger.
PRESSEBILD

Präsenz Schweiz ist für die Wahrnehmung der Schweiz im Ausland zuständig. Zur Aufgabe von Präsenz Schweiz gehört laut offiziellen Informationen «die Vermittlung allgemeiner Kenntnisse über die Schweiz, die Schaffung von Sympathien für die Schweiz sowie die Darstellung der schweizerischen Vielfalt und Attraktivität». An den Olympischen Winterspielen ist Präsenz Schweiz jeweils mit dem House of Switzerland vertreten. In Vancouver 2010 und in Sotschi 2014 hat die Organisation des Eidgenössischen Aussendepartements auch eine kleine Fan-Delegation rund um den Engadiner Not Carl unterstützt.

Mit Alphorn, Fahne und Treicheln haben Carl und seine Kollegen an den Austragungsorten die Schweizer Athleten durch heimische Klänge unterstützt. Die urchigen Schweizer haben jedes Mal viel Medienecho ausgelöst. «Unsere Auftritte haben die Schweiz als Nation in ein positives und sympathisches Licht gestellt», meint Carl. Kein anderes Land biete derart einmalige Auftritte an den Olympischen Winterspielen. Dieses Werbepotenzial hatte vor vier Jahren auch Präsenz Schweiz erkannt und sprach damals für Sotschi eine finanzielle Unterstützung.

Enttäuscht über Präsenz Schweiz

Dieses Jahr werden keine Mittel für Carl und seine Kollegen zur Verfügung gestellt. «Ich war sehr enttäuscht über diesen Entscheid», sagt Carl. Für die kleine Delegation, bestehend aus zwei Alphornbläsern, einem Treichler und einem Fahnenschwinger, ist klar, dass sie trotzdem an den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang mit dabei sein wird. Die Reise ist allerdings mit viel Organisation und hohen Kosten verbunden. Allein der Transport von Alphörnern und Treichel nach Südkorea kostet rund 1500 Franken. Deswegen hat Carl ein Crowdfunding-Projekt gestartet. Sein Aufruf auf «I believe in you» lautet: «Werdet Teil unserer Reise nach Südkorea!» Mit der Sammelaktion hofft Carl, einen Beitrag an die Kosten von über 30 000 Franken für Reise und Aufenthalt zu erhalten.

Ihrem Ziel ist die Delegation schon nahe. Am Dienstag hatten bereits 25 Unterstützer dafür gesorgt, dass knapp 5000 der angestrebten 6000 Franken gesichert sind. «Ich bin begeistert von diesem Support», sagt Carl.

National und international

Projektgötti für die Fan-Delegation in Pyeongchang ist übrigens der Münstertaler Langläufer Dario Cologna. Seiner Familie ist es auch zu verdanken, dass Carl – früherer Gemeindepräsident von Scuol und Standespräsident sowie 1995 erster Bündner Touristiker des Jahres – in einer Schnellbleiche zum Alphornspieler wurde. Der heute 68-Jährige hat nur Alphorn spielen gelernt, um in Vancouver die Fan-Delegation begleiten zu können. «Dort habe ich erlebt, wie viele schöne Begegnungen bei den Auftritten mit dem Alphorn entstehen», erzählt er.

Olympische Winterspiele sind ein Schmelztiegel der Nationen. Die meisten Besucher kennen die Schweiz nicht einmal und treten dank dem traditionellen Instrument erstmals in Kontakt zu diesem Land. «Für Nicht-Schweizer sind Alphörner und Treicheln exotisch, und die archaischen Töne faszinieren die Menschen», sagt er. Die Mitglieder der Delegation verstehen sich als Botschafter der Schweiz – weswegen Präsenz Schweiz sie immerhin ins House of Switzerland eingeladen hat.

Fadrina Hofmann ist als Redaktorin für die Region Südbünden verantwortlich. Sie berichtet über alle gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Themen, die in diesem dreisprachigen Gebiet relevant sind. Sie hat Medien- und Kommunikationswissenschaften, Journalismus und Rätoromanisch an der Universität Fribourg studiert und lebt in Scuol im Unterengadin. Mehr Infos

Kommentieren
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Mehr zu Leben & Freizeit MEHR