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Die Stadt Chur erobert ein Stück Natur zurück

Die Stadt Chur erobert ein Stück Natur zurück

Die Bevölkerung soll eine «grüne Perle über der Stadt Chur» neu entdecken: den Rosenhügel und den Hirschbühl. Damit das geschieht, regelt die Stadt den Zugang zur historischen Parkanlage neu. Und bewährte Organisatoren bieten neue Attraktionen.

Olivier
Berger
16.12.17 - 04:30 Uhr
Aus dem Leben
Luciano Fasciati (links) stellt das Programm des Festivals vor.
YANIK BÜRKLI

Dass sie in der ältesten Stadt der Schweiz wohnen, betonen Churerinnen und Churer gerne und oft. Dass sie in der Stadt mit dem ältesten öffentlichen Park der Ostschweiz leben, wissen dagegen nur die wenigsten. Just diesen Umstand wollen die Stadt, der Verein Art Public, der Stadtverein und der Verein Churer Medizinalgarten ändern. Sie wollen die um das Jahr 1850 erstellte Anlage auf dem Rosenhügel wieder zu dem machen, was sie um das Jahr 1900 noch war: ein attraktives Naherholungsgebiet.

Belebter und grösser

Die Idee, den Rosenhügel nach einem halben Jahrhundert Dornröschenschlaf neu zu beleben, ist an sich nicht neu. Schon im Jahr 1980 hatte die Churer Bevölkerung das Gelände mit stupender Aussicht auf die Stadt zur Grünzone erklärt. Neu ist, dass es jetzt vorwärts geht mit der Aufwertung. Bereits im kommenden Jahr will die Stadt mit dem Bau einer neuen Erschliessung beginnen, wie Baudirektor Tom Leib- undgut gestern vor den Medien erklärte.

Statt der viel befahrenen Strasse entlang sollen die Churerinnen und Churer künftig über den Lindenquai in den Park schlendern. Die neue Erschliessung führt sie hinauf auf den sogenannten Hirschbühl, ein Areal, das die Stadt vor einigen Jahren gekauft hat. Durch den Einbezug des Hirschbühls wird die gesamte Grünanlage deutlich vergrössert.

Ein Tempel und ein Garten

Allein wegen des neuen Wegs vom Lindenquai her dürfte wohl kaum ein grosser Ansturm auf die Höhen über Chur einsetzen. Deshalb wertet die Stadt die Anlage auch anderweitig auf. So zügelt der Gabentempel des eidgenössischen Schützenfests von 1842 von seinem heutigen Standort beim Schützenhaus auf den Hügel. «Das schafft auch die Möglichkeit, hier oben Apéros und andere Anlässe durchzuführen», sagte Stadtrat Leibundgut gestern.

Es ist nicht das erste Mal, dass der historische Gabentempel seinen Platz auf dem Rosenhügel findet. Hier stand er schon einmal, bis ins Jahr 1985. Schon damals beklagten die Medien allerdings den desolaten Zustand der Anlage. Noch 80 Jahre früher war das anders gewesen. Der Rosenhügel sei «ein mit prächtigen Anlagen versehenes, von reinlichen Fusswegen durchzogenes Hügelplateau», schrieb Christian Tarnuzzer im Jahr 1903 in einem Reiseführer.

Der Verein Churer Medizinalgarten besinnt sich gewissermassen sogar noch ein halbes Jahrhundert weiter zurück: in die Gründerzeit des Parks nämlich. Dessen geistiger Vater, Alexander Moritzi, wollte als Naturkundler ursprünglich eher einen botanischen Garten als einen Park bauen. Ähnliches hat der Verein im Sinn: Auf dem Hirschbühl will er einen Schaugarten für Heilkräuter schaffen. Noch fehle der Vertrag mit der Stadt, erklärte Präsidentin Christiane Mani gestern. Entstehen soll der Garten ebenfalls auf dem Hirschbühl.

Ein Festival und eine Ausstellung

Die Stadtbevölkerung wird die Fortschritte auf dem Rosenhügel und dem Hirschbühl hautnah miterleben können. Bereits im kommenden Sommer plant der Verein Art Public, der seit dem Jahr 2012 Kunstaktionen im öffentlichen Raum durchführt, ein Festival der Künste auf dem Gelände. Dieses werde an zwei Wochenenden stattfinden, erklärte Präsidentin Alda Conrad gestern.

Luciano Fasciati, Kurator von Art Public, betonte, das Festival werde sich nicht auf die bildende Kunst beschränken. Tatsächlich sind am Anlass auch musikalische, literarische und theatrale Produktionen vorgesehen. Das Festival 2018 soll gewissermassen hinleiten zu Art Public im Jahr 2019. Dann nämlich wird auf dem Rosenhügel Kunst gezeigt – vor allem skulpturale. Was wohl durchaus im Sinne von Erfinder und Kunstfreund Moritzi ist.

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