Hans Peter Michel ist gelernter Bauer, studierter Psychologe, ehemaliger Oberst der Gebirgsinfanterie und seit 2005 Landammann von Davos. Zudem ist Hans Peter Michel wohl der wichtigste Grund, warum in Davos wieder gegen das WEF demonstriert werden darf.
Davos. – Nach den Ausschreitungen auf dem Höhepunkt der Antiglobalisierungsbewegung vor rund zehn Jahren waren die WEF-Gegner ins Unterland abgedrängt worden. Dass dort die Auseinandersetzung umso härter geführt wurde, erstaunt Hans Peter Michel nicht: «Wenn wir jene nicht unterstützen, die ihren Protest auf friedliche Art artikulieren, dürfen wir uns nicht wundern, wenn sich der gewaltbereite Teil sich zu Wort meldet», sagte der FDP-Politiker im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda.
Protest ist für Michel ein wichtiger Baustein der Demokratie. Ein System, das keiner Kritik ausgesetzt sei, entwickle sich zum Totalitären, sagte er. Das gelte auch für die Wirtschaft, die ja im Moment «nicht gerade optimal laufe».
Deeskalation und Dialog
Leute, die solche Entwicklungen kritisch hinterfragten, müssten ihren Platz haben. In Michels Politik übersetzt heisst das: «Wir Davoser versuchen gute Gastgeber zu sein für alle, die sich gebührend aufführen.»
Dabei kommt Michel die Geschichte zu Hilfe, denn die Antiglobalisierungsbewegung hat an Kraft verloren. Bei den verbleibenden WEF-Gegnern setzen die Verantwortlichen auf Deeskalation, Dialog und nur im Notfall auf Durchgreifen, wie Michel erklärt. So ist es nun wieder möglich, in Davos zu demonstrieren – wenn auch erst nach einer Kontrolle in Fideris.
Respekt für Aktivisten
Dieses Jahr finden die Kundgebungen auf dem Rathausplatz statt, direkt vor Michels Bürotür. Der Landammann hat auch das Camp der Occupy-Bewegung in Davos bewilligt und beim Iglubau sogar Hand angelegt. Auch wenn er nicht in allen Punkten gleicher Meinung ist wie die Aktivisten, macht er keinen Hehl aus seiner Sympathie. «Den ganzen Tag in dieser Kälte und im Schnee herumzustehen, davor habe ich Respekt.»
Den teilen nicht alle. Obwohl Michel und die Verantwortlichen der Polizei grünes Licht gegeben hatten, wollte die Bündner Regierung von einer Kundgebung auf dem zentralen Arkadenplatz nichts wissen – am liebsten hätte man für Davos gar keine Demonstrationsbewilligung erteilt. Jene, die heute verantwortlich seien, hätten die Erfahrung der gewalttätigen Demonstrationen nicht gemacht, sagte Michel. Und jene, die die Politik der Öffnung mitgetragen hätten, seien nicht mehr im Amt. «Ich bin der letzte Mohikaner», sagte der Davoser Landammann. Seine Amtszeit läuft im Juni aus. (sda)
Zum WEF-Dossier gehts hier.
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