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Chur ist nun auch ganz offiziell schön

Jetzt hat es Chur schwarz auf weiss: Die neue Fussgängerzone ist gelungen – bestätigt eine nationale Jury. Ausruhen auf den Lorbeeren wird sich die Stadt nicht. Es gibt neue Pläne für die weitere Stadtverschönerung.

Olivier
Berger
11.12.17 - 04:30 Uhr
Leben & Freizeit
Ausgezeichnet: Die Jury des Schweizer Fussgängerpreises lobt die Umgestaltung des Churer Zentrums.
Ausgezeichnet: Die Jury des Schweizer Fussgängerpreises lobt die Umgestaltung des Churer Zentrums.
YANIK BÜRKLI

In lokalen Architekturkreisen hatte die Neugestaltung der oberen Bahnhofstrasse und des Postplatzes im Zentrum von Chur für Unmut gesorgt. Anders sieht es die Jury des nationalen Fussgängerpreises «Flâneur d’Or»: Sie hat die neue Flaniermeile im Herzen der Stadt ausgezeichnet. Im Jury- bericht wird unter anderem die «ansprechende Materialisierung und Möblierung» ausdrücklich gelobt.

Die Stadtväter freut das Lob der Fachleute natürlich. «Besonders schön finde ich, dass wir das jetzt ausgezeichnete Projekt zu 80 Prozent auf der Stadtverwaltung selber entwickelt und umgesetzt haben», sagt Baudirektor Tom Leibundgut. «Das zeigt, dass die Stadt auch ohne teure externe Fachleute zu guten Lösungen kommt.»

Sechs Millionen Franken aus der Stadtkasse sind in den vergangenen Jahren in die Verschönerung der Achse zwischen Bahnhof und Martinsplatz geflossen. Der Aufwand hat sich gelohnt, wie Leibundgut findet. Für sich alleine mag er das Lob aber nicht beanspruchen. «In dem Projekt stecken 28 Jahre Arbeit, welche teilweise schon meine Vorgänger und vor allem die Mitarbeiter geleistet haben.»

Zwei Parks im Visier

Schluss mit der Aufhübschung des Stadtzentrums ist aber noch nicht – auch nicht, wenn dieser Tage die viel diskutierte Neugestaltung des «Calanda-Gärtlis» abgeschlossen wird. An weiteren Projekten fehlt es nicht. «Im kommenden Jahr wird auch der renovierte Stadtgarten wieder eröffnet», erklärt Leibundgut. Im historischen Park wird derzeit fleissig gearbeitet.

«Das zeigt, dass die Stadt auch ohne teure externe Fachleute zu guten Lösungen kommt.»

Tom Leibundgut, Baudirektor Chur

Der Stadtgarten ist nicht der einzige Park, den die Stadt attraktiver machen will. Kürzlich hat der Stadtrat einen Kredit über eine halbe Million Franken für den Rosenhügel bewilligt. Allerdings steht in diesem Fall noch das Plazet des Gemeinderates aus. Stimme dieser zu, werde die Stadt ihre Pläne für die einstige Richtstätte öffentlich präsentieren.

Eine schmalere Grabenstrasse

Ein anderes Herzensprojekt aus Leib-undguts Departement Bau Planung Umwelt ist derzeit noch von Verhandlungen mit dem Kanton abhängig: die Aufwertung der Grabenstrasse. Die Stadt möchte die heutige Kantonsstrasse gerne übernehmen; im Gegenzug bietet sie die Ringstrasse als Ersatz an.

Dieser Strassentausch würde laut Leibundgut verschiedene Möglichkeiten eröffnen. Die Stadt denke für die Achse durchs Zentrum über verschiedene Massnahmen nach. «Eine davon ist, die Fahrbahn schmaler und die Trottoirs breiter zu machen.» Zudem könnte der Postplatz durchgehend gepflästert werden. Diesem alten Wunsch der Stadt steht derzeit noch der Kanton im Weg.

An der Grabenstrasse tut sich ohnehin einiges. Der Platz vor dem alten Postgebäude wird im kommenden Jahr saniert. «Entgegen anderslautenden Gerüchten werden die Parkplätze aber nicht aufgehoben», betont Leib- undgut. Auf dem Platz soll dereinst ein grosszügiges Aussencafé entstehen. «Mit dessen Bau und Betrieb haben wir aber nichts zu tun.» Im Postgebäude wird ausserdem die städtische Bibliothek untergebracht; das Volk hat einem entsprechenden Kredit längst zugestimmt.

Es geht nicht nur um die Optik

All die Massnahmen sollen Chur nicht nur optisch aufwerten, wie Leibundgut betont. «Uns geht es auch um die Attraktivität für Einheimische und Gäste.» Die Neugestaltung der Fussgängerzone in der Bahnhofstrasse etwa beschere den Gewerbetreibenden vor Ort höhere Umsätze. «Das wird uns immer wieder bestätigt.»

Attraktiver solle Chur aber nicht nur im Zentrum werden, so Leibundgut. Damit spielt er nicht nur auf die geplante Grünzone im Westen der Stadt an (siehe Frontseite), sondern über die Entwicklungen am Churer Hausberg (siehe Artikel unten). Auf Brambrüesch wird bereits kommendes Jahr ein Moorlehrpfad eröffnet; ein Naturspielplatz für Familien ist bereits angedacht.

Olivier Berger wuchs in Fribourg, dem Zürcher Oberland und Liechtenstein auf. Seit rund 30 Jahren arbeitet er für die Medien in der Region, aktuell als stellvertretender Chefredaktor Online/Zeitung. Daneben moderiert er mehrmals jährlich die TV-Sendung «Südostschweiz Standpunkte». Mehr Infos

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JURY? Welche Jury denn?
Dasselbe wie die ewige "Auszeichnerei" des GR-Tourismus durch irgendwelche "Zeitschriften" oder "Organisationen", die es quasi wie Sand am Meer oder Beliebigkeit gibt?
War es nicht ausgerechnet oberhalb dieser abgebildeten Bänke (Foto), wo die Rollatorfahrerin von einem Auto angefahren wurde?
https://www.suedostschweiz.ch/polizeimeldungen/2017-10-20/rentnerin-mit…
"In der Begegnungszone der Churer Bahnhofstrasse ist am Freitagvormittag eine 76-Jährige mit ihrem Rollator vom Postplatz Richtung Alexanderplatz gelaufen."
Und der Lärm, beispielsweise der Strassenmusiker, Strassencafés und "Märkte" wie Streetfood und Buskers (Lärmpegel: ein kleines Mädchen hielt sich dort mal weiserweise die Ohren zu, während die Erwachsenen als Publikum dort eher wie "die Ochsen am Berg herumstanden") konterkariert die "Verkehrsberuhigung", finde ich.

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