«Es ist schwierig, allen gerecht zu werden»
Seit genau sieben Wochen sieht «suedostschweiz.ch» nicht nur anders aus, die Website ist auch schneller und einfacher zu bedienen. Woran das liegt, erklärt Tom Schneider im Interview. Er ist Leiter Plattformen bei der «Südostschweiz»-Medienfamilie.
Seit genau sieben Wochen sieht «suedostschweiz.ch» nicht nur anders aus, die Website ist auch schneller und einfacher zu bedienen. Woran das liegt, erklärt Tom Schneider im Interview. Er ist Leiter Plattformen bei der «Südostschweiz»-Medienfamilie.
Tom Schneider, wie zufrieden bist Du mit der neuen «suedostschweiz.ch»-Website?
Ich bin wirklich sehr zufrieden. Wir haben sehr viel Herzblut investiert, um das Bestmögliche für unsere Nutzer zu kreieren.
Nicht nur optisch hat sich einiges verändert. Auch technisch ist die Website auf einem ganz anderen Niveau.
Das kann man so sagen. Wir haben im Vergleich zur vorherigen Version versucht, so viel wie möglich abzuspecken. Und wir haben uns dabei auch auf neue Technologien konzentriert.
Abspecken – wie meinst Du das?
Wir haben uns dieses Mal aufs Wesentliche konzentriert. Bei der alten Website gab es Dutzende Funktionen, Übersichten und Unterordner ... Vor lauter Bäumen sah man den Wald nicht mehr. Obwohl alles da war, konnte man dennoch nichts finden. Das haben wir verändert. Alle Funktionen, die zuvor nie genutzt wurden, haben wir einfach weggelassen. Wir wollten uns bei dieser Version auf das Wichtigste beschränken. Also haben wir das Ganze neu strukturiert und entsprechend gebaut.
Jetzt ist die Website schlanker.
Genau. Die wichtigsten Meldungen aus der Region findet man gleich auf der Startseite. Dann haben wir uns überlegt, welche Rubriken es sonst noch braucht. Dabei war zum Beispiel klar: Der Sport muss eine separate Seite bekommen.
Weil alles schlanker ist, gibt es jetzt aber auch keine separaten Radio- und TV-Seiten mehr.
Das stimmt. Diese haben wir integriert. Die Idee dahinter ist simpel: Auf «suedostschweiz.ch» findet man alle wichtigen News. Egal, ob als Text, als Audio oder als Video. Wir tragen online zusammen, was Radio, TV und Zeitung machen – generieren aber auch eigenen Inhalt. Das heisst aber nicht, dass man nicht mehr Radio hören kann. Das geht ja trotzdem. Dafür gibt es oben auf der Startseite extra den «Hören»-Knopf. Das Gleiche gilt, wenn man etwa die Zeitung im E-Paper-Format lesen möchte.
Das hört sich simpel an. Und doch wart Ihr mehr als ein Jahr mit dem Bau der Website beschäftigt.
Es ist auch ein langer Prozess. Erst einmal muss man darüber reden, ob es eine neue Website wirklich braucht – und begründen können warum. Immerhin fliesst viel Geld und Zeit in ein solches Projekt.
Danach geht es in die Detailplanung. Das heisst: Man muss etwa herausfinden, wie die Website aussehen soll, welche Funktionen es braucht, und wie sie gebaut werden muss. Wir hatten aber den Vorteil, auf einer sehr guten Grundlage aufbauen zu können – namentlich auf NP8. Am Ende dieses Prozesses ging es ans Bauen der Website. Ans Programmieren also.
NP8? Was ist das?
NP8 basiert auf dem Content-Management-System Drupal 8. Dieses Drupal 8 haben wir aber um diverese Funktionen erweitert, sodass die Grundlage (NP8) der Website nun ein System ist, welches insbesondere für News-Portale geeignet ist. Dieses NP8 haben wir bereits bei der alten Website genutzt. Da das NP8 auch von anderen Medienhäusern genutzt wird, kamen in den vergangenen Jahren viele neue Funktionen hinzu, deshalb konnten wir dieses Mal auf einer ganz anderen Grundlage aufbauen.
Als Laie könnte man meinen, so eine Website zu bauen, sei keine grosse Sache. Quasi: Es sind ja nur ein paar Seiten. Wie kompliziert ist das in Realität?
«suedostschweiz.ch» ist nicht einfach nur eine Vereins-Website, auf der alle paar Wochen mal eine News erscheint. Nein, hier kommen täglich so viele Faktoren zusammen, die zusammenspielen müssen. Online-Nutzer wollen News, und das sofort. Die Website muss also «stabil» sein, sie darf nicht abstürzen. Personen, die ein Zeitungsabo haben, möchten möglichst unkompliziert auf das E-Paper, das Archiv und die Meldungen hinter der Paywall zugreifen können. Die Paywall muss funktionieren. Videos und Audios müssen auf jedem Browser abgespielt werden können. Und auch Zeitungs-Abonnements müssen auf der Website gelöst werden können.
Das sind viele Punkte. Was war die grösste Herausforderung?
Die Zeit. Wir hatten fürs Programmieren ein halbes Jahr Zeit. Und viele Anforderungen. Es ist schwierig, allen gerecht zu werden. Denn Radio-Redaktoren benötigen ganz andere Funktionen als Zeitungs-Redaktoren. Und TV-Redaktoren haben andere Bedürfnisse als Online-Redaktoren. An alles zu denken, war nicht einfach. Aber wir haben es geschafft.
Jetzt mal im Ernst: Ist nichts schief gegangen?
Doch. Wir hatten ganz zu Beginn etwa ein Problem mit den Abonnement-Berechtigungen. Einige Leute konnten also trotz Berechtigung die Zeitung digital nicht lesen. Doch das Problem konnten wir gleich wieder beheben und man war uns Gott sei Dank nicht allzu böse.
Was ist mit der App? Weil diese früher oft abstürzte, gab es viel Kritik.
Dies ist seit dem Neustart nicht mehr passiert. Die App funktioniert nun wirklich gut. Die neue App hat übrigens auch einige neue Vorteile im Vergleich zur alten. So kann man etwa als Leserreporter Bilder direkt an die Redaktion übermitteln, oder auch die wichtigsten News aus der Region als Push-Meldung erhalten. Die App ist übrigens kostenlos und kann im App-Store oder im Google-Play-Store heruntergeladen werden.
Welche Reaktionen gab es auf die neue Website?
Wir haben viele positive Reaktionen bekommen. Aber auch Negative. Im Gespräch mit unzufriedenen Nutzern hat sich dann aber herausgestellt, dass sie meist deswegen unzufrieden waren, weil sie etwas nicht mehr finden konnten. Etwas, das sie früher jeden Tag benutzt haben. Sobald wir ihnen jeweils erklärt haben, wo das neu zu finden ist, waren sie zufrieden. Ganz viel Lob haben wir bezüglich der Aktualität erhalten.
Wie meinst Du das?
Ich muss hierfür kurz ausholen. Früher liefen die News-Meldungen einfach durch. Das heisst: Auf der Website «suedostschweiz.ch» erschienen jeweils jene News-Meldungen zuoberst, welche zeitlich zuletzt reingekommen sind. So geschah es also nicht selten, dass eine unwichtige Meldung oben platziert war, während eine Meldung zu einem Terroranschlag gänzlich fehlte. Das hat nicht nur die Nutzer geärgert, sondern auch die Redaktoren. Das Problem dabei war, dass die Online-Redaktoren daran gar nichts ändern konnten – es war technisch unmöglich. Auf der neuen Website haben sie auch technisch die Möglichkeit bekommen, ihre Arbeit richtig und richtig gut zu machen.
Wie?
Mit sogenannten Templates, die wir gebaut haben. Mit diesen können die Redaktoren mit wenigen Klicks entscheiden, welche Meldung sie auf der Startseite haben möchten. Sie können entscheiden, wo sie diese auf der Startseite platzieren möchten. Und sie können entscheiden, in welcher Grösse diese erscheinen soll. Wenn also in Zukunft ein Terroranschlag ausgeübt werden sollte – Gott bewahre – so verschwindet die Meldung dazu nicht irgendwo auf der Seite, sondern sie kann zuoberst platziert werden.
Dein Team nimmt auch Aufträge an, solche Websites zu bauen.
Nein, mein Team kümmert sich nur um die Website «suedostschweiz.ch» Aber unsere Webagentur Viaduct ist spezialisiert auf Websites für Medienhäuser. Jedoch nicht nur. Sie nehmen auch Aufträge aus anderen Branchen an.
Kristina Schmid berichtet über aktuelle Geschehnisse im Kanton und erzählt mit Herzblut die bewegenden Geschichten von Menschen in Graubünden. Sie hat Journalismus am MAZ studiert und lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern im Rheintal, worüber sie in ihrem Blog «Breistift» schreibt. Mehr Infos
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Bin gar nicht zufrieden,…
Bin gar nicht zufrieden, viel unübersichtlicher. Region Auswahl nur mit Orten?
Würde gerne die Nachrichten für den Kanton Graubünden lesen..
Sehr geehrter Herr Kravallo…
Sehr geehrter Herr Kravallo
Besten Dank für Ihr Feedback. Wir haben gute Nachrichten: Mittlerweile können Sie unter Regionen auch «Graubünden» als Ganzes auswählen.
Freundliche Grüsse
Ihr suedostschweiz.ch-Team