Der Osterhase gehört zu Ostern wie bunte Eier und zartschmelzende Schokolade. Dass das Fest rund um die Auferstehung von Jesus vor mehr als 2000 Jahren gleichzeitig nichts und doch viel mit dem Hasen gemein hat, erklärt Pfarrer Robert Naefgen-Neubert.
Von Astrid Hüni
Heute hat er sozusagen seinen wichtigsten Tag im Jahr: der Osterhase. Nicht nur, dass das putzige Tierchen für das Verstecken der Ostereier zuständig ist, es muss auch für mancherlei herrlich-kitschige Tischdekoration herhalten, gemeinsam mit quietschgelben Küken und bunten Eiern.
Der auch nur einigermassen kundige Christ weiss aber, dass Ostern das Fest der Auferstehung von Jesus Christus nach der Kreuzigung ist. Und fragt sich vielleicht auch, was hat denn jetzt der Hase mit der Geschichte von vor mehr als 2000 Jahren zu tun? «Gar nichts», sagt Robert Naefgen-Neubert, Pfarrer aus St. Peter im Schanfigg, und sagt mit einem Lachen im Gesicht, «in der Bibel taucht ja kein Hase neben dem Grab Jesu auf.» Und trotzdem gehört für den Seelsorger der Osterhase unbedingt mit zum Bild dieses Frühlingsfestes. Ostern ist zwar eigentlich ein rein kirchliches Fest, aber denoch ist das Brauchtum ein ganz wichtiger Eckpfeiler dieser Tage. «Weil der Hase auch ein Zeichen von Fruchtbarkeit ist und gerade jetzt im Frühling alles wieder neu zu blühen und sich zu vermehren beginnt, gehört der Osterhase zu Ostern wie die Sonne zum Sommer.» Dieses Erwachen der Natur ist für den Seelsorger auch eine Auferstehung. «So bringe ich den Hasen in den Kontext mit Ostern», erklärt Naefgen-Neubert. Trotzdem gehöre der Osterhase nicht in die Kirche. «Denn die Kirche sollte sich treu bleiben und das Fest der Auferstehung Christi feiern und nicht mit Hasen und Küken versuchen, die Leute in die Gottesdienste zu locken.» Der Pfarrer geht sogar noch einen Schritt weiter, wenn er sagt: «Die Kirche sollte bei der Bibel bleiben und die Osterhasen den Familien überlassen.»
Robert Naefgen-Neubert ist einer von 30 Online-Seelsorgern in der Schweiz. Daher kennt er die Bedürfnisse gestresster Mitmenschen. Und weiss, dass gerade an solchen Feiertagen wie heute die Entspannung und Erholung für viele ganz zuoberst auf der Liste stehen. Darum empfiehlt er geraden an solchen Tagen «besonders auf sich selber zu schauen und dabei zwei Dinge in der Vordergrund zu stellen: etwas erleben und kreativ sein.» Das tut der Seele gut, und der Entspannungsfaktor sei unbezahlbar. Dabei denkt der evangelische Pfarrer an ganz einfache Dinge wie einen Osterspaziergang, bei dem man in der Natur erlebt, wie alles erwacht und «aufersteht». «Und wie wärs mal wieder mit einem selber gebackenen Osterzopf», das sei etwas Kreatives, das auch noch der ganzen Familie Freude mache. Und schliesslich rät Naefgen-Neubert auch zu einem Besuch in der Kirche. «Denn dort kann man hoffentlich einen weiteren schönen Osterbrauch hautnah erleben: das Osterlachen.» Das tut der Seele gut, und wenn dann zu Hause der Osterhase die Eier versteckt hat, ist Ostern perfekt.