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E.ON verabschiedet sich von Atom, Kohle und Gas

Deutschlands grösster Energieversorger E.ON reagiert mit einer Radikalkur auf die Folgen der Energiewende. Politik, Analysten und Anleger begrüssten den Schritt, der auch Vorbild für andere Versorger in Europa sein könnte. Doch es gibt auch warnende Stimmen.

Hauptquartier von E.ON in Düsseldorf.

Düsseldorf. – Der hoch verschuldete Konzern will sich künftig auf Erneuerbare Energien, Energienetze und Kundendienstleistungen konzentrieren - das Hauptgeschäft mit Atom, Kohle und Gas will E.ON dagegen abgeben, wie das Unternehmen am Sonntagabend mitteilte.

Grosskraftwerke würden noch für eine lange Zeit als Rückgrat der Energieversorgung gebraucht, sagte E.ON-Chef Johannes Teyssenbei einer Telefonkonferenz mit Analysten. Deshalb werde das ausgegliederte Geschäft eine starke Zukunft haben. Allerdings unterscheide sich das klassische Geschäftsmodell immer stärker von den Anforderungen der neuen Energiewelt. Es sei schwerer, beides unter einem Dach zu vereinen.

Mit der Abspaltung der Grosskraftwerke reagiert der Energieriese auf den Preissturz bei den Strom-Grosshandelspreisen. Diese sind wegen der Überkapazitäten an Kraftwerken und dem Ausbau des Ökostroms allein seit Anfang 2013 um mehr als einen Viertel gefallen.

Rote Zahlen wegen Wertberichtigungen

Im laufenden Jahr reisst das bisherige Geschäft den Konzern noch tief in die roten Zahlen. Wertberichtigungen vor allem bei südeuropäischen Geschäften und Kraftwerken von 4,5 Mrd. Euro würden zu einem «erheblichen Konzernfehlbetrag im Geschäftsjahr 2014 führen», hiess es. In den ersten drei Quartalen waren Abschreibungen in Höhe von rund 700 Mio. Euro angefallen.

E.ON schiebt einen Schuldenberg von 31 Mrd. Euro vor sich her. Der Konzern hatte unter anderem Milliardensummen bei Zukäufen in Südeuropa versenkt. Die Geschäfte in Spanien und Portugal verkaufte der Versorger nun an den australischen Investor Macquarie für einen Firmenwert von 2,5 Mrd. Euro. Neben dieser Veräusserung prüft E.ON auch den Verkauf des Geschäfts in Italien. Zudem soll das Explorations- und Produktionsgeschäft in der Nordsee ebenfalls noch vor der Neuaufstellung überprüft werden.

Arbeitsplätze voraussichtlich nicht gefährdet

Die Grundlagen für die Börsennotierung des neuen Unternehmens sollen im kommenden Jahr geschaffen werden. Dafür werden unter anderem die Investitionen um 500 Mio. Euro auf 4,8 Mrd. Euro erhöht.

Nach der Zustimmung der Generalversammlung soll die Abspaltung dann im Geschäftsjahr 2016 durchgeführt werden. Den verbleibenden Minderheitsanteil will E.ON mittelfristig über die Börse abgeben. Auswirkungen auf die Arbeitsplätze sollen die Massnahmen der Mitteilung zufolge nicht haben. An der Börse kamen die Abspaltungspläne gut an: E.ON-Aktien gewannen zeitweise mehr als 6 Prozent an Wert.

Nach Ansicht des deutschen Wirtschaftsministers Sigmar Gabriel sind weder Jobs noch die Milliarden-Atom-Rückstellungen bei Deutschlands grösstem Energieversorger gefährdet. Sorgen, dass E.ON sich beim Atomausstieg aus der Verantwortung ziehen könnte, seien unbegründet, sagte Gabriel.

Nach einer Aufspaltung von E.ON müsse der neue Eigentümer der Atomkraftwerke sicherstellen, dass ausreichend Rückstellungen für deren Abbau und Entsorgung vorhanden seien, sagte Gabriel. Die Regierung gehe davon aus, dass dies der Fall sei. Derzeit seien dafür 36 Mrd. Euro vorhanden.

Auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die die Beschäftigten bei E.ON vertritt, begrüsste aus Sicht der Arbeitnehmer die Aufspaltung. Beide Unternehmensteile hätten in Zukunft «gute Chancen» auf den jeweiligen Märkten zu bestehen.

Grüne warnen vor Bad Bank für Atomkraftwerke

Die Grünen jedoch warnten jedoch vor erheblichen Risiken für die Steuerzahler. «Ich befürchte, dass E.ON eine Bad Bank für seine sieben Atomkraftwerke schafft, die von den Steuerzahlern gerettet werden muss», sagte die Energie-Expertin der Grünen-Bundestagsfraktion, Bärbel Höhn.

Der Konzern hält nach eigenen Angaben 14,5 Mrd. Euro in der Hinterhand, um Atomkraftwerke rückzubauen und die Lagerung von Atommüll zu gewährleisten. Kritiker befürchten, dass die Summe nicht ausreichen könnte. So sprachen beispielsweise auch die Analysten von Bernstein Research angesichts der Abspaltungspläne von einer Art «Bad Bank». (sda)

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