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Die Brücke ist bereit – die Tiere noch nicht

Seit einem Jahr steht die grösste Wildtierbrücke der Schweiz kurz vor Chur. Doch genutzt wird sie noch wenig. Das war aber absehbar.

Philipp
Wyss
Donnerstag, 26. Oktober 2017, 04:30 Uhr Wildtierkorridor nach 40 Jahren verbunden

Mit dem Bau der Wildbrücke «Halbmil» ist der Wildtierkorridor von nationaler Bedeutung über die Geleise von SBB und RhB sowie über die A13 bei Chur wiederhergestellt worden. Die Brücke wurde in den vergangenen zwei Jahren erstellt, im September 2015 fand die Aufrichte statt. Sie gilt als die grösste Wildbrücke der Schweiz.

Aktuell wird der Übergang allerdings erst von Hasen und Füchsen genutzt. Das bestätigte Hannes Jenny vom kantonalen Amt für Jagd und Fischerei auf Anfrage: «Derzeit gibt es ein passives Monitoring mit Sand auf der Brücke. Darin sehen wir Abdrücke, die wir Tieren zuordnen können.»

40 Jahre getrennt

Dass die Brücke von grösseren Säugetieren wie Rehen und Hirschen noch nicht genutzt wird, hänge auch damit zusammen, dass die Wildbrücke noch nicht bepflanzt ist und der Installationsplatz an der Hauptstrasse Chur-Trimmis noch in Funktion ist, so Jenny. Und: Während 40 Jahren war dieser Korridor für Wildtiere unterbrochen.

Als Verbindung zum Rhein und zu den Baumreihen entlang der ehemaligen Strasse werde in den kommenden Monaten eine Bepflanzung gemacht, so Jenny weiter. Sobald Bäume und Büsche stehen, werden auch Fotofallen installiert. Denn schon diesen Winter sollen nach Füchsen und Mardern auch erste grössere Tiere wie Rehe den Übergang nutzen.

Warten auf den Hirsch

Am längsten werde wahrscheinlich der Hirsch auf sich warten lassen. Wegen ihm wurde die Brücke mit 50 Metern breit dimensioniert. Die Norm schreibt eine Breite von 45 Metern vor. Jedoch gehört ein abgetrennter Streifen auch der Landwirtschaft, Fussgängern und Bikern.

Das angebrachte Brückengeländer, die Holzpalisade entlang der Nordspur und der Plastik entlang des Autobahnzauns dient den Tieren als eine Art Blendschutz. Denn um in den Fürstenwald zu gelangen, müssen die Tiere 200 Meter der Strasse entlang Richtung Chur wandern.

Die Spurzusammenlegung kostete 90 Millionen Franken, die Wildbrücke inklusive Umgebungsarbeiten etwa zehn Prozent davon.

Was viele nicht wissen, ein Steinbock hat die Wildbrücke bereits überquert. Wir waren dabei:

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