Schlechte Prognosen für den Lüschersee

Zu den Projekten des Naturparks Beverin gehört auch eine Machbarkeitsstudie für die Wiederbefüllung des 1910 abgelassenen Lüschersees bei Tschappina. Ein neu erschienenes Sachbuch dämpft aber die Hoffnungen auf einen Erfolg des Vorhabens.

Autor Gino Romegialli hat die Geschichte des Lüschersees unter die Lupe genommen.

Bild: Jano Felice Pajarola

Tschappina. – In der Programmvereinbarung zwischen dem Naturpark Beverin und dem Bundesamt für Umwelt ist es festgehalten: Bis Ende 2015 soll eine Machbarkeitsstudie aufzeigen, ob sich das Becken des Lüschersees am inneren Heinzenberg wieder füllen und somit der See reaktivieren liesse. Das Gewässer in Lüsch, zu seinen besten Zeiten 400 Meter lang und 300 Meter breit, wurde 1910 über einen damals neu gebauten Stollen dauerhaft abgelassen.

Die Aktion war eine von mehreren Massnahmen, um die zu jener Zeit akuten Hangrutschungen im Raum Tschappina einzudämmen. Ob allerdings die See-Entleerung ein Grund war für die anschliessend eingetretene Beruhigung der Lage, weiss bis heute niemand – entsprechende Untersuchungen fehlen.

In die Archive gestiegen

Der Geschichte des Lüschersees hat sich nun ein Sachbuchautor angenommen: Gino Romegialli, Feriengast in Urmein und bis zu seiner Pensionierung Geschäftsleitungsmitglied des Stadtzürcher Elektrizitätswerks EWZ. Für seine Publikation «Das Ende des Lüschersees» (Verlag Desertina) ist er in die Archive gestiegen und hat alles Wissenswerte zur Entleerung des Sees – und zur Verbauung des nahen Nollabachs – zusammengetragen. Und natürlich ist auch die mögliche Reaktivierung des Gewässers ein Thema.

Skilift-AG wollte auch nicht

Romegialli betont im Gespräch, er wolle in der Frage der Wiederbefüllung «neutral bleiben». Im Buch hält er fest, die zentrale Frage vor dem Füllen der Mulde werde sein, ob dadurch das beruhigte Gelände wieder zu rutschen beginnen könnte. «Leider lässt sich genau dies aufgrund der Geschichte nicht abschliessend beantworten», so Romegialli.

Auch die Skilifte Tschappina-Lüsch-Urmein AG habe schon 2006 überlegt, ob die Geländemulde als Speicherbecken für die Beschneiung nutzbar wäre, sei von diesem Gedanken aber nach einer Begehung wieder abgekommen. Und ihm selbst habe ein Stauanlagen-Ingenieur nach einer Stippvisite vor Ort erklärt: «Ich möchte den Geologen sehen, der die Verantwortung für die Füllung dieses Seebeckens übernimmt.»

Romegiallis Fazit gegenüber «suedostschweiz.ch»: «Machen könnte man es vielleicht. Aber da man den Seegrund zur Sicherheit wohl abdichten müsste, wäre es nicht zahlbar.» (jfp)

  • Quelle: suedostschweiz.ch
  • Datum: 02.08.2012, 07:30 Uhr
  • Webcode: 2533012
 

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