Remo Stoffels Plan, rund 58 Millionen Franken in das Valser Hotel «Therme» zu investieren, kommt bei den benachbarten Zweitwohnungsbesitzern nicht gut an. Doch in Vals ist man über die Einmischung von aussen nicht begeistert.
Von Hansruedi Berger
Vals. – Seit Jahren sucht der Verwaltungsrat der Hotel und Thermalbad Vals AG einen Investor. Denn das in Besitz der Gemeinde befindliche Hotel «Therme» muss dringend saniert werden. Jetzt hat der Churer Unternehmer Remo Stoffel dem Verwaltungsrat die Offerte unterbreitet, die Anlage für insgesamt 58,5 Millionen zu erneuern. Bedingung: Er wird zu 100 Prozent Eigentümer der Hotel und Thermalbad Vals AG (Ausgabe vom 22. September).
Doch Stoffels Angebot stösst nicht überall auf Begeisterung. Vor allem nicht bei den Stockwerkeigentümern der benachbarten drei Häuser Selva, Tomül und Zerfreila. Nachdem sich letzte Woche schon Paul Kopp, ehemaliger Präsident des Obergerichts Luzern, kritisch gegenüber Stoffel geäussert hat wegen gewisser Ungereimtheiten in seiner ehemaligen Tätigkeit als Verwalter der Stockwerkeigentümer-Gemeinschaften, doppeln jetzt die Delegierten der drei Stockwerkeigentümer-Gemeinschaften nach.
Zweifel an Stoffels Glaubwürdigkeit
In einem Brief an Alois Vinzens, den CEO der Graubündner Kantonalbank (GKB), welche den grössten Teil der Investition finanzieren soll, fordern die neun Delegierten, dass Stoffels Angebot von der Bank genau unter die Lupe genommen wird. Dabei äussern die Initianten Bedenken, dass das Projekt scheitern und damit für die Gemeinde Vals ein schwerer Imageschaden entstehen könnte. Im Weiteren zweifeln sie auch «grundsätzlich an der Vertrauens- und Glaubwürdigkeit des Investors». Ausserdem verlangen die Delegierten Aufschluss über die Frage, weshalb nicht andere Investoren für eine Sanierung gefunden werden konnten.
«Sorge um einen Wertverlust»
Ganz uneigennützig ist die Intervention der Delegierten der drei Häuser mit weit über 200 Einheiten allerdings nicht. Sie sind, wie aus dem Brief hervorgeht, auch «in Sorge um einen potenziellen Wertverlust» ihres Eigentums. Seitens der Kantonalbank will man zum Schreiben keine Stellung nehmen. Auch der Verwaltungsratspräsident der Hotel und Thermalbad Vals AG, Stephan Schmid, will sich zum Brief der Stockwerkeigentümer nicht äussern. Der Verwaltungsrat sei nicht berechtigt, Auskünfte über Verhandlungen mit potenziellen Investoren publik zu machen.
Gemeindepräsidentin Margrit Walker-Tönz, die wie Schmid eine Kopie des Schreibens erhalten hat, hält sich ebenfalls bedeckt. Die Gemeinde werde das Projekt genau prüfen, verspricht sie. Man werde dabei auch einen externen Experten beiziehen. Sobald diese Abklärungen abgeschlossen sind, werde sich der Gemeinderat dazu äussern.
Und Stoffel selbst meint: «Meine Verhandlungspartner sind die Hotel und Thermalbad Vals AG und die Gemeinde.» Die Stockwerkeigentümer der drei benachbarten Häuser hätten mit der geplanten Transaktion nichts zu tun.
Eigentümer sind keine Valser
Bei der Valser Bevölkerung stösst die Intervention der Stockwerkeigentümer auf wenig Verständnis, denn die über 200 Eigentümer aus den drei Häusern stammen nicht aus dem Dorf. Zwar mag niemand offiziell Stellung nehmen. Doch dass Auswärtige versuchen, auf die Gemeinde- politik Einfluss zu nehmen, wird hier, wie in anderen Bündner Gemeinden, auch nicht gern gesehen.