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Heikler Baugrund am Valser Therme-Hang

Fast frei von Vorgaben sollen sie das neue Luxushotel für die Valser 7132 AG planen können, die geladenen Architekturbüros aus aller Welt. In Tat und Wahrheit sind dem Bau enge Grenzen gesetzt – sogar in der Tiefe.

Von Jano Felice Pajarola

Vals. – 7132-Verwaltungsrat Pius Truffer hat es im Juni 2014 am Briefing der Wettbewerbsarchitekten vor Ort gesagt: Nur wenige Vorgaben zu Form, Grösse und Standort gebe es für Remo Stoffels Hotel-Neubau bei der Felsentherme in Vals. Die Grenze sei allein der Himmel. Allerdings: Wo das Hotel gebaut werden soll, ist ziemlich klar definiert, das bestätigt auch Truffer – im Hang oberhalb der Strasse nach Vals Platz. Dort stehen schon die Felsentherme, das Hotel-Haupthaus, die Appartementhäuser des Therme-Komplexes und die Zufahrten. Anders gesagt: Der Platz im Gebiet ist beschränkt, Grenzen sind einem Neubau sehr wohl gesetzt.

Ein heikler Bau-Untergrund

Truffer streitet das nicht ab. Im Architekturwettbewerb gebe es zwar auch Ideen in Richtung Streusiedlung, eher werde es aber ein Turm sein. Schon Tadao Andos Modell für den Park im Talboden, präsentiert im letzten August, zeigte am Thermehang eine turmartige zusätzliche Baute, die in Realität – noch – nicht existiert.

Doch es ist nicht nur der Baugrund knapp am Rota Härd, wie das Gebiet heisst. Der Hang ist ausserdem rutschgefährdet. «Er ist durchnässt. Überall hat es Wasser», erinnert sich der Churer Geologe Tomaso Lardelli, in den Neunzigerjahren Gutachter beim Bau der Felsentherme von Peter Zumthor. «Für die Stabilität waren aufwendige Entwässerungen nötig.»

Lardelli weiss auch, dass am Rota Härd noch eine weitere Problematik lauert – und zwar unter der Oberfläche. Dort fliesst in einer sogenannten Trias-Schicht jenes wertvolle Mineralwasser, das die St. Petersquelle speist. Deren Neubohrung, aus der die Valser Mineralquellen einen grossen Teil ihres Wassers beziehen, befindet sich hinter dem Hotel. Der ganze Hang steht in einer Quellschutzzone.

Tiefe Pfählungen wären nötig

Um einen Hotelturm am Rota Härd zu bauen, wären gemäss Lardelli aber tiefe Pfählungen nötig. Das habe er einst schon Zumthor gesagt – dieser hatte 2007 eine nie realisierte turmartige Erweiterung für das Hotel entworfen. Doch nur schon die verhältnismässig wenig tiefe Fundation für die Felsentherme hatte in den Neunzigerjahren die Mineralquellen-AG in Alarmbereitschaft versetzt. Daran erinnert sich auch Peter Schmid gut, der damalige Präsident der Baukommission: Man habe unglaubliche Angst davor gehabt, die Schicht mit dem Mineralwasser könne durch Bodeneingriffe irritiert werden. «Der Bau hätte sofort eingestellt werden müssen.»

Truffer setzt auf Experten

Heute gehören die Mineralquellen dem Konzern Coca-Cola. Und die Vorsicht ist nicht geringer geworden, das bestätigt Patrick Bossart von Coca-Cola HBC Schweiz: Das Unternehmen wird der 7132 AG bei der Realisierung ihres Hotelprojekts sehr genau auf die Finger schauen (siehe Interview fünfte Spalte).

«Aufpassen muss man in jedem Fall», erklärt Geologe Lardelli. Auch Remo Stoffels 7132 AG werde «zeigen müssen, dass sie die Situation richtig beurteilt.» Truffer widerspricht nicht: Die Quellenproblematik müsse genau angeschaut werden, betont er. Er gehe zwar davon aus, dass ein Turm machbar sei – «aber das ist eine Frage, die die Experten beurteilen müssen.»

Für Schmid hingegen ist die Sache klar: Mit direkter Anbindung an die Felsentherme könne Remo Stoffel seine «horrende Investition von 170 Millionen Franken» gar nicht realisieren, meint er. «Es sei denn, er überbaut Tadao Andos Park im Talboden mit dem Hotel und transportiert seine 5-Sterne-Plus-Gäste auf einem Förderband zum Bad.»

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