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Weitergestrickt

Die drei Häuser von Architekt Peter Zumthor in Leis oberhalb von Vals bilden ein Ensemble. Die schlanken Holzkörper thronen nicht wie hier üblich auf einem gemauerten Sockel.

Von Marco Guetg

Die drei Häuser von Architekt Peter Zumthor in Leis oberhalb von Vals bilden ein Ensemble. Die schlanken Holzkörper thronen nicht wie hier üblich auf einem gemauerten Sockel. Sie stehen vielmehr in dieser Wiese, als wären sie soeben hierhergeschwebt. Die weit über die Fassade hinausreichenden Stösse der Balken veranschaulichen, wie der Zimmermann sie aufeinandergesetzt, wie er sie «gestrickt» hat. Die kurzen Spannweiten ermöglichen für Decken wie Böden einfache Balkenlagen. Über diesem schlicht geschichteten Holzgebirge breitet ein luftiges Dach seine Flügel aus.

Hier in Leis, umgeben von einer Kapelle und im Kontrast zu verwitterten Ställen, ist gruppiert, was Zumthor im Jahre 2002 am Haus Luzi in Jenaz bereits durchexerziert hat: seine Vorstellung von Strickbau. Ausser ihrer typologischen Anlehnung an das traditionelle Walserhaus haben diese Gebäude allerdings nichts mehr mit ihm gemein. Die Innenarchitektur ist keine einfache Ordnung von Kammer und Zukammer, sondern eine raffinierte Raumfolge über Stiegen auf «Plätze», durch «Gassen» in weite, lichte Räume. Der Wohnraum im oberen Stock ist eine geschlossene Aussichtsplattform, die im Südwesten in einen Balkon übergeht. Er ist auf zwei Seiten vollständig verglast. Wer da sitzt, schaut in die Welt. Das Wohngefühl in einem künstlerisch durchkomponierten Holzhaus wie auch die Sicht in die Welt können übrigens gemietet werden.

Die Beiträge dieser Serie entstammen alle der 2013 aktualisierten Auflage des Architekturführers «Bauen in Graubünden». Herausgeber sind die Architekturzeitschrift «Hochparterre» und der Bündner Heimatschutz.

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