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Die dunkle Seite der Katzen-Manie

Katzen sind nicht erst seit dem Internet beliebte Haustiere. Was dabei aber viel übersehen wird, ist, dass auch in der Schweiz viele Katzen in misslichen Verhältnissen leben.

Südostschweiz
Samstag, 30. September 2017, 04:30 Uhr Katzen-Hilfe
Vor der Tür: Nicht alle Katzen in der Schweiz werden gehegt und gepflegt wie diese.
YANIK BÜRKLI

Katzen werden erschlagen, erschossen, erstickt oder ertränkt. Sogar die Tiefkühltruhe muss als Mordinstrument herhalten. Pro Jahr werden zirka 100 000 Katzenkinder getötet, weil sie niemand will. In der Schweiz notabene, nicht im Ausland.

Rund 1,5 Millionen Katzen leben schätzungsweise in unserem Land, Tendenz steigend. 100 000 bis 300 000 sind herrenlos, unzählige werden vernachlässigt. Die Überpopulation führt zu den erwähnten Tötungsaktionen, zu Krankheiten, Unfällen und Hunger, zu überfüllten Tierheimen und zu einer erschreckenden Wegwerfmentalität.

Problem ist riesengross

Es war keine leichte Kost, die Esther Geisser in ihrem Vortrag «Katzen – geliebt, gehasst, getötet! Das Katzenelend in der Schweiz und was dagegen unternommen wird» am Donnerstagabend im «Glarnerhof» auftischte.

Viele Menschen wollen es denn auch nicht hören. Der Kreis der Interessierten ist nicht gross. «Das widerspiegelt die Situation der Katzen in der Schweiz: Die Leute meinen, das Problem sei inexistent. Dabei ist es riesengross», sagt die Präsidentin und Gründerin von Netap (Network for Animal Protection).

Sie hat das erste Büsi als kleinen Zwerg gerettet – «sonst wäre es ersäuft worden vom Bauern». Heute ist sie mit Netap international tätig, um die Lebenssituation von Nutz- und Strassentieren zu verbessern.

Aus einem Katzenpaar können 80 Millionen werden

Die Tatsachen machen betroffen: Tausende von herrenlosen, verwilderten oder venachlässigten Katzen vegetieren auf Bauernhöfen, in Schrebergärten, auf Fabrikarealen, in Siedlungen und Gärtnereien jämmerlich vor sich hin. Sie leiden an Hunger, Krankheiten und Verletzungen und sind erbarmungslos jeder Witterung ausgesetzt.

Und sie vermehren sich exponentiell: Aus einem Katzenpaar können, wenn sämtliche Tiere überleben und sich ebenfalls weiter paaren, rein rechnerisch gesehen innert zehn Jahren 80 Millionen Tiere hervorgehen.

Die Lösung sieht Netap-Gründerin Esther Geisser nebst der verstärkten Aufklärung der Bevölkerung und verbesserten Tierheimen in der konsequenten Kastration von «Freigängern». So bezeichnet sie Katzen mit unkontrolliertem Sozial- und Sexualkontakt. Diese bietet medizinische Vorteile für die Katzen, indem auch Krankheiten massiv eingedämmt werden, Vorteile für den Artenschutz und für den Menschen.

Bewegte Besucher unterschreiben die Petition

Wenn lokale Tierschutzvereine um Unterstützung bitten, kommt Netap mit einem Feldlazarett und führt eine «Massenkastration auf hochprofessionellem Niveau» durch. Samt Durchchecken der Katzen und medizinischer Hilfe durch die Tierärzte.

Um das Katzenelend flächendeckend zu vermindern, hat Netap gemeinsam mit der Stiftung für das Tier im Recht eine Kampagne für eine schweizweite Kastrationspflicht gestartet. Herzstück ist eine Petition, die den Gesetzgeber auffordert, die Kastrationspflicht für Freigänger- Katzen gesetzlich zu verankern. 71 000 Unterschriften sind gesammelt, 100 000 sollen es bis Ende März 2018 werden. 127 Organisationen stehen hinter dem Begehren.

Am Vortragsabend des Tierschutzvereins Glarus unterschreiben alle Anwesenden spontan die Petition. Die Ausführungen der engagierten Netap-Präsidentin haben sie restlos überzeugt.

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Richtig, "Wenn lokale Tierschutzvereine um Unterstützung bitten". Genau das tut er aber nicht, selbst erlebt. Wenn der Tierschutz das Problem schon nicht ernst nimmt warum soll es der 0815 Katzenbesitzer? Übrigens sind Freigänger nicht prinzipiell Katzen mit unkontrolliertem Sozial- und Sexualkontakt sondern einfach Katzen welche die Möglichkeit haben sich draussen aufzuhalten. Für uns war von Anfang an klar das unsere Freigänger kastriert werden, sie werden ruhiger die Kater markieren weniger oder hören ganz auf und werden im Durchschnitt sogar noch ein höheres Alter erreichen.