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20 Jahre Rumantsch Grischun

Heute vor 20 Jahren wurde Rumantsch Grischun zur Amtssprache erhoben. Was waren damals die Beweggründe und wie sieht die Situation heute aus? Diesen Fragen gehen wir auf den Grund.

Südostschweiz
Dienstag, 05. Juli 2016, 18:00 Uhr Rumantsch Grischun

Regierungspräsident Joachim Caluori und der kantonale Kulturbeauftragte Christian Brosi machten am 5. Juli 1996 Rumantsch Grischun zur offiziellen Amtssprache.

Radio Südostschweiz konnte 20 Jahre später mit Christian Brosi, heute Direktor der Evangelischen Mittelschule in Schiers, sprechen.

 

 

Die Einführung von Rumantsch Grischun hatte natürlich auch Auswirkungen auf die romanische Tageszeitung «La Quotidiana». Ein Kurzinterview mit Chefredaktor Martin Cabalzar:

Inwiefern hat sich die Zeitung «La Quotidiana» mit der Einführung von Rumantsch Grischun verändert?

Nebst ihrem Informations- und Unterhaltungsauftrag leistet die LQ auch einen eminent wichtigen Beitrag zur Spracherhaltung. Sie hat innerhalb der Rumantscha eine wichtige Klammer- und Brückenfunktion und ist ihr Sprachrohr. Seit der Gründung im Jahre 1997 verwendet die LQ die Idiome für die lokale und regionale Berichterstattung und RG für die überregionale Berichterstattung. Sie leistet somit einen wichtigen Beitrag sowohl für die Verständigung der einzelnen Idiomen sowie auch für das Verständnis und die Akzeptanz von Rumantsch Grischun.

Gab es bei der Einführung einen grossen Aufschrei, als auch ihr Texte in Rumantsch Grischun gedruckt habt?

Die LQ leistete, was die Einführung von Rumantsch Grischun in den Medien betrifft, Pionierarbeit. Das romanische Radio und Fernsehen hat mit RG Nachrichten erst später nachgezogen. Am Anfang war die Vermischung von Idiomen und RG in der gleichen Zeitung etwas irritierend. Mit der Zeit gewöhnte man sich daran und betrachtet es sogar als Bereicherung. Für die Redaktion war die Herausgabe einer Zeitung in sechs Sprachen (fünf Idiome und RG) eine grosse Herausforderung.

Am Anfang war die Vermischung von Idiomen und RG in der gleichen Zeitung etwas irritierend.

Wie ist die Situation heute?

Wir stellen heute mit Befriedigung fest, dass das Verständnis von Rumantsch Grischun in diesen Jahren stark gestiegen ist. Auf jeden Fall verstehen die Romanen heute RG besser als jede andere Sprachvariante. Bei unserer Stammleserschaft ist das Beieinander von RG und Idiomen heute kein Problem mehr. Es gibt aber nach wir vor «Fundis und Provinzler», die weder RG und vor allem auch nicht andere Idiomen verstehen wollen. Die LQ-Redaktion ist aber überzeugt, einen wichtigen Beitrag, sowohl zur Erhaltung und Annäherung der Idiome, wie auch für die Verbreitung und Akzeptanz von RG in den Medien geleistet haben.

So berichtete die «Bündner Zeitung» am 6. Juli 1996:

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20 Jahre später zieht Autorin Denise Alig für uns Bilanz

Auch aus heutiger Optik kann man die Beschlüsse der damaligen Entscheidungsträger nur als weitsichtig würdigen. Sie haben schon damals erkannt, dass Zwang in der Sprachenpolitik nur bis zu einem bestimmten Punkt zum Erfolg führt. Was also vor 20 Jahren beschlossen wurde, war realitätsnah und nachhaltig. Mit der Einführung von Rumantsch Grischun als Amtssprache in bestimmten, klar definierten Bereichen  – vor allem aber auch mit dem Verzicht auf Rumantsch Grischun in der Schule – wurde den bereits zu jener Zeit zahlreichen, entschiedenen Rumantsch-Grischun-Gegnern der Wind aus den Segeln genommen. Damit wurde Raum geschaffen, um mit Rumantsch Grischun gewissermassen auf neutralem Boden erste Erfahrungen zu sammeln. Und diese waren, zumindest in den klar festgelegten Anwendungsbereichen, gut.

Die Politik, die vor zwei Jarhzehnten praktiziert wurde, hat sich spätestens dann als richtig erweisen, als der Grosse Rat 2003 mit seinem denkwürdigen Lehrmittelentscheid dafür sorgte, dass Lehrmittel fortan nur noch in Rumantsch Grischun herausgegeben werden sollten.

Damit war eine Zwangsmassnahme beschlossen, die nachher zu unzähligen schwierigen Diskussionen unter den Romaninnen und Romanen führte und letztlich darin mündete, dass sich die meisten romanischen Gemeinden für die Wiedereinführung der Idiome als Schulsprache entschieden haben.

Na, jetzt Bock selber Rumantsch Grischun zu lernen? Wir haben die wichtigsten Sätze für Euch bereitgestellt:

Deutsch Rumantsch Grischun
Wo ist der Bahnhof? Nua è la staziun?
Wann fährt der Zug? Cura parta il tren?
Wie hoch ist dieser Berg? Quant auta è questa muntogna?
Wie heissen Sie? Co avais Vus num?
Wer ist das? Tgi è quai?
Warum geht das nicht? Pertge na vai quai betg?
Wie spät ist es? Tge uras èsi?
Wie viel kostet das? Quant custa quai?

 

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