Die Vorsätze sind im Rotlichtviertel von Chur gestorben
Vor vier Wochen hat das neue Jahr begonnen. Die gefassten Entschlüsse weniger Hochprozentiges zu konsumieren und auf Süsses weitgehend zu verzichten, sind schon wieder beerdigt. Eine Grabgeschichte.
Vor vier Wochen hat das neue Jahr begonnen. Die gefassten Entschlüsse weniger Hochprozentiges zu konsumieren und auf Süsses weitgehend zu verzichten, sind schon wieder beerdigt. Eine Grabgeschichte.
Die Lider sind schwer, wollen sich nicht öffnen. Der Mund ist trocken, der Körper lechzt nach Wasser. Der Kopf brummt. Der imaginäre Hammer klopft lautstark gegen die Schädeldecke. Gopfertammi! Himmelherrgott, was habe ich gestern verbrochen? Zweierlei, schreit das Gewissen.
Erstens: Ich habe tief ins Glas geblickt. Das Sprudelwasser, das mein Älterwerden begiessen sollte, machte den Anfang. Später war es das Hopfen-Malz-Gebräu in der verführerischen Gletscherversion der hiesigen Brauerei und schliesslich das Gebrannte, das mich in der Bar-Meile (respektive Rotlichtviertel) von Chur verdammte und mich ein Hochlied aufs Leben (Viva) singen liessen.
Ich habe mich selbst betrogen
Und zweitens: ich habe mich selbst betrogen. Die zu Neujahr gefassten Vorsätze - weniger Süssigkeiten und weniger Alkohol, ergo seltener einen Hangover - habe ich nach exakt vier Wochen 2018 vollends über Bord geworfen.
Empfehlung der Autorin für Hangover-Tage: Where Is My Mind von den Pixies.
Ärger füllt den schmerzenden Magen. Mit verdünntem Orangensaft (wir Öschterreicher nennen es nach einer durchzechten Nacht auch «Cappy-Leistung») versuche ich den Brand zu löschen. Der Groll und die Kopfschmerzen bleiben. Warum in aller Welt schaffe ich es nicht, die selbst auferlegten Bedingungen wenigstens übers erste Monat hinaus zu tragen, stark zu bleiben und Süsses und Alkohol einfach nicht zu konsumieren?
Nun. Es ist menschlich. Rede ich mir ein, lasse mich vom Kater quälen und fasse einen neuen Vorsatz: Dass ich mich von keinen Vorsätzen mehr quälen lasse. Mal sehen, wie lange dieser Vorsatz hält.
Einen schönen Sonntag allseits. Möge euer Feiertag weniger quälend sein und eure Vorsätze nicht so bald zu Grabe getragen werden.
Liabi Grüassli von der Couch.
Valentina
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GR Alkohol-Kanton?…
GR Alkohol-Kanton?
SO schreibt:
"(...) Hopfen-Malz-Gebräu und schliesslich das Gebrannte, das mich in der Bar-Meile (respektive Rotlichtviertel) von Chur verdammte und mich ein Hochlied aufs Leben (Viva) singen liessen."
Das "Hochlied aufs Leben" namens "Viva":
1) ist für mich das Gegenteil von Alkohol.
2) wird aber – angesichts des "offiziellen Gesundheitstourismus" für mich unverständlicherweise – ebenso wie im obigen Artikel AUCH vom GRF-CEO Martin Vincenz (vormals "in der Gesundheitsbranche tätig (…) seit 2008 Leiter Unternehmenskommunikation am Kantonsspital Graubünden" in Chur, gemäss SRF 15.4.2016) mit Alkohol assoziiert:
"Liebe Gäste in Graubünden, wenn man in Graubünden mit einem guten Glas Wein oder einem kühlen Bier anstösst, sagt man "Viva". Das Wort kommt vom romanischen "viver" = leben und bedeuten 'zum Wohl(sein)' oder schlicht 'Gesundheit'." (aus: Editorial in "Graubünden Exclusiv" Nr. 54)
Ich betone erneut: "Mein Gesundheitstourismus auch für Einheimische" unterscheidet sich gravierend vom "Offiziellen Gesundheitstourismus des Kantons GR"!
https://www.srf.ch/news/regional/graubuenden/martin-vincenz-ist-neuer-c…
Super dieser Bericht gekonnt…
Super dieser Bericht gekonnt geschrieben, zeigt sehr gut die Menschlichkeit mit seinen Schwächen und Nöten.