Tamangur – wo die Seele den Frieden findet
Allein der Name weckt schon eine gewisse Sehnsucht. Tamangur ist der höchstgelegene, zusammenhängende Arvenwald Europas und er ist tatsächlich ein Sehnsuchtsort.
Allein der Name weckt schon eine gewisse Sehnsucht. Tamangur ist der höchstgelegene, zusammenhängende Arvenwald Europas und er ist tatsächlich ein Sehnsuchtsort.
Dieser Duft. Diese intensiven Farben. Diese Ruhe. Tamangur ist ein verwunschener Ort. Hier, auf 2300 Meter über Meer, dauert der Winter gerne mal sechs Monate. Bis zu 700 Jahrringe zählen die Arven, welche Wind und Wetter trotzen. Diese alten Bäume sind der Inbegriff von Ursprünglichkeit und Widerstandsfähigkeit. Das Gebiet Tamangur befindet sich zuhinterst in der Val S-charl auf Gemeindegebiet von Scuol. Seit 1996 zählt es zu den schweizerischen Moorlandschaften «von besonderer Schönheit und nationaler Bedeutung». Seit 2007 ist es ein Naturwaldreservat. Auf einer Fläche von 86 Hektaren kann sich die Natur frei entwickeln. Bäume werden heute keine mehr gefällt und abgestorbene Arven werden einfach liegen gelassen. Wie Märchenwesen sehen sie teilweise aus.
Ort der Jäger und der Seelen
Obwohl Tamangur schon lange kein Geheimtipp mehr ist und obwohl das Gebiet sowohl von S-charl als auch von Lü im Münstertal aus bequem erreicht werden kann, ist der Wanderweg nach Tamangur nicht überlaufen. Das liegt wohl am schmalen, von Wurzeln durchzogenen Pfad, der durch den dichten Wald führt. Die zahlreichen Biker sieht man nur auf der gegenüberliegenden Talseite, auf dem Wanderweg zur Alp Astras.Tamangur hat so manchen Künstler inspiriert. «Tamangur» heisst beispielsweise das erste literarische Buch der Engadiner Autorin Leta Semadeni. Es ist die Geschichte eines Mädchens in einem Bergdorf. Der Grossvater befindet sich in der Erzählung in Tamangur – am Ort der Jäger und der Seelen. Im Paradies. Auch für den Fotografen aus Scuol, Domenic Feuerstein, war Tamangur ein Paradies. Was dieser Ort in ihm auslöste, beschrieb er 1939 im Buch «Arvenwald von Tamangur»: «Plötzlich singt und schwingt etwas in unserem Innern, eine wundersame Sehnsucht nach Wald und Berg und Einsamkeit und Frieden.»
Fadrina Hofmann ist als Redaktorin für die Region Südbünden verantwortlich. Sie berichtet über alle gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Themen, die in diesem dreisprachigen Gebiet relevant sind. Sie hat Medien- und Kommunikationswissenschaften, Journalismus und Rätoromanisch an der Universität Fribourg studiert und lebt in Scuol im Unterengadin. Mehr Infos
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