Wie der Maulwurf zu seinen schaufelförmigen Pfoten kam

Sei es der lange Hals der Giraffe oder die «Plazenta» männlicher Seepferde - die Evolution hat bei Tieren die kuriosesten Anpassungen an deren Lebensweisen hervorgebracht. Nun hat ein internationales Forscherteam unter Zürcher Leitung die genetische Entwicklung der schaufelförmigen Pfoten von Maulwürfen aufgeklärt.

Ein schwimmender Maulwurf: Gut sichtbar die rechte Pfote (Archiv) .

Bild: Keystone

Zürich. – Die Maulwürfe sind eine seltsame Tierfamilie, zu der auch die im Wasser lebenden Desmane und die bodenbewohnenden Spitzmulle gehören. Etliche von ihnen haben bizarre Körperteile entwickelt: Die Schnauze des Sternmulls ziert ein Kranz fingerförmiger Hautanhänge, der als Tastorgan dient, die Desmane haben Schwimmhäute und seitlich abgeplattete Schwänze.

Bei den Maulwürfen haben sich die Vorderpfoten zu regelrechten Schaufeln vergrössert, während die Hinterpfoten normal gross sind. Hände und Klauen sind verlängert und die Handflächen nach aussen gedreht. Ein sechstes Fingerglied hilft beim Graben. Damit schafft es der Maulwurf, bis zu sieben Meter Gänge pro Stunde zu buddeln.

Wie die Pfotenentwicklung genetisch gesteuert wird, hat nun ein internationales Forscherteam um Constanze Bickelmann vom Paläontologischen Institut und Museum der Universität Zürich entschlüsselt.

Demnach ist bei Maulwürfen das sogenannte SOX9-Gen, das an der Bildung von Knorpel beteiligt ist, zu anderen Zeiten aktiv als bei verwandten Kleinsäugern, wie die Forscher am Donnerstag im Online-Fachblatt «EvoDevo» berichten.

Die Forscher verglichen die Aktivität dieses Gens in der Embryonalentwicklung von Iberischen Maulwürfen, den verwandten Kleinohrspitzmäusen und Hausmäusen. Es zeigte sich, dass das SOX9-Gen bei Spitzmaus und Maus bei der Entwicklung in Vorder- und Hinterbeinen gleichzeitig aktiv wird, beim Maulwurf jedoch in den Vorderbeinen früher als hinten.

«Diese unterschiedliche Zeiteinteilung der Genaktivität ist ein extremes Beispiel für die Anpassung an eine besondere Lebensform», zitiert die Mitteilung Constanze Bickelmann. «Die natürliche Auswahl hat Tiere bevorzugt, die grössere Vorderpfoten hatten und somit besser graben konnten.»

Darum hinterliessen Maulwürfe mit einem früher aktiven SOX9-Gen in den Vorderpfoten mehr Nachkommen und breiteten sich aus. Da die Trennung von Maulwürfen und Spitzmäusen vor 70 Millionen Jahren stattfand, führte dieser Auswahlprozess zu einer langsamen, aber tiefgreifenden Veränderung bei der Produktion eines Eiweisses, das im Tierreich fast universell vorkommt, wie die Forscher schreiben. (sda)

  • Quelle: sda
  • Datum: 09.08.2012, 02:00 Uhr
  • Webcode: 2558380
 

Gast
The content of this field is kept private and will not be shown publicly.

  • Web page addresses and e-mail addresses turn into links automatically.
  • Allowed HTML tags: <p> <a> <em> <strong> <cite> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd>
  • Lines and paragraphs break automatically.
  • Each email address will be obfuscated in a human readable fashion or (if JavaScript is enabled) replaced with a spamproof clickable link.

More information about formatting options

Code:*
Enter your dog's name:
Speichern Vorschau

Sie erklären sich damit einverstanden, unseren Service weder für illegale Zwecke, noch zur Übermittlung von gesetzeswidrigen, belästigenden, beleidigenden, die Privatsphäre anderer verletzenden, missbräuchlichen, bedrohlichen, schädlichen, vulgären, obszönen, verleumderischen, zu beanstandenden oder anderweitig verwerflichen Inhalten oder von Material, welches das geistige Eigentum oder andere Rechte einer Person verletzt oder verletzen könnte, zu benützen. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

suedostschweiz.ch entscheidet über die Veröffentlichung der Beiträge und führt darüber keine Korrespondenz.

Ihre Meinung ist uns wichtig!

Was halten Sie von diesem Artikel? Schreiben Sie in einem Kommentar Ihre Meinung dazu!

neuen Kommentar schreiben...
 

Heute, 20:51 Uhr | 0 Kommentare

Zum siebten Mal hat am Mittwochnachmittag die Buchhandlung Baeschlin und der Verein Kulturzyt zum Welttag des Buches einen Leseparcours durch den Glarner Hauptort organisiert. Die Leseratten begaben sich dabei auf eine besondere Schatzsuche.

mehr...

Heute, 20:44 Uhr | 0 Kommentare

Der schwere Verkehrsunfall am Donnerstagnachmittag mit einem Toten und vier Verletzten auf der Autobahn A13 zwischen Chur und Landquart, kurz vor der Ausfahrt Zizers, hat Auswirkungen bis in die Stadt Chur.

mehr...

Heute, 19:56 Uhr | 0 Kommentare

Präsident Arnold Huber ist aus dem Verwaltungsrat von Remo Stoffels 7132 AG ausgeschieden. Er war mitbeteiligt am Aufgleisen des Thermehotel-Verkaufs an den Churer Investor mit Valser Wurzeln.

mehr...

Heute, 18:56 Uhr | 0 Kommentare

Es fällt schwer zu glauben, dass ein zerbrechlicher Falter ein halbes Jahr an einem geschützten Ort die kalte Jahreszeit unbeschadet überstehen kann. Einer dieser Überlebenskünstler ist der C-Falter.

mehr...

Heute, 18:54 Uhr | 0 Kommentare

Nachdem Chur die Pläne für eine neue Sporthalle abgelehnt hat, wittert Landquart nun seine Chance auf Fördergelder für eine grössere Sporthalle.

mehr...

Weitere Artikel

Community

Multimedia

Top-Deals

Feine Piccata Milanese inklusive Salat für 2 Personen im Restaurant Pizzeria Capellerhof in Chur
CHF 36.-
CHF 72.-
mehr
Mit Schall und Rauch durch das Engadin mit einer historischen Dampfkomposition der Rhätischen Bahn – einem Juwel auf Schienen
CHF 63.-
CHF 125.-
mehr
Haarfreie Intimzone - Brazilian Sugaring - für SIE
CHF 35.-
CHF 70.-
mehr
Südostschweiz Newmedia AG - Die TYPO3 und Drupal Web-Agentur für Ihre professionelle Website