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Der «Bad Boy» im Bergdorf

Der US-Architekt Thom Mayne baut das neue Hotel in Vals. Die Besucher und Gäste dürfen sich auf Spektakel freuen – oder müssen sich damit abfinden.

von Olivier Berger

Er gilt als der «Bad Boy», der böse Bub der zeitgenössischen Architektur. Thom Mayne kultiviert sein Image als Querdenker gerne. Erst vor einem Monat liess er das Haus abreissen, in welchem der Literat Ray Bradbury, Autor von «Fahrenheit 451», über 50 Jahre lang gelebt hatte. Der Aufschrei in US-Künstlerkreisen war gross. Mayne kam die Kritik vielleicht gar nicht so unwillkommen, auch wenn er den Überraschten mimte und sich zerknirscht gab.

Leise Töne sind auch beim Bauen nicht die Art des 71-jährigen Mayne. Klare Linien und symmetrische Formgebung sind nicht Maynes Sache. Er entstammt der kalifornischen Architekturszene der Sechzigerjahre um den 15 Jahre älteren Frank O. Gehry. Auf Deutsch: Mayne mags gern spektakulär, schräg und verwinkelt. Nicht nur deshalb wird er in Vals wohl einen Kontrapunkt zur Therme des Bündner Stararchitekten Peter Zumthor setzen. Während sich Zumthors Bauten in Formengebung und Materialisierung stark auf den Ort beziehen, stehen die Bauten seines US-Kollegen für sich.

Kein direkter Vergleich

Die Wahl, das neue Hotel in Vals zu bauen (Ausgabe von gestern), sei vielleicht gerade deshalb auf Mayne gefallen, glaubt Daniel A. Walser, Professor für Architekturgeschichte und -theorie an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Chur. «Durch die sehr unterschiedlichen Zugänge entzieht sich Maynes Hotelbau dem direkten Vergleich mit Peter Zumthors Therme.»

Eine Frage sei, ob Vals wirklich in einer globalisierten Welt Architektur brauche, die überall sonst auf der Welt stehen könnte, so Walser. «Das ist aber eine durchaus spannende Diskussion.» Debatten werde Mayne ohnehin auslösen. Vielleicht stecke auch dahinter Kalkül der Investoren. «Sie können sicher sein, dass das Hotel in den Medien erwähnt wird.»

Die Investoren halten Wort

Interessant ist, dass in der Endausmarchung für den Neubau des 100-Suiten-Luxushauses drei Architekturbüros standen, die in ihrem Ansatz unterschiedlicher kaum sein könnten. Mit Mayne hat sich der Spektakulärste unter ihnen durchgesetzt. Mit seiner Wahl haben die Investoren um Remo Stoffel zudem ihre Ankündigung wahr gemacht, Architektur der Spitzenliga zu ermöglichen: wie Peter Zumthor und Tadao Ando, der in Vals einen Park baut, hat er den Pritzker-Preis, den eigentlichen «Architektur-Nobelpreis», erhalten.

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