Nicht mehr jeder Imker selber soll seine Bienenkästen in mühseliger Handarbeit von der gefürchteten Krankheit Sauerbrut reinigen müssen. Die Glarner Bienenfreunde gehen neue Wege. Sie führen in einen Ofen.
Von Irène Hunold Straub und Daniel Fischli
Haslen. – Der Imker Hanspeter Jenny aus Haslen hat in den letzten drei Jahren alle Bienenvölker verloren. Beim letzten Verlust liess er den Bieneninspektor kommen, der die Krankheit Sauerbrut als Ursache diagnostizierte. Jenny saniert nun seinen Bienenstand nach einem neuen Verfahren, das der Verein Glarner Bienenfreunde entwickelt hat.
Der Verein hat in Leuggelbach einen Stützpunkt eingerichtet, wo die Imker ihre Bienenkästen mit einem Hochdruckreiniger säubern und in Reinigungsbäder einlegen können. Wenn das Material wieder trocken ist, wird es nach Schwanden transportiert.
In der Firma SKS Rehab steht ein grosser Ofen, der normalerweise für das Einbrennen von Lacken verwendet wird. Die Bienenkästen werden darin eine Nacht lang bei einer Temperatur von 120 Grad Celsius gelagert. Dadurch werden die Krankheitserreger abgetötet.
Gegen den Imker-Frust
Diese neue Art der Sanierung der Bienenkästen sei viel schneller, günstiger und auch wirksamer als das mühselige Putzen von Hand zu Hause, weiss Bieneninspektor Hanspeter Itschner. Manche Imker seien mit der herkömmlichen Methode an die Grenzen ihrer Möglichkeiten gekommen und hätten frustriert aufgegeben. Die Glarner Imker hoffen nun, mit dem neuen Verfahren für einen befürchteten grossflächigen Ausbruch der Krankheit gewappnet zu sein.
Denn Hanspeter Jenny ist kein Einzelfall. Die Imker in der ganzen Schweiz sind besorgt über die starke Zunahme der Sauerbrut, eine Bienenkrankheit, die durch Bakterien ausgelöst wird und die Larven tötet. Allein dieses Jahr wurden dem Bundesamt für Veterinärwesen aus der ganzen Schweiz schon mehr als 500 Fälle von Sauerbrut gemeldet.
Seit acht Jahren nimmt die Zahl der Seuchenfälle zu, im laufenden Jahr besonders rasant. Früher wurden jährlich nur 20 bis 50 mit Sauerbrut befallene Stände gemeldet.
Erste positive Erfahrungen
Das Glarner Projekt wird vom Zentrum für Bienenforschung der bundeseigenen landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Agroscope mit Laboranalysen begleitet. Die ersten Erfahrungen seien rundum positiv, so Jürg Hefti von den Glarner Bienenfreunden. Der Kanton Glarus beteiligt sich an den Kosten.
Der Hasler Imker Hanspeter Jenny hofft nun, nach der Sanierung seines Standes bald wieder mit neuen Völkern Bienen züchten zu können.