Direkt zum Inhalt

Fehler beim Login!

Sie haben keine Rechte für diese Ausgabe

Schloss-Vision: Weniger Polen, mehr Rapperswil-Jona

Das Schloss Rapperswil soll zum «touristischen Motor» am Obersee werden. Ortsgemeinde und Stadt wollen pro Jahr 100 000 Besucher anlocken – und dafür rund 22 Millionen ins Schloss investieren. Das Polenmuseum muss weichen.

Von Pascal Büsser

Rapperswil-Jona. – Stadtrat und Ortsgemeinde wollen im Schloss ein neues Kapitel schreiben. Es soll zum «Identifikationssymbol» von Rapperswil-Jona und gleichzeitig zu einem «touristischen Motor» für die Stadt werden. Dies erklärte Projektentwickler Otto Steiner, der im Auftrag der Behörden eine Vision entwickelt hat, gestern der Öffentlichkeit.

Die Besucherzahlen sollen mehr als verdoppelt werden – auf mindestens 100 000 pro Jahr. Mit Umbauten und einer neuen multimedialen Inszenierung von fixen und wechselnden Ausstellungen sollen sowohl Touristen als auch Einheimische immer wieder angelockt werden (siehe Bericht Seite 2). Die Vision Steiner sieht Investi- tionen von geschätzten 22 Millionen Franken vor.

Polnische Präsenz stark reduziert

Die einschneidendste und politisch brisanteste Neuerung stellt die Aufhebung des Polenmuseums dar. Dieses muss in der Vision Steiner weichen, um das Schloss für Wechselausstellungen sowie gastronomische, kulturelle und gesellschaftliche Anlässe flexibler nutzbar zu machen. «Die Verwaltung der Ortsgemeinde und der Stadtrat stehen einstimmig hinter der neuen Vision fürs Schloss», erklärte Stadtpräsident Erich Zoller.

Ortsgemeindepräsident Matthias Mächler, der vor zwei Jahren den Mietvertrag mit dem Polenmuseum noch um 25 Jahre verlängern wollte, begründet den Meinungsumschwung mit dem Widerspruch der Bevölkerung. «In demokratischen Prozessen» habe diese in den letzten zwei Jahren ihre kritische oder ablehnende Haltung gegenüber dem Polenmuseum zum Ausdruck gebracht. Ebenso klar habe sich die grosse Mehrheit von Parteien und Verbänden geäussert.

Die Geschichte der Polen, die Architektur und Inhalt des Schlosses in den letzten 140 Jahren – mit Unterbrüchen – geprägt haben, soll nur noch auf zwei Etagen im Gügelerturm gezeigt werden. Eingebettet in die allgemeine Schlossgeschichte.

Daneben bleibt die Freiheitssäule bestehen, das Grab von Graf Plater soll zugänglich gemacht und das Mausoleum des polnischen Helden Kos- ciuszko geöffnet werden. Polnisch-schweizerische Beziehungen könnten zudem im Ritter- und Gemäldesaal weiter gepflegt werden.

Gleichzeitig hoffe man, das Gespräch mit den polnischen Vertretern weiterführen zu können, so Stadtpräsident Zoller. Etwa über die periodische Besetzung der Wechselausstellung mit polnischen Themen. Bisher habe es dazu keine generell ablehnende Stellungnahme seitens der Polen gegeben.

Planungshorizont bis 2020

Unklar ist, wie ein konkretes Projekt finanziert werden soll. Und wie das künftige Betriebskonzept aussieht. «Das Schloss soll im Besitz der Ortsgemeinde bleiben», erklärte Mächler. «Aber Führung und Trägerschaft müssen professionalisiert werden.»

In welcher Form dies geschieht, soll in der nächsten Planungsphase erarbeitet werden. Diese soll auch verlässliche Daten liefern, was von der Vision zu welchen Kosten effektiv umsetzbar ist. Ortsgemeinde wie Stadtrat werden ihren Bürgerversammlungen je einen Projektkredit von 100 000 Franken beantragen. «In der Finanzplanung für die nächsten fünf Jahre haben wir zudem je fünf Millionen Franken eingestellt», erklärte Stadtpräsident Zoller.

Bis ein effektives Projekt umgesetzt würde, sind noch einige Hürden zu nehmen. «Wir sind glücklich, wenn ein neues Konzept bis 2020 zum Fliegen kommt», so Mächler.

Gemäss Projektentwickler Steiner würden die wechselnden Ausstellungen jährliche Kosten von rund einer Million verursachen. Ob das Schloss künftig kostendeckend betrieben werden könne, hänge von vielen Faktoren ab. Matchentscheidend sei neben dem Inhalt das Betriebskonzept. «In der Regel sind Museen Zuschussbetriebe», so Steiner. «Einige Ausnahmen habe ich selber realisiert.»

Weitere Artikel zum Thema