Der Schock sitzt tief – für viele Bahnkunden. Schon wieder müssen sie sich mit einer happigen Preiserhöhung für Billette und Abonnemente abfinden. Durchschnittlich 5,6 Prozent teurer wird die Benutzung des öffentlichen Verkehrs im nächsten Jahr.
Von Sermîn Faki
Und damit ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Der Verband öffentlicher Verkehr stellt für die kommenden fünf Jahre weitere Preissteigerungen von insgesamt 20 Prozent in Aussicht. Logisch, dass sich Bahnkunden an die Krankenkassen erinnert fühlen, die ihre Prämien auch jedes Jahr aufs Neue anheben.
Ganz so falsch ist der Vergleich nicht. In beiden Fällen führt die Bevölkerungsentwicklung zu stetig steigenden Kosten: Die Menschen werden immer älter – und immer mobiler. Die Systeme müssen also mehr leisten. Und wie bei der Gesundheit trägt auch beim öffentlichen Verkehr die Politik eine Mitschuld an der Kostenexplosion. In der Gesundheitspolitik wurde bisher versäumt, kostendämpfende Massnahmen durchzusetzen, die sich auf die Prämien niederschlagen. Die erneute Erhöhung der Billettpreise ist direkt dem Bundesrat zu verdanken. Dieser hat im Sommer die Benutzung der Bahninfrastruktur für die Verkehrsunternehmen verteuert und damit beschlossen, die Nutzer stärker an den Kosten zu beteiligen.
Das ist eine Gratwanderung. Mobilität ist teuer, und sie sollte ihren Nutzniesser auch etwas wert sein. Für den hochsubventionierten öffentlichen Verkehr ist daher eine grössere Kostenwahrheit anzustreben. Andererseits aber will die Politik aus ökologischen und ökonomischen Überlegungen möglichst viel dieser Mobilität auf die Schiene bringen. Das danken letztlich auch jene, die aufs Auto setzen und wegen weniger Verkehr besser vorankommen. Deshalb ist eine gewisse Subventionierung des öffentlichen Verkehrs richtig. Hier ist ein weiterer Vergleich hilfreich: Auch die Schweizer Landwirtschaft ist nicht kostendeckend. Sie ist den Schweizerinnen und Schweizern aber etwas wert und wird daher jährlich mit über drei Milliarden Franken subventioniert.
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