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Alpdüngung aus der Luft

Ein Einsatz der besonderen Art führt die erfahrene Crew der Heli Linth alljährlich zuhinterst ins St. Gallische Weisstannental. Am nur zu Fuss erreichbaren Obersäss der Alp Walabütz wird mit dem Helikopter Mist ausgetragen.

Südostschweiz
Freitag, 13. Oktober 2017, 04:30 Uhr Vom Miststock auf die Alp
Mit Helikoptern der Heli Linth wird im Weisstannental alljährlich gedüngt.
SASI SUBRAMANIAM

Vom kühlen Herbst sind die Berge weiss gepudert, die Alpen sind verlassen, auf den bräunlich verfärbten Weiden macht sich Ruhe breit... Doch viele tatkräftige Hände sind nach wie vor für die Pflege der Alpen bemüht. So herrschte am Samstag, 23. September, auf der Walabützer Matt reges Treiben. Der Mist, den die achtzig Kühe in den rund sechs Wochen Alpzeit auf 1927 Metern über Meer produziert haben, wird in den steilen Hängen zur Düngung genutzt. Für diesen effizienten Vorgang benötigt Alpmeister Bruno Good ein Team von 20 Mann.

Alljährlich kann er dabei auf die Unterstützung der Alpbestösser der Korporationsalp zählen. Das System ist einfach und doch komplex – mit einer eigens dafür angefertigten, speziell reissfesten Blache wird der Mist vom Stock aus an verschiedene Stellen transportiert. Dort verteilen ihn Helfer mit Mistgabeln im Gelände.

Schon seit 1984

Früher war auf der Alp jeweils den ganzen Sommer ein «Mister» angestellt. Mit Pferd oder Seilwinde war dieser eigens dafür zuständig, den Dünger auszubringen. Nachdem der damalige Alpmeister 1983 die Idee mit dem Helikopter ausprobiert hatte, bewährt sich diese über dreissig Jahre später nach wie vor. «Es ist und bleibt die idealste Lösung für unser Gebiet», erzählt Good. Für Maschinen ist das Obersäss unerreichbar, und selbst wenn man eine hochfliegen würde, so würde man damit doch nur die wenigen sowieso gut gesättigten ebenen Wiesen erreichen.

Eine Ausnahme und grosse Erleichterung ist der Bagger, der die Transportblachen zwischen den Rotationen füllt. (Als eine Rotation gilt ein Flug von und bis zur Ladestelle.) Auch diese Arbeit wurde bis vor drei Jahren von Hand gemacht! Soll heissen, es standen bis zu zehn Mann auf dem Miststock und füllten unter grossem Zeitdruck jeweils die Blachen. Das hat vereinzelt zu Unfällen geführt, denn so nah aufeinander mit Mistgabeln hantierend in wenigen Minuten 700 bis 900 Kilo Mist zu «laden», sei nicht einfach gewesen.

Der seit 2012 als Alpmeister verantwortliche Good rühmt dabei die Firma Heli Linth aus Mollis sehr. Erfahrene Piloten und Flughelfer gingen professionell und äusserst effizient an die Aufgabe heran. Während die Flughelfer auf dem Platz ihre Arbeit stets mit dem Piloten in der Luft koordinieren, sind auch noch bis acht weitere Männer dort. Jedem von ihnen ist eine klare Aufgabe zugeteilt. Vier Männer sind beispielsweise für das «Einfangen» und Festhalten der unter dem Flugwind stark wehenden, leeren Blache zuständig. Weiter stehen zwei leuchtend bekleidete, gut sichtbare Männer, die sogenannten «Zeiger», an verschiedenen Stellen im Gelände und zeigen dem Piloten jeweils, wo die nächste Ladung abzuladen ist.

Bis 60 Rotationen in einer Stunde

Auf diese Weise werden in kürzester Zeit viele kleinere Misthaufen  auf teils unwegsamem Gelände platziert. Nach etwa anderthalb Stunden ist die Arbeit des Helfers aus der Luft getan, und die Bodentruppe macht sich an das Verteilen der vielen Haufen, bevor am späteren Nachmittag auch die Geselligkeit eines solchen «Teamanlasses» nicht zu kurz kommt.

Kosten tiefer als für andere Düngungsmethoden

Die Kosten für diese Art der Düngung belaufen sich, je nach Menge der Rotationen, auf etwa 4000 Franken. Da die Bauern ihren Dienst in Fronarbeit leisten, sind diese sogar tiefer als für das Austragen der Gülle am Unterstafel. Obwohl auch hier die Arbeit der Helfer keine Kosten verursacht, belaufen sich diese für drei grosse Traktoren, Rührer, Schläuche und die benötigte Pumpe bereits ohne den Unterhalt und Reparaturen über den Einsatzkosten des Helikopters.

Dennoch kennt Good keine andere Alp, die diese Methode anwendet. «Einmal haben wir bisher eine Anfrage einer Glarner Alp erhalten und die zwei Blachen ausgeliehen.» Der personelle Bedarf darf nicht unterschätzt werden; echte Team- und Zusammenarbeit ist an diesem Tag gefragt und verbindet die «Walabützer» und «Heli Linthler» jeden Herbst aufs Neue.

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