Die jüngsten Krisenzeiten bescheren dem Schweizer Tourismus magere Jahre.
Von Luca Geisseler
Der Strom der schlechten Nachrichten will partout nicht abreissen. Für die jüngsten Negativschlagzeilen sorgt nun der Bündner Tourismus. Die schwierigen Rahmen- bedingungen mit dem starken Schweizer Franken, den krisenhaften konjunkturellen Entwicklungen in Europa sowie dem schlechten Wetter in den Hochsommermonaten haben dem hiesigen Tourismus im vergangenen Jahr schwer zugesetzt.
Laut den von Schweiz Tourismus gestern an einer Medienkonferenz in Zürich präsentierten Zahlen verzeichnet Graubünden für das Jahr 2011 eine Abnahme der Logiernächte um 7,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bünden weist damit den stärksten Rückgang aller Ferienregionen der Schweiz auf.
Deutliches Stadt-Land-Gefälle
Insgesamt ging die Nachfrage in den Bergregionen gegenüber dem Vorjahr um rund fünf Prozent zurück. Die grossen Städte hingegen, wo der preisresistente Geschäftstourismus die Einbussen etwas abzufedern vermochte, verzeichneten ein (bescheidenes) Wachstum von 1,6 Prozent. Jürg Schmid, Direktor Schweiz Tourismus, wies an der gestrigen Medienkonferenz denn auch ausdrücklich darauf hin, dass die Städte und das Berggebiete auch touristisch immer stärker auseinanderzudriften drohten. Laut seiner Prognose werden die Bergregionen auch im Jahr 2012 weitere Logiernächte verlieren, während die Städte ihre Zahlen zumindest halten dürften.
Zuversichtlich stimmt Schmid hingegen die anhaltend starke Nachfrage von Touristen aus den sogenannten Wachstumsmärkten. Mit Wachstumsraten von über 40 Prozent (bei über 670 000 Logiernächten im Jahr 2011) entpuppt sich – angesichts der ökonomischen Krise der europäischen Staaten – insbesondere China zunehmend als Schlüsselmarkt für den Schweizer Tourismus. Graubünden allerdings partizipiert kaum an diesem (chinesischen) Nachfrage-Boom. Denn die beliebtesten Destinationen der chinesischen Touristen heissen Luzern, Zürich, Genf und Interlaken. Wieder sind es also vor allem die Städte, die profitieren.