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«Es hat sich harmonisch gefügt»

Heute vor genau 40 Jahren trat Andrea Masüger in die Somedia ein. Was er seither in der Firma erlebt hat, und wie er vom Redaktor der «Bündner Zeitung» zum Chefredaktor der «Südostschweiz» und schliesslich zum CEO von Somedia wurde, erzählt er im Interview.

Martina
Fehr
Dienstag, 04. Juli 2017, 05:04 Uhr Interview

Vor 40 Jahren rief der 20-jährige Andrea Masüger die Zeitung an, weil er hoffte, als gelernter Fotograf eine Anstellung zu finden – und wurde prompt als Inlandredaktor an Bord geholt. Danach machte er im Unternehmen Schritt für Schritt Karriere – bis ganz nach oben.

Seit bereits 40 Jahren sind Sie für das Unternehmen Somedia tätig. Eine Zahl, die Sie erschreckt?

Ja, doch. Selber hat man immer das Gefühl, man bleibe gleich jung und denkt nur über Leute in der Umgebung, dass sie älter werden. Dann merkt man irgendwann, dass es einem selber auch passiert. Von daher ist solch eine Zahl auch ein wenig abstrakt. Aber, solange sie einem nicht erdrückt, ist alles in Ordnung.

Am 4. Juli 1977 sind Sie in die Firma eingetreten. Können Sie sich an den ersten Arbeitstag erinnern?

Ja, in Bruchstücken. (überlegt) An einiges kann ich mich erinnern. Zum Beispiel an das Büro und die Situation darin. Letzthin bin ich im Treppenhaus Theo Gstöhl begegnet. Wir hatten ungefähr zur gleichen Zeit begonnen und teilten dasselbe Büro. Carli Just, der danach zum «Stern» ging, war ebenfalls in diesem Büro. Er sass an einem grossen, alten Holzpult, das dem früheren Chefredaktor Georg Casal gehört hatte. Theo Gstöhl und ich erhielten nur einen verlängerten Wurmfortsatz eines Tisches, der an diesem Holzpult dran war. Wir waren deutlich die Nummer zwei und drei in diesem Büro. Das ist mir so noch präsent.

Schreiben war schon immer meine Leidenschaft, bereits in der Schule.

Sie sind gelernter Fotograf, wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Ein bisschen durch Zufall. Schreiben war schon immer meine Leidenschaft, bereits in der Schule. Mein damaliger Sekundarlehrer gab mir im Fach Deutsch als letzte Note eine 6 – so quasi als Ansporn «mach etwas daraus». Aber bereits vor und während der Lehre schrieb ich lustigerweise Sportberichte für das «Bündner Tagblatt». Dabei ging es mir rein ums Schreiben, nicht um den Sport. Ich hatte immer versucht, Fotografie und Schreiben zu kombinieren. Nach Abschluss der Fotografenausbildung suchte ich nach einem Job und rief bei der Zeitung an, in der Hoffnung, dass sich Fotografie und Schreiben kombinieren liessen. Ich wurde dann mit einem Herrn Lebrument verbunden, der selber erst seit rund drei Monaten im Amt als Chefredaktor war. Einen Fotografen benötigte er nicht, aber aufgrund seines Jobwechsels einen Inlandredaktor, als Ersatz für sich selbst. So kam ich zur Zeitung und startete als Praktikant, alles andere hat sich danach ergeben.

Aus dieser Anfangszeit hat mir Verleger Hanspeter Lebrument einige Anekdoten erzählt. Eine handelt von Ihrer Begabung fürs Kommentarschreiben. Wissen Sie, auf welche Geschichte ich anspiele?

Ich weiss nicht, ob wir dasselbe meinen. So wie ich es im Kopf habe, war ich damals Mädchen für alles. Es gab damals noch eine Samstagsbeilage, die Magazin hiess. Der damalige Redaktor Köbi Menolfi, der heute noch hie und da für die «Südostschweiz» tätig ist, war in den Ferien und es hiess, «dann mach du halt jetzt dieses Magazin». Ich stand vor einem Stapel von Seiten, die produziert werden mussten. An diesem Tag gab es Nachrichten um den WWF und die Wale. Ich dachte mir – Entschuldigung für den Ausdruck – scheisse, jetzt schreibe ich einen Kommentar und habe diesen auf die Magazinseite geknallt. Die Reaktion des Chefredaktors hat mir imponiert, er fand den Kommentar super, wenn auch gar mit etwas viel Moralin. Er hat mich aber unterstützt und mein Handeln gutgeheissen. Es hätte natürlich auch eine andere Reaktion geben können, im Sinne, «was erlaubst du dir eigentlich. Kaum hast du angefangen, willst du schon die grossen Worte führen». Deckt sich dies mit Ihrer Geschichte?

Nein, nicht ganz. Ihre spitze Feder sei ihm sofort aufgefallen, und er habe sie toll gefunden. Aber für ihn sei es damals klar gewesen: Dieser – so sagte er – schmalbrüstige Masüger hat diesen Text niemals selber verfasst, das müsse der Vater gewesen sein. Er habe seinen Stellvertreter angewiesen, Ihnen ein neues Thema zu geben und Sie beim Schreiben zu beobachten. War Ihnen dies bewusst?

Auf jeden Fall gab es diese Situation niemals, dass Daniel Witzig neben mir stand und ich schreiben musste. Vielleicht hat er dies im Hintergrund gemacht, bemerkt habe ich dies aber nie.

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Sie sind für Ihre bissigen und scharfsinnigen Kommentare berühmt-berüchtigt, wurden dafür auch ausgezeichnet. Was reizt Sie  an dieser journalistischen Form?

Wahrscheinlich das Kreative, das Gedankenspiel. Vielfach musst du in einem Kommentar verschiedene Fakten kombinieren, dann hast du schon eine Aussage. Das ist etwas, was mir liegt. In meinen Überlegungen kombiniere ich Fakten und sehe dann Zusammenhänge, die auf den ersten Blick nicht ersichtlich sind, und leite daraus Folgen ab. Zudem schreibe ich gerne. Wenn es einem einfach von der Hand geht, ist das ideal. Es gibt Journalisten, die zwei Stunden an den Nägeln kauen, wenn sie einen Kommentar schreiben müssen. Bei mir geht das ganz locker, deshalb bin ich ja auch in diese Rolle hineingerutscht. Viele Journalisten scheuen sich vor Kommentaren, und in den 1980er- und 90er-Jahren war es sogar etwas verpönt, zu kommentieren. Damals hiess es, Zeitungen sollten nur Fakten und gute Storys bringen. Heute ist es wieder eher wie früher. Wegen der Digitalisierung konzentrieren sich die Zeitungen mehr darauf, der Leserschaft zu helfen, Meinungen und Geschehnisse einzuordnen. Interessanterweise ist der Kommentar sozusagen der rote Faden durch meine Zeit in dieser Unternehmung.

Das Kommentarwesen ist Ihnen also in die Wiege gelegt worden.

Ja. Ich konnte auch nie etwas mit diesen Theorien zum Kommentarschreiben anfangen. Es soll fünf verschiedene Arten von Kommentaren geben, den «Sowohl-als-auch»-, den Thesenkommentar usw. Was für ein Gegurke! Man setzt sich doch einfach hin und schreibt. Vielfach kommt auch während des Schreibprozesses die Wendung, die es am Schluss noch braucht. Das ist ein Prozess, der abläuft. Bei mir ist es eine Art Begabung, und andere haben einfach Mühe damit.

War der Rollenwechsel vom Chefredaktor zum CEO schwierig?

Bei mir war es ein Prozess, vom Bundeshausredaktor über den stellvertretenden Chefredaktor zum Chefredaktor; dazu kam Mitte der 1990er-Jahre plötzlich der Punkt, als es hiess, ich sollte die Verlagsfirma übernehmen. Die damalige Pressefirma, welche die Zeitungen herausgegeben hatte. Damals kam eine Doppelrolle dazu, einerseits war ich Chefredaktor, andererseits führte ich diese Firma mitsamt Personal und Budget, also mit dem ganzen ökonomischen Teil. Durch diesen Prozess war der Schritt vom Chefredaktor zum CEO auch nicht mehr so wahnsinnig schwierig gewesen. Ich sehe aber, dass dies zu einem Rollenkonflikt führen kann; deshalb habe ich auch das Amt als Chefredaktor abgegeben, das hat sich bei mir harmonisch ergeben. Und was ich jetzt mache, einmal pro Woche meine Kolumne schreiben, da bin ich etwas abgehoben aus dem Arbeitsalltag und muss auf die Redaktion keine Rücksicht nehmen. Ich habe mein kleines Fenster in der Wirklichkeit, welches vom Äusseren unbeeinflusst ist.

Welches Ereignis prägte Sie in den letzten 40 Jahren am nachhaltigsten als Journalist und Publizist?

Die Fälle Kopp und Aliesch. Im Fall Kopp muss man rückblickend festhalten, dass die Medien damals völlig überreagiert haben. Ich nehme mich da nicht aus, auch ich habe damals mitgemacht und geschrieben, dies ginge nicht. Heute beurteile ich den Fall anders, damals aber bin ich mitmarschiert bei einer Entwicklung, die eigentlich falsch war. Der Fall Aliesch war ähnlich, aber meiner Meinung nach mit einer anderen Schlussfolgerung. Aliesch erhielt zwar überall recht, bis vor Bundesgericht, weil man ihm faktisch nichts nachweisen konnte. Sein Verhalten war, das ist meine Meinung, aber ein politischer Fehler. Das sind solche Auseinandersetzungen, die heute noch hochkommen. Habe ich mich damals richtig verhalten oder nicht? Hinzu kommt der, etwas böse formuliert, journalistische Rudeleffekt. Wenn man sieht, was andere Zeitungen schreiben, gerät man unter Zugzwang. Das war mir eine Lehre, mehr zu hinterfragen, ob man das Richtige macht. 

Masüger in hoher Gesellschaft: Verleger Hanspeter Lebrument (links) und Altbundesrat Samuel Schmid (mitte).
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Die Medienbrache befindet sich in einem grossen Wandel. Welche Sorgen treiben Sie heute als CEO um?

Dass wir das Unternehmen weiterhin rentabel halten können. Den Begriff Digitalisierung mag ich kaum noch aussprechen. Sie ist da, in allen Branchen, wir sind damit konfrontiert. Konkret auf uns bezogen, haben wir ein verändertes Leseverhalten. Früher hatte man eine Zeitung abonniert, und für den Verlag waren diese Einnahmen ganz automatisch da. Heute muss man darum kämpfen, dass die Leute für Informationen, die unsere Redaktionen bereitstellen, auch bereit sind zu zahlen. Es braucht neue Geschäftsmodelle, neue Ideen; es ist eine riesige Herausforderung. Andere Bereiche in unserem Haus wie die Medien-Dienstleistungen haben genau die gleichen Herausforderungen. Du musst jetzt andauernd strampeln und kämpfen. Vor 40 Jahren waren die Parameter relativ starr, innerhalb von fünf bis zehn Jahren hatte sich nicht viel verändert. Es gab Veränderungen, die waren aber langfristig. Beispielsweise die Entwicklung hin zu den grösseren Zeitungen, das war aber ein Prozess, der über Jahre gelaufen ist und nicht wie heute im Halbjahresrhythmus.

Welches grosse Ziel möchten Sie als CEO noch unbedingt erreichen?

Ich möchte, dass wir die Digitalisierung zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell entwickeln. Ich kann nicht sagen, ein Modell, welches zehn Jahre funktionieren wird. Bevor ich abtrete, möchte ich das Unternehmen auf einem Stand wissen, der es ermöglicht, dieses in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Das ist vielleicht ein bescheidenes Ziel, aber wenn es gelingt, haben wir viel erreicht.

Es ist eine Zusammenarbeit, die seit vierzig Jahren hält, das sagt wohl einiges.

Hanspeter Lebrument bezeichnet Sie als eine sehr loyale Seele. Wie wichtig war er für Ihre Karriere?

Sehr wichtig. Er hat mich immer in die entscheidenden Positionen gehievt. Man kann ja nicht selber sagen, ich werde jetzt Chefredaktor oder CEO. Du brauchst jemanden, der das will und beschliesst. Er war für mich, zu Beginn meiner journalistischen Karriere, das grosse Vorbild und auch in Bezug auf «Sachen durchziehen», nicht gross nach links oder rechts schauen, nicht 500 Vernehmlassungen durchführen. Das prägt das Unternehmen noch heute. Diese Art ist ein bisschen von ihm auf mich übergegangen und wurde zur Philosophie des Hauses. Ich verdanke ihm auch sehr viel. Es ist eine Zusammenarbeit, die seit vierzig Jahren hält, das sagt wohl einiges. Natürlich hatten wir unsere «Sträusse»; wir sind auch komplett verschiedene Typen, bei ihm muss dauern Betrieb herrschen, und ich bin eher der Typ, der Stopp sagt und konsolidiert. Aber diese Haltungen haben sich in den letzten 40 Jahren sehr gut ergänzt.

Stört es Sie, wenn Sie als «Zögling» von Lebrument betitelt werden?

Nein, das stört mich überhaupt nicht. Wir haben viel zusammen gemacht, und zusammen viel erreicht. Wenn man das von aussen so sieht, ist es mir eigentlich egal.

Mit 40 Jahren kann man Sie als Dinosaurier im Betrieb anschauen – ich habe gehört, dass Sie ein Experte für Dinosaurier sind. Weshalb diese Faszination?

(ist überrascht) Das war so eine Phase, die ich mal hatte, ausgelöst durch den Film Jurassic Park. Das war ja ein Wahnsinnsfilm damals. Ich bin sowieso geschichtsinteressiert. Wichtig für mich ist jetzt in dem Job, den ich mache, dass ich kein Tyrannosaurus Rex bin, sondern eher ein Velociraptor, der schnelle Räuber, um bei diesen Bildern zu bleiben. Aber wie gesagt, das war eine Phase.

ARCHIVBILD

Sie haben einen stressigen Job. Wie erholt sich der CEO der Somedia?

Ich versuche, eine gewisse Freizeit einhalten zu können. Ich kann mich zu Hause, in meinem Umfeld erholen, bei meiner Frau und unserem Sohn, der zwar nicht immer da ist, aber doch oft. Wichtig ist natürlich auch der Freundeskreis. Ich kann relativ gut abschalten, lese viel und habe die Fotografie, die ja mein Anfangspunkt war, als Hobby beibehalten. Ich habe mich lange gegen die Digitalfotografie gewehrt. Unsere Fotografen im Haus machten dazu das Spinnerzeichen; aber  jetzt, seit ein paar Jahren, bin ich darauf umgestiegen. Ich habe aber im Sinn, den analogen Teil – zu Hause habe ich immer noch eine Dunkelkammer – wenn ich etwas mehr Zeit habe, wieder aufleben zu lassen.

Verfolgen Sie als Fotograf einen speziellen Stil?

Es geht in Richtung Reportage, um das, was um dich herum abläuft. Das können Menschen sein, Situationen oder auch Landschaften, aber keine ganz spezielle Richtung. Das hat mich immer fasziniert, die Reportage-Fotografie in Schwarzweiss, die lustigerweise auch wieder etwas mit Journalismus zu tun hat. Man muss den Augenblick einschätzen können.

Welches Buch lesen Sie zurzeit?

"Napoleons Sohn". Die tragische Geschichte von Napoleons einzigem Sohn, den niemand mehr kennt, den man nach Österreich abgeschoben und zum bedeutungslosen Herzog von Reichstadt gemacht hatte. Der ist mit 20 Jahren an Tuberkulose gestorben. Es ist ein sehr interessantes Buch, weil es so ein bisschen die Blickrichtung in diese Zeit gibt. Das zweite Buch, an dem ich so halb dran bin, heisst «1866.» Das war der Deutsch-Deutsche Krieg, Preussen gegen Österreich.

Also keine leichte Kost auf dem Nachttisch. Sie interessieren also primär historische Bücher?

Ja. Wenn man sieht, was heute in Europa abläuft, ist es gut, wenn man die Geschichte kennt. Das letzte Buch, welches ich gelesen habe, war «Höllensturz» von Kershaw, es behandelt die Zeit der zwei Weltkriege in der ersten Jahrhunderthälfte. Da gibt es viele Parallelen zu heute, das habe ich bereits in einer meiner Kolumnen aufgegriffen, und ich finde es wichtig, dass man das weiss. Ich habe das Gefühl, dass unsere Gesellschaft etwas die Tendenz dazu hat, solche Zusammenhänge auszublenden, und das ist gefährlich.

Für mich ist das Outfit, welches man trägt, ein Zeichen, wie du der Welt gegenüberstehst.

Zurück zu Ihrer Person. Ihr Auftreten ist immer sehr stylisch, chic. Wie viele Anzüge und Schuhe haben Sie im Kleiderschrank – und wer kauft ein?

Meine Frau hat kürzlich ein Buch eines Designers gelesen, der sagte, ein Mann benötige 300 Anzüge, und wenn ihm das Geld dazu fehle, brauche er mindestens drei. 300 Anzüge habe ich nicht, aber etwas mehr als drei schon... Ich muss ehrlich sagen, ich habe sie nicht gezählt. Für mich ist das Outfit, welches man trägt, ein Zeichen, wie du der Welt gegenüberstehst. Darum finde ich es teilweise auch entsetzlich, wie die Leute heute herumlaufen, das muss ich ganz ehrlich sagen. Sich einigermassen gut anziehen ist heute keine Geldfrage mehr. Du bekommst heute auch bei H&M einen wunderbaren Anzug, er hält vielleicht nicht zehn Jahre, aber Kleidung ist heute keine soziale Frage mehr. Ich habe schon immer versucht, mich gut zu kleiden. Aber dadurch, dass ich meine Frau kennengelernt habe, der Stylingbereich ist ja ihr Job, hat sich dies vielleicht noch etwas verfeinert gegenüber aussen.

Ihre Spontaneität steht nun auf dem Prüfstand. Ich stelle Ihnen zwei Fragen aus dem Buch „Findet mich das Glück?“ des Künstlerduos Peter Fischli und David Weiss. Es entscheidet das Zufallslos, das heisst, ich blättere im Buch, Sie sagen stopp und die aufgeschlagene Frage müssen Sie beantworten.

Okay.

„Soll ich Kreide fressen“?

(ohne zu zögern) Nein, weil Kreide fressen macht eine ganz hohe Stimme und dann kommt nicht mehr das rüber, was man wirklich sagen will. Aus diesem Grund sollte man auf keinen Fall Kreide fressen.

Auch nicht als CEO?

Nein, als CEO schon überhaupt nicht. Denn dann bekommst du nicht rüber, was du rüber bringen willst.

Kann man das Prinzip der Hefe auf vieles übertragen?

(wieder ohne zu zögern). Ja, das denke ich. Hefe ist wichtig, man kann es auf vieles übertragen. Entweder ist Hefe drin und es wächst etwas, das kann ein Prozess sein. Auf uns bezogen, auf Veränderungen, die im Haus geschehen. Hefe kann aber auch latent da sein und dann beginnt sie zu gären, ohne dass man es will, und dann muss man sie in den Griff bekommen.

Das Spiel macht offensichtlich Spass, deshalb folgt noch eine dritte Frage, wieder per Zufall: „Hätte aus mir eine andere Person werden können“?

Selbstverständlich. Darüber denke ich manchmal nach. Unglaublich vieles ist von Zufällen abhängig. Vor 40 Jahren, wenn Hanspeter Lebrument mir am Telefon gesagt hätten, „Nein, wir benötigen keinen Fotografen, auf Wiederhören“, wäre alles anders geworden. Es sind ganz kleine Dinge, die alles beeinflussen können.

Was würden Sie niemals zulassen, dass es in der Zeitung publiziert wird?

(überlegt) Etwas Persönliches über andere, das für die Allgemeinheit nicht wichtig ist. Da hat der Journalismus manchmal etwas Mühe. Das Zweite: Ein Bericht, den jemand existenziell in Bedrängnis bringen oder in einer Krisensituation vernichten würde. Da muss man als Journalist verdammt aufpassen, dass dies nicht passiert. Es kann sein, dass man etwas falsch einschätzt, deshalb sollt man im Zweifelsfall lieber schweigen.

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