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Für Sie am Mikrofon: Andrrrrrrrea Schlegel

Morgen kann die Nati den Sack zumachen. Radio Südostschweiz-Sportmoderator Andrea Schlegel über Emotionen und die Kunst des rollenden R bei der Liveberichterstattung.

Pierina
Hassler
11.11.17 - 04:30 Uhr
Leben & Freizeit
Moderator Andrea Schlegel vermittelt Sport und Emotionen.
Moderator Andrea Schlegel vermittelt Sport und Emotionen.
MARCO HARTMANN

Unter Sportjournalisten gilt die Liveberichterstattung als Königsdisziplin. Denn was am Radio und am Fernsehen so einfach tönt, ist viel mehr als nur eine Aneinanderreihung von ein paar schlichten Sätzen. Andrea Schlegel von Radio Südostschweiz kennt die Regeln. Und er weiss, was zu tun ist, damit sich Zuschauer und Zuhörer wie mitten im Stadion vorkommen.

Andrea Schlegel, wie hat die Nati am Donnerstagabend gespielt?

Andrea Schlegel: Es war ein glücklicher, aber verdienter Sieg. Die Schweizer haben das Spiel kontrolliert. Im Gegenzug haben die Nordiren zu wenig für das Spiel gemacht. Eigentlich war es ein typisches Schweizer Spiel. Solide gespielt und am Schluss noch ein wenig Glück.

Gewinnen «wir» am Sonntagabend und fahren an die Weltmeisterschaft nach Russland?

Sagen wir es so, alles andere als die WM-Qualifikation wäre für mich eine grosse Enttäuschung. Unsere Nati ist einfach besser als die nordirische Mannschaft und bitte … was wäre eine Fussball-Weltmeisterschaft ohne uns Schweizer? Kuhglocken, Embolo-Song, friedliche Fans, Grillpartys. Die Nati muss einfach gewinnen.

Der SRF-Sportmoderator Sascha Ruefer flippte beim Rodriguez- Penalty völlig aus. Sein Rrrrodriguez-Schrei ist schon jetzt legendär. Je nach Meinung macht er sich so zum Affen oder zum coolsten Moderator ever. Muss ein Moderator Emotionen transportieren?

Das passiert einfach, denn Sport ist Emotion. Als Moderator fühlt man mit. Oder anders gesagt, ohne Emotionen ist eine Liveberichterstattung kalter Kaffee. Ob Fussball- oder Eishockeymatch, da passiert etwas, auch in mir drin kann es dann brodeln (lacht).

Als Laie stellt man sich Liveberichterstattung so vor: Man mag Fussball, kennt die Spieler. Weiss, was ein Tor ist und schwatzt dann los.

So einfach funktioniert das schon nicht. Ich interessierte mich schon immer für Fussball und Eishockey und viele andere Sportarten. Natürlich habe ich viele Daten im Kopf. Das genügt aber nicht. Man muss ein umfassendes Wissen zu den jeweiligen Sportarten haben. Ich besuche auch Spiele der unteren Ligen. Beobachte deren Vorbereitungen. Spreche mit Spielern, Trainern und Fans. Studiere Tabellen und so weiter. Und mit diesem Wissen kann man dann bei der Liveberichterstattung spielen. Allerdings muss dieses Wissen dann auch noch im richtigen Moment hervorgeholt werden.

Wenn Sie als Radiomoderator 30 Sekunden nichts sagen, glaubt man, das Radio sei kaputt. Fällt Ihnen immer etwas ein?

Schon nach fünf Sekunden denkt man, was ist jetzt los (schmunzelt). Es muss mir immer etwas einfallen, das stimmt. Aber das hat mit Erfahrung zu tun. Lücken kann man mit Wissenswertem wie Geburtstage, erstes Goal, Anzahl Tore oder sonstige Statistiken auffüllen. Aber auch dazu muss man sich sorgfältige Notizen machen. Sonst könnten auch mir plötzlich die Worte fehlen, und es kommt tatsächlich zu einem Blackout (lacht).

Sind Sie vor einer Berichterstattung eigentlich nervös?

Nervös nicht, aber angespannt schon. Zumindest, bevor das Spiel beginnt. Ich stelle mir immer einen Fakir vor, der über ein Nagelbrett laufen muss. Er weiss, dass das bei voller Konzentration gut kommt, aber der erste Schritt … na ja. Aber beim Anpfiff ist dann alles vorbei. Dann lasse ich mich treiben. Oder renne wie ein Rennpferd drauflos.

Werden Sie bei der Berichterstattung von einem Team unterstützt?

Ich bin allein, und das ist der grosse Unterschied zwischen den öffentlich-rechtlichen Sendern und uns Privaten. Bei Sascha Ruefer in Belfast zum Beispiel installiert und testet ein Technikerteam vorgängig alles. Ruefer kommt und moderiert. Wenn ich live moderiere, installiere ich die Technik. Schaue, dass die Verbindung zum Studio in Chur steht und kommentiere. Zudem mache ich in den Pausen oder am Ziel noch Interviews.

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