Bei der Pflege von betagten Menschen ist die Spitex im Vergleich zu Altersheimen nicht immer günstiger. Bei hohem Pflegebedarf sind die Gesamtkosten im Heim tiefer. Das zeigt eine Studie des Büro Bass im Auftrag des Spitex Verbandes Schweiz.
Bern. – Bei leichter Pflegebedürftigkeit hingegen sind die Gesamtkosten tiefer, wenn eine Person zu Hause gepflegt wird. «Die Studie bestätigte unseren Verdacht, dass es bei der Spitex Grenzen im Bereich der Wirtschaftlichkeit gibt», sagte Spitex-Präsidentin Stéphanie Mörikofer heute vor den Medien in Bern.
Was die Spitex im Vergleich zu Heimen teurer macht, sind beispielsweise die Reisewege des Pflegepersonals. Auch funktioniert in einem Heim die Arbeitsteilung besser: Einfachere Arbeiten werden dort von Hilfskräften und nicht von ausgebildeten Pflegefachleuten ausgeführt.
Je nach Betreuungszeit teurer
Volkswirtschaftlich betrachtet, ist die Spitexpflege günstiger, wenn eine Person höchstens eine Stunde pro Tag gepflegt werden muss. Heime schneiden besser ab, wenn mehr als zwei Stunden Pflege benötigt werden. Zwischen einer und zwei Stunden kann je nach Umfeld einer Person Spitex oder Heim kostengünstiger sein.
In diesem Überlappungsbereich von Spitex und Heim könne das sogenannte betreute Wohnen eine interessante Möglichkeit sein, sagte Mörikofer. Bei dieser Wohnform lebt eine betagte Person in den eigenen vier Wänden. Die Wohnung, zumeist in einer neuen Überbauung, ist aber an ein ambulantes Pflegeangebot angeschlossen.
Mehr Pflegebedürftige
Eine ebenfalls heute veröffentlichte Studie des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (Obsan) zeigt, dass es in den kommenden Jahren deutlich mehr Pflegebedürftige geben wird – auch wenn die Menschen wegen des medizinischen Fortschritts und verbesserter Vorsorge im Alter gesünder sein sollten als heute.
Im besten Fall steigt die Zahl der pflegebedürftigen Menschen bis im Jahr 2030 von heute rund 125 000 auf 170 000. Im ungünstigsten Fall rechnet die Obsan-Studie mit einem Anstieg auf 230 000 Pflegebedürftige. Da die Menschen immer älter werden, sei auf jeden Fall mit deutlich mehr Demenzkranken zu rechnen.
Gemäss Obsan-Studie leben heute 90 Prozent der 80- bis 84- jährigen Menschen zu Hause. Im hohen Alter von 95 Jahren und mehr leben 45 Prozent in einem Heim. Infolge der medizinischen und sozialen Trends wird der Heimeintritt in den kommenden Jahren tendenziell noch später erfolgen. (sda)
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