Die Freunde des Polenmuseums beschäftigten sich am Samstag bei ihrer Generalversammung mit dem Fall Morkowski. Nach verschwundenen Bildern steht nun ein Immobilien-Deal aus der Ära Morkowski im Fokus.
Von Nadine Rydzyk und Cyrill Pinto
Rapperswil-Jona. – Der Verein Freunde des Polenmuseums Rapperswil-Jona steht finanziell gut da, wie es an der Generalversammlung vom Samstagnachmittag hiess. Trotzdem standen die Finanzen im Zentrum der Versammlung.
Denn wie an der Versammlung gesagt wurde, habe der frühere Präsident der Polnischen Kulturstiftung Libertas, Janusz Morkowski, einen Betrag in Höhe von 800 000 Franken als Darlehen für Immobiliengeschäfte von der Stiftung erhalten. Dies sagte ein Vertreter der Stiftung an der Versammlung. Die Rückzahlung sei bis heute weitestgehend ausgeblieben. Nur der Verkauf einer Liegenschaft in Dübendorf sorgte für einen teilweisen Rückfluss des Geldes in die Stiftungskasse.
Der langjährige Leiter des Polenmuseums und Stiftungsratspräsident Janusz Morkowski schulde dem Verein heute noch rund die Hälfte des Darlehensbetrages. Eine Strafuntersuchung laufe derzeit, doch geht der Stiftungsrat davon aus, dass die Forderungen als uneintreibbar zu werten seien, wie er in einer offiziellen Stellungnahme zur GV verkünden liess.
Vereinspräsident German Ritz, gleichzeitig neuer Vizepräsident der Stiftung, appellierte deshalb an die Versammelten, trotz der unbefriedigenden Situation mit dem Fall abzuschliessen, obgleich seitens der Stiftung immer wieder neue Wege geprüft würden, die verbleibenden Schulden einzutreiben.
«Früheres Verfahren eingestellt»
Der langjährige Präsident der Stiftung Libertas, Janusz Morkowski, sagte gestern in einer Stellungnahme gegenüber der «Südostschweiz», dass er von einem neuen Strafverfahren wisse – über den Inhalt der Anschuldigungen aber nicht informiert sei.
Morkowski wies darauf hin, dass schon zu seiner Zeit als Präsident der Stiftung ein Strafverfahren wegen ungetreuer Geschäftsführung aufgrund des Immobiliendeals eingeleitet worden sei. Die «Untersuchung wurde aber eingestellt». Er selber habe sich durch das Immobiliengeschäft, das über eine US-Firma abgewickelt worden sei, «nie einen persönlichen Vorteil verschaffen wollen», wie Morkowski gestern sagte. Ausserdem habe der damalige Stiftungsrat das Darlehen «einstimmig beschlossen».
Weiterhin in der Stipendienstiftung
Ein weiterer Vorwurf an den früheren Stiftungspräsidenten Morkowski, der bis 2005 fast 40 Jahre lang für das Polenmuseum wirkte: Morkowski nehme weiterhin im Stipendienfonds Kazimierz Bartkowiak Einsitz und verhindere so, dass ein Mitglied des Polenmuseums gemäss des testamentarischen Wunsches des Stiftungsgründers vertreten sei. Nachdem Morkowski aus seinen Ämtern beim Polenmuseum ausgeschieden ist, sieht sich der Verein durch ihn nicht mehr in der Stiftung vertreten. Wiederholte Beschwerden bei der Stiftungsaufsicht in Bern hätten bislang noch zu keinem Ergebnis geführt, sagte German Ritz am Samstag an der Versammlung.
Nicht vergessen sind ausserdem die verschollenen Kunstwerke einer polnischen Künstlerin aus den USA, die dem Polenmuseum in der Ära Morkowski ihre Bilder vermachte. Die Bilder im Wert von fast einer Millionen Franken tauchten aber nie in Rapperswil-Jona auf (die «Südostschweiz» berichtete). An der Versammlung vom Samstag hiess es dazu, das man inzwischen annehme, dass die Bilder in den USA gar nie in Richtung Schweiz verschifft wurden.
Made in Poland
Im Anschluss an die Generalversammlung konnte die offizielle Vernissage zur Ausstellung «Made in Poland» gefeiert und der Austausch beim Apéro gepflegt werden. Die Ausstellung zeigt in einer bunten Mischung die Malerei von 15 ausgewählten jungen, zeitgenössischen Künstlern aus fünf polnischen Regionen. Hierfür war die Kuratorin des Projektes, Dorota Kabiesz, aus Berlin angereist.