Ihre Auftritte haben die Band Tawara Shen Kool unter anderem bereits nach Kalifornien und Costa Rica geführt. Dabei spielten die Bündner Reggae-Musiker ebenso auf der Strasse wie in Konzertlokalen.
Von Valerio Gerstlauer
Domat/Ems. – Für viele Bands übt die Möglichkeit, ihre Musik auf Strassen und öffentlichen Plätzen einem dauernd wechselnden Publikum vorzutragen, eine fast magische Anziehungskraft aus. Im Gespräch mit der «Südostschweiz» vom 12. Februar bekräftigte die Basler Sängerin Anna Rossinelli ihre Liebe zur Strassenmusik, der sie trotz erfolgreichem Debütalbum und einer Schweizer Tournee noch immer frönt.
Spontanen Strassenauftritten misst auch die Bündner Raggae-Band Tawara Shen Kool einen hohen Stellenwert bei. Sänger Florian Trepp, Bassist Tim König, die Keyboarder Sascha Gregori und Yves Zogg, Gitarrist Beat Bojaxhiu sowie Schlagzeuger Mathias Tanner gewichten das Spiel vor Passanten allerdings noch einen Tick stärker. Die Musiker mit Bandraum in Domat/Ems haben daraus ein eigentliches Konzept entwickelt.
Kalifornische Eigendynamik
Nachdem Trepp, König und Gregori 2007 während ihres Studiums in Zürich Tawara Shen Kool aus der Taufe gehoben hatten, gesellten sich rasch die restlichen Musiker hinzu, und man machte sich ein Jahr später nach Deutschland auf, um auf der Strasse die ersten Erfahrungen zu sammeln. «Der eigentliche Startschuss fiel jedoch im Herbst 2009, als wir zu dritt für zwei Monate durch Kalifornien reisten», erzählt Trepp, der innerhalb der Band auch fürs Songwriting und die englischen Liedtexte zuständig ist. Mit einem Lachen fügt er an: «Dort entwickelte sich dann eine für uns ungewohnte Eigendynamik.» Durch die Strassenauftritte lernten Trepp, König und Gregori am Laufmeter Leute kennen, die sie wegen ihrer Musik ansprachen, direkt für Auftritte in Lokalen oder für Privatpartys buchten und ihnen Bars für Konzerte empfahlen. Das habe jedes Mal funktioniert, wenn sie neu in eine Stadt gekommen seien, verrät Trepp. Einmal habe man sogar vier Konzerte an einem Tag spielen können. Diese Dynamik schreibt Trepp der Offenheit der Kalifornier zu, von denen einige zudem so grosszügig waren, die Bandmitglieder zum Übernachten zu sich nach Hause einzuladen. «Berührend war auch ein Erlebnis, als wir nach einem kaum beachteten Auftritt im Bankenviertel von San Francisco in einem heruntergekommenen Viertel spielten, wo uns etliche Obdachlose Geld zusteckten.» Das sei ohnehin etwas vom Schönsten an den Strassengigs, meint Trepp. Die Leute würden am ehrlichsten und unmittelbar auf die Musik reagieren.
Das in Kalifornien auf Herz und Nieren geprüfte «Konzept», zunächst mit einem Strassengig auf sich aufmerksam zu machen, erwies sich danach auch in anderen Ländern und Städten als erfolgreich. In Costa Rica, Deutschland, London, Paris, Barcelona und New York knüpften Tawara Shen Kool auf der Strasse Kontakte, die ihnen zu weiteren Auftritten verhalfen. Im Ausland allerdings dürfte man die Bündner Musiker nur unter einem anderen Namen kennengelernt haben. «Da wir im Ausland kaum je vollständig auftreten, nennen wir uns auf diesen Touren Tawara Street», erklärt Trepp. Jedoch ist auch bei Konzerten von Tawara Shen Kool damit zu rechnen, dass bisweilen andere, quasi weniger «offizielle» Bandmitglieder auf der Bühne stehen.
Prägendes Erlebnis
Seine Freude an der Reggae-Musik entdeckte Trepp ebenfalls auf einer Reise. Während eines halben Jahres machte der Churer Bekanntschaft mit der brasilianischen Lebensweise und sog den dort gepflegten Reggae in sich auf. Die Musik verbinde er deshalb bis heute vor allem mit Reisen und Ausgelassenheit, sagt Trepp. Zu der mit Reggae eng verknüpften Rastafari-Kultur habe er hingegen überhaupt keinen Zugang. «Die zum Beispiel nicht selten anzutreffende Schwulenfeindlichkeit geht mir gegen den Strich.»
CDs für Quentin Tarantino
Veröffentlicht haben Tawara Shen Kool bereits zwei Alben, die sie gleich selbst in ihrem riesigen, katakombenartigen Bandraum aufgenommen haben. Je ein Exemplar verschenkte Trepp notabene an Regisseur Quentin Tarantino, dem Tawara Street in einer Bar in San Francisco über den Weg liefen. Geplant ist für dieses Jahr ein weiteres Album, das jedoch ausschliesslich im Internet heruntergeladen werden kann. Auch ein von der Stadt Chur unterstütztes Soloprojekt zusammen mit anderen Musikern verfolgt Trepp. Die daraus entstehenden Lieder sollen danach auf CD erhältlich sein. «Ansonsten gehen wir die Sache gemütlich an», erklärt Trepp. «Wenn wir alle beisammen sind, steht der Spass im Vordergrund, denn das kommt gar nicht so häufig vor – die meisten von uns haben noch Verpflichtungen bei anderen Bands.»
In der Reihe «Bands in Graubünden» werden in loser Folge junge Musiker und Musikerin- nen aus dem Kanton vorgestellt.