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Kommentar

Ein machtkampf mit lauter verlierern

Es gibt glasklare Entscheide, über die sich kaum diskutieren lässt. Und es gibt solche, die ein ungutes Gefühl auslösen. Dazu gehört die abrupte Freistellung des verdienstvollen Swiss-Ski-Frauentrainers Stefan Abplanalp am Montag.

Von Richard Hegglin

«Wegen unprofessionellem Verhalten», lautete die Begründung. Abplanalp, eine aufgestellte Frohnatur, die gerade deswegen bei den Athletinnen sehr beliebt war, soll zu tief ins Glas geschaut haben. Nach einem solchen Vorkommnis in Garmisch ist er schriftlich verwarnt worden. Ein typisch russisches Fest in Sotschi, wo Wodka-Trinken Teil der Kultur ist, wurde ihm nun scheinbar zum Verhängnis. Dabei war Abplanalp bei diesem Anlass «Frühaussteiger» und lag nach seinen Aussagen schon im Bett, als die Post abging.

Die Reaktion der Swiss-Ski-Verantwortlichen Andreas Wenger (Direktor) und Dierk Beisel (Chef Leistungssport) mag konsequent erscheinen. Aber war sie auch klug? Abplanalps Freistellung erzeugt mehr Wirbel als Ruhe. Es ist kein Geheimnis, dass Cheftrainer Mauro Pini und Abplanalp das Heu nicht auf der gleichen Bühne hatten. Im letzten Jahr erhielt Abplanalp ein Angebot des österreichischen Verbandes. Er blieb, auf Bitten seiner (Ab-)Fahrerinnen, die bis zum verletzungsbedingten Ausscheiden von Dominique Gisin und Fabienne Suter das stärkste Team der Welt bildeten. Und Abplanalp liess sich mehr Kompetenzen zusichern. Zuweilen wurde er wie ein zweiter «Chef» wahrgenommen. Das war dem Betriebsklima kaum förderlich. Pini muss sich in der Speed-Gruppe wie ein Fremdkörper vorgekommen sein.

Nun kam es zum Eklat. War wirklich Alkohol der Grund, wie es Wenger durchblicken lässt? Oder bildete er einen willkommenen Vorwand, Abplanalp zu «entsorgen»? Dominique Gisin hofft, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Aber die Swiss-Ski-Verantwortlichen haben sich mit diesem vorschnellen Handeln selbst in eine heikle Lage manövriert. Geben sie den Wünschen der Fahrerinnen nach, verlieren sie ihr Gesicht. Es ist ein Machtkampf mit lauter Verlierern.

sport [at] suedostschweiz [dot] ch

  • Quelle: Südostschweiz Ausgabe Gaster/See
  • Datum: 22.02.2012, 01:00 Uhr
  • Webcode: 1361545
 

Die Südostschweiz, Gaster/See | Di, 22. May 2012 | Front
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