Die Schweiz ist Weltmeister im Konsum von Produkten aus fairem Handel. 2010 wurden pro Kopf 40 Franken für Waren mit einem Fair-Trade-Label ausgegeben. Spitzenreiter sind die Bananen – und Max Havelaar, denn 96 Prozent der Produkte aus fairem Handel tragen das bekannte Gütesiegel in Schwarz-Blau-Grün.
Von Beatrice Fankhauser
«Mit dem Konsum von Fairtrade-Produkten tut man sich selber etwas Gutes», ist Spitzenkoch Andreas Caminada überzeugt. Für die Aktion «Fair Kochen» der Max-Havelaar-Stiftung (Schweiz) stellte er das Rezept Forelle mit Avocadocrème und rohem Gemüse zur Verfügung (Rezept unter www.maxhavelaar.ch), das er seinen Gästen im Schloss «Schauenstein» in Fürstenau anbietet. In seiner Küche stammt die Forelle aus dem Bündner Oberland, die Avocado aus Mexiko, aus fairem Handel. «Uns ist es wichtig, heimische Produkte anzubieten. Wenn wir auf Produkte aus dem Ausland zurückgreifen müssen – wie beispielsweise Bananen, Ananas, Reis oder Tee –, setzen wir auf das Max-Havelaar-Gütesiegel.»
Die Non-Profit-Organisation setzt mit ihren Lebensmitteln aus fairem Handel nicht nur in der Gastronomie neue Akzente, sondern auch zu Hause. Wobei sich schon beim Frühstück der Blick aufs verlockende Angebot lohnt, um fair in den Tag zu starten: Kaffee, Tee, Fruchtsaft, heisse Schokolade, Honig und Konfitüre bis hin zu leckerem Schokoladeaufstrich, Bananen und Ananas stehen in den Regalen von Bio- und Reformhäusern sowie bei den Grossverteilern.
Gegründet wurde die Max Havelaar Stiftung (Schweiz) 1992 von den sechs Schweizer Hilfswerken Brot für alle, Caritas, Fastenopfer, Heks, Helvetas und Swissaid. Als Vorbild diente die Max-Havelaar-Stiftung in den Niederlanden, deren Namen auf die berühmte Romanfigur aus dem Buch «Max Havelaar oder die Kaffeeversteigerungen der Niederländischen Handels-Gesellschaft» zurückgeht. Der niederländische Schriftsteller Eduard Douwes Dekker beschreibt darin die Geschichte eines Kolonialbeamten auf Java in Niederländisch-Indien, dessen Karriere ein Ende fand, als er schwere Verfehlungen seiner Vorgesetzten aufdeckte und letztlich das gesamte Kolonialsystem in Frage stellte.
Die Kolonialzeit ist Geschichte, trotzdem kann man nicht behaupten, dass der Kapitalismus für einen weltweit fairen Handel gesorgt hat. Umso wichtiger ist es, sich als Konsument mit der Herkunft, der Herstellungsweise und den Arbeitsbedingungen der Produkte auseinanderzusetzen. Fair-Trade-Labels können da eine hilfreiche Stütze sein.
Heute stehen in der Schweiz über 500 Artikel mit dem Max-Havelaar-Gütesiegel zum Verkauf. Eine Erfolgsgeschichte. Weltweit sind 827 zertifizierte Produzentenorganisationen aus über 60 Ländern in das internationale System des fairen Handels eingebunden. Damit verbessert sich die Lebensgrundlage von rund sechs Millionen Menschen aus den benachteiligten Regionen des Südens.