Chur, gib mir mein Velo zurück!
Wenn es um Velodiebstähle geht, ist Chur auf Platz 5 der Schweizer Städte.
Was hilft, ist ein gutes Schloss. Und etwas Geduld beim Suchen.
Wenn es um Velodiebstähle geht, ist Chur auf Platz 5 der Schweizer Städte. Was hilft, ist ein gutes Schloss. Und etwas Geduld beim Suchen.
Chur rühmt sich die älteste Stadt der Schweiz, erfreut sich einer der höchsten Bar-Dichten des Landes und mischt auch in weniger erfreulichen Kategorien vorne mit: bei Velodiebstählen. Nur in vier Schweizer Städten ist die Wahrscheinlichkeit höher, sein Velo nicht da vorzufinden, wo man es abgestellt hat: so in Basel, Biel, Bern und Zug. Am sichersten sind Fahrräder derweil in Lugano, Lausanne und St. Gallen. Zu diesem Schluss kommt der Schweizer Versicherer Axa Winterthur. Bezugsgrösse ist die Anzahl gemeldeter Diebstähle pro 1000 Versicherte und Jahr, wie Axa-Mediensprecherin Mirjam Eberhard erklärt. In Chur sind es 18 gegenüber 28 in Basel und vier in Lugano.
Kehrseite der Velofreundlichkeit
Rund 36 000 Velos haben schweizweit so den Besitzer gewechselt, die Schadenssumme beläuft sich gemäss Axa Winterthur auf knapp 50 Millionen. Dabei nimmt die Anzahl Diebstähle ab, während der Wert der erbeuteten Velos – darunter auch wesentlich teurere E-Bikes – im Schnitt zunimmt; er liegt derzeit im Schnitt bei rund 1300 Franken. Auch in Graubünden nimmt die Zahl der Velodiebstähle ab, wie ein Blick in die polizeiliche Kriminalstatistik zeigt: Wurden 2009 noch 735 Diebstähle gemeldet, waren es 2016 noch 583. Allerdings dürfte die Dunkelziffer sehr hoch sein.
Erfahrungsgemäss seien velo-freundliche Städte stärker von Diebstählen betroffen; mehr Velos, mehr Gelegenheiten, sagt AXA-Sprecherin Eberhard. Wieso aber gerade Chur betroffen sei, könne sie sich nicht erklären. Auch bei der Kantons- und Stadtpolizei kann man sich darauf keinen Reim machen. Um keinen falschen Eindruck aufkommen zu lassen, verweist Stadtpolizeisprecher Roland Hemmi aber auch auf eine andere nationale Statistik des Jahres 2016: Da ist die Stadt Chur als drittsicherste Stadt der Schweiz geführt. «Auch der Bahnhof gilt bei den SBB als besonders sicher.»
Nur zum Eigengebrauch…
Nicht aber für Velos. Am Bahnhof und gerade beim Ausgang Gürtelstrasse würden viele Velos entwendet, sagt Hemmi. Weitere Hotspots seien etwa grosse Schulhäuser oder die Obere Au – «überall, wo es grosse Veloansammlungen gibt». Bei der Kantonspolizei sind auch Mehrfamilienhäuser als häufiger Tatort bekannt. Mediensprecher Roman Rüegg rät zu Altbewährtem. Idealerweise soll das Fahrrad im Hausinnern abgestellt werden. Ob drinnen oder draussen gelte aber: «Die beste Diebstahlprävention ist immer noch ein ordentliches Schloss – und an etwas Unbewegliches anketten.» Und schliesslich die Hoffnung nicht aufgeben. Bei einer Mehrheit der verschwundenen Velos handelt es sich um «Entwendung zum Gebrauch», etwa für den Heimweg. Knapp die Hälfte der Velos tauche auch wieder auf, sagt Rüegg.
Gion-Mattias Durband wuchs in Graubünden auf, studierte in Bern und Toulouse Politikwissenschaften und etwas Volkswirtschaft und noch weniger Recht. Mit Unterbruch schreibt er seit 2010 für die «Südostschweiz» und freut sich an jeder Anregung. Mehr Infos
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