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«Andos Wahl ist keine Polemik gegen Zumthor»

Es gehe nicht um den «Star», sondern darum, wer Vals poetisch interpretieren könne, sagt Therme-Verwaltungsrat Pius Truffer zur Verpflichtung von Tadao Ando als Architekt. Ein Unterfangen, das Experte Köbi Gantenbein «tollkühn» findet.

Wie konnte Vals den japanischen Architekturstar Tadao Ando gewinnen, und was ist davon zu erwarten? Eine Annäherung

Von Jano Felice Pajarola

Die Meldung hat letzte Woche für Aufsehen gesorgt: Die japanische Architekturlegende Tadao Ando wird ein Projekt in Vals entwerfen und hat mit dem früheren Hotel und Thermalbad Vals, der 7132 AG, einen entsprechenden Vertrag unterzeichnet (Ausgabe vom 20. September). Wie hat Vals es geschafft, diesen 72-jährigen Kultarchitekten von Weltruf zu verpflichten? Pius Truffer, Verwaltungsratsdelegierter in Remo Stoffels 7132 AG, mag sich nicht zu sehr in die Karten blicken lassen, verrät aber: «Es hat schon Zeit in Anspruch genommen, Ando zu überzeugen, das war eine längere Arbeit.» Für ein reines Profitprojekt lasse sich so ein Architekt nicht einspannen, «man muss den Hintergrund der Investition aufzeigen. Das ist uns offenbar gelungen.»

Zu diesem Hintergrund meint Truffer – auch in Anspielung auf den Ruf von Remo Stoffel: «Es geht bei Ando nicht um den ‘Star’, sondern darum, wer Vals poetisch interpretieren kann. Es geht um eine neue Wahrnehmung von Vals und nicht um spekulatives Bauen.»

Persönlich, so Truffer, sei er fasziniert von der subtilen Arbeitsweise Andos, von dessen mit unglaublicher Konsequenz minimalistischen Architektur. Stimmung und Ortsbezug seien wichtig, nicht Raumprogramme oder Ausnützungsziffern. Ein Zufall, dass sich das ausgerechnet mit der Arbeit des von der 7132 AG ausgebooteten Therme-Architekten Peter Zumthor gut zu vertragen scheint? «Ich empfinde es auch so, dass Ando und Zumthor zusammenpassen», sagt Truffer. «Aber wir haben Ando nicht verpflichtet, um Peter Zumthor eins ‘auszuwischen’. Andos Wahl ist keine Polemik gegen Zumthor.»

Und was meint ein Architekturkenner wie «Hochparterre»-Chefredaktor Köbi Gantenbein zu Ando und den Valser Plänen? «Ando ist ein zurückhaltender Mensch, ein guter, seriöser Architekt, der in der gleichen Liga wie Zumthor spielt», so Gantenbein. «Ein Lichtkünstler, dessen Bauten vordergründig einfach, in Wirklichkeit aber sehr raffiniert sind.» Ando und Vals – das könne durchaus zusammen funktionieren. Doch die Verpflichtung des Japaners sei trotzdem «tollkühn».

Tollkühn? Einerseits aus finanziellen Gründen, findet Gantenbein: Bei einem solchen Projekt mit Ando bewege man sich bezüglich Kosten im zweistelligen Millionenbereich. Und man dürfe dabei nicht vergessen, dass die Therme gleichzeitig hohen Investitionsbedarf im Hotel- und Badtechnik-Bereich habe. Sanierungen stehen an. Bedenken müsse man zudem, dass das Zumthor-Werk einst «Schritt um Schritt mit der Gemeinde entstanden ist, eine enorme baukulturelle Leistung. Wer aber wird Ando in Vals führen? Das erfordert viel Wissen und Geduld.» Zumal der Architekt oder auch einer der Mitarbeitenden des Büros aufgrund der Distanzen nicht eben mal schnell nach Vals kommen könne. «Und nicht zuletzt wird das Ganze eine politische Geschichte sein, bevor der erste Sack Zement überhaupt bestellt ist», vermutet Gantenbein.

Was Truffer einräumt: Ando selber hat sich bislang noch nicht in Vals aufgehalten. «Es gibt für das Projekt aber einen bestimmten Fahrplan, und Tadao Ando wird noch vor Ort sein. Wir warten jetzt auf seine ersten Überlegungen zum Valser Projekt.»

Und was sagt Peter Zumthor zu Andos Engagement in Vals? Nichts. Er wolle sich dazu nicht äussern, lässt er der «Schweiz am Sonntag» durch eine Mitarbeiterin seines Büros ausrichten.

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