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Norwegen verlegt Lachszucht im Kampf gegen Parasiten auf hohe See

Die norwegische Lachszucht steht vor einer Verlagerung aus Fjorden und Buchten auf den offenen Atlantik. Damit wollen die Zuchtfirmen ihr Milliardengeschäft vor der Lachslaus, einem Parasiten, schützen. Dieser hatte zuletzt das Wachstum der Industrie gestoppt.

Beliebter Speisefisch: Lachstranchen auf einem Fischmarkt. (Archiv)

Derzeit werden verschiedene Designs für Lachsfarmen im Ozean geprüft, sagten norwegische Behörden im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. Bis November laufe der Prozess, «eine Handvoll» Lösungen sei schon akzeptiert, weitere 40 werden noch geprüft. Oft stütze man sich dabei auf die Erfahrungen der Ölindustrie.

Grösste Herausforderung sind die Stürme am Atlantik, die Lachsfarmen zerstören und damit Zuchtlachse freisetzen könnten. Das würde zu einer Vermischung mit Wildlachs führen. Umweltschützer fürchten dadurch eine genetische Schwächung der Wildlachspopulation, die dann etwa nicht mehr die Kraft haben könnten, an ihre ursprünglichen Brutstätten zurückzukehren.

Gleichgewicht in Gefahr

Auch jetzt, mit einer Zucht nur in ruhigen Gewässern, kommt es immer wieder zu Ausbrüchen. Im Vorjahr entkamen 126«000 Lachse aus norwegischen Lachsfarmen. Fischer an den Flüssen fürchten um das ökologische Gleichgewicht. Vor Norwegen leben heute nur etwa 500»000 wilde Lachse - bei einer halben Milliarde Zuchtlachsen.

In Norwegen wurden 2016 1,1 Millionen Tonnen Lachs produziert, das war mehr als die Hälfte der weltweiten Lachszucht. Die Exporte brachten dem Land umgerechnet 7,7 Milliarden Franken ein. Nummer zwei am Markt ist Chile, weitere Produzentenländer sind Grossbritannien, Kanada und die Faröer.

Produktion stagniert

Die Produktion der norwegischen Firmen, unter denen Marine Harvest, SalMar and Leroy Seafood die bekanntesten sind, hat aber seit 2012 stagniert. Platzmangel und Krankheiten haben das Wachstum behindert, obwohl die Preise auf ein Rekordniveau gestiegen sind. Jeder fünfte Zuchtlachs in Norwegen stirbt vorzeitig, vor allem wegen der Lachslaus, einem kleinen Krebs, der sich aussen an den Lachs anheftet.

SalMar baut bereits an einer Fischfarm im Atlantik, die Ende 2017 den Betrieb aufnehmen soll. Es ist eine runde schwimmende Konstruktion mit 110 Metern Durchmesser, die an einen Bohrplattform erinnert. Sie wird um 75 Millionen Euro in China gebaut und soll gross genug sein, um über eine Million Lachse zu züchten.

Die Firma Marine Harvest arbeitet aber auch an einer eiförmigen Konstruktion, in der Lachse in gefilterten Meereswasser schwimmen sollen, damit die Lachslaus herausgehalten wird. Damit könnte das Schädlingsproblem auch in flachen Buchten gelöst werden.

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