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In der Dorfpraxis kuriert der Kräuterschnaps die Patienten

Die Theatergruppe Vals darf dieses Jahr auf ihren 20. Geburtstag anstossen. Mit der Komödie «Dokter sött mer sii» unter der Regie von Rico Blumenthal hat sie am Samstag Premiere und den Auftakt zur Jubiläumsaison gefeiert.

Von Maya Höneisen

Vals. – Zwischen klassischer Medizin und «Chrütli» das Richtige zu finden, ist alles andere als einfach. Das muss auch der junge Arzt Wolfgang von Gantenbein (Martin Tönz) erfahren, der in einem Bergdorf seine Zelte aufgeschlagen hat. Er ist ins Dorf gezogen, um endlich Abstand von seiner Mutter zu gewinnen und seine Freundin Maxi (Ursi Blumenthal) heiraten zu können. Seine Konkurrenz im Dorf, das weise «Chrüteranni», sorgt jedoch seit eh und je dafür, dass keiner krank wird. Folglich bleibt das Wartezimmer der Arztpraxis leer.

Die pfiffige Praxishilfe Maria Fischer (Daniela Gartmann), von allen Fischli genannt, kümmert das wenig. Mangels Patienten richtet sie im Wartezimmer kurzerhand eine Besenbeiz ein. Zur Freude der Dorfbewohner, die ganz gerne auf ein Bierchen, respektive einen Kräutertee – mit Schnaps notabene – vorbeikommen. So treffen denn hier die unterschiedlichsten Charaktere aufeinander. Der kauzige Dorfknecht Joggi, der Grossbauer und Dorf-Casanova Ferdinand Marbach (Ignaz Berni), die Bäuerin und Klatschtante Klara Brunner mit ihrem verwöhnten Söhnchen Toni (Fabian Peng), die junge Lehrerin Vreni Roth (Martina Ryffel) und ein schüchterner Sägereibesitzer Hubi Meier (Renato Lutz). Maxi bringt dieses Treiben jedoch zu wenig Bares. Sie ist darauf aus, dass «ihr» Doktor richtig Kasse macht. Mit recht unlauteren Methoden heizt sie den Praxisbetrieb und die Gerüchteküche an. Dass das nicht gut gehen kann, ist vorprogrammiert.

Witzig interpretierte Figuren

Mit dem Stück «Doktor sött mer sii» von Annelies Lischer bringt die Theatergruppe Vals unter der Regie von Rico Blumenthal einen Dreiakter auf die Bühne, der voller Wortwitz, Missverständnissen und Verwechslungspointen steckt. Gelegentlich fehlte es der Premiere am Samstag in der Turnhalle in Vals jedoch etwas an Tempo. Wettgemacht wurde dies von witzig interpretierten Figuren. Ein sehr präsenter Joggi (Hannes Tönz) hatte mit seiner knochentrockenen und träfen Direktheit das Publikum bald auf seiner Seite. Ebenso die Bäuerin Klara Brunner (Julia Stoffel), die wie eine Furie über die Bühne wirbelte und mit ihrem ständigen und unverblümten Gequassel die ganze Dorfgemeinschaft auf Trab hielt. Im Gegensatz zu ihr spielte Yvonne Berni eine Kräuterfrau, die überzeugend aus anderen Sphären zu kommen schien. Insgesamt vermochten die Inszenierung und die Spielfreude des ganzen Ensembles das Publikum zu begeistern. Es spendete am Ende der Aufführung rauschenden Beifall.

Theater mit Unterbrüchen

Schon seit ungefähr 1925 finden in Vals Theateraufführungen statt. Der erste Verein wurde 1946 als Dramatischer Verein gegründet. Er führte alljährlich Lustspiele oder Dramen auf. Nach dem Lawinenunglück 1951 fehlte diesem Verein die Bühne. Erst mit dem Bau des neuen Schulhauses konnte er wieder aktiv werden.

Nach einer zehnjährigen Pause gründete eine Gruppe von jungen Valsern 1994 die heutige Theatergruppe Vals. Im Dorf als «Nachtschwärmer» bekannt, brachten sie auf Anfrage des Altersheims das erste Theaterstück auf die Bühne. Sie seien eine eingeschworene Bande aus Einheimischen, Zu- gezogenen und Hängengebliebenen, meinte Gründungsmitglied und Regisseur Blumenthal nach der Premiere. Von den Dramen des einstigen Vereins hat sich die heutige Gruppe distanziert. Das Leben sei so schon ernst genug, sie würden sich deshalb auf Lustspiele beschränken, erklärte er weiter. Heuer darf nun die 20. Inszenierung gefeiert werden. Nach der Derniere vom 8. März wird aus diesem Anlass die grosse Jubiläumssause steigen.

«Dokter sött mer sii». Weitere Aufführungen: 27. Januar, 4., 12. und 20. Februar, 8. März mit anschliessendem Jubiläumsfest, jeweils 20.30 Uhr. Turnhalle, Vals. Weitere Infos unter www.theater-vals.ch.

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