Lehrerinnen und Lehrer mit einem Burnout sollten eher gecoacht als krankgeschrieben werden. Denn eine Beurlaubung verunsichert die Betroffenen noch mehr und ändert ihre Arbeitsmuster nicht. Zu diesem Schluss kommt eine vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützte Studie.
Bern. – Allein im Kanton Bern werden jedes Jahr 70 bis 100 Lehrpersonen wegen Erschöpfungssymptomen für längere Zeit krankgeschrieben, wie der SNF am Donnerstag mitteilte. Ein Team um Kurt Hofer von der Pädagogischen Hochschule Bern hat acht solche Lehrerinnen und Lehrer interviewt und beobachtet.
Alle Untersuchten fühlten sich über Jahre chronisch unter Druck. Sie litten aber nicht nur unter den beruflichen Anforderungen, sondern auch unter einer mangelnden Anerkennung von Seiten der Schüler, der Eltern, der Kollegen, der Schulleitung und der Gesellschaft.
Vor allem die Schulreformen der letzten Jahre setzten den Untersuchten zu. Sie fühlten sich der Institution Schule entfremdet und bekamen durch die Reformen das Gefühl, dass ihre Arbeit nicht mehr genüge. Oft spielten Auseinandersetzungen mit den durch die Reformen eingeführten Schulleitungen eine wichtige Rolle bei dem Zusammenbruch.
Die letzten Auslöser waren häufig Konflikte mit den Eltern und eine zunehmende Angst vor deren Reaktionen. Allerdings stand nur ein Teil der Betroffenen vor disziplinarischen Problemen. Die anderen schienen die Situation im Griff zu haben und mit der Klasse die angepeilten Lernziele zu erreichen.
Laut dem SNF werden Lehrpersonen mit Erschöpfungssyndromen oft krankgeschrieben. Das soll dazu dienen, dass sie sich fernab vom Schulalltag erholen, um dann gestärkt ins Berufsleben zurückzukehren.
Laut dem Studienleiter und Sozialwissenschaftler Kurt Hofer führt diese Praxis aber nicht zum Ziel. Die beschäftigungslose Zeit verunsichere die Beurlaubten, nach der Auszeit hielten sie an ihrem Arbeitsmuster fest und viele fürchteten eine Stigmatisierung.
Als Alternative schlägt Hofer eine Unterstützung vor Ort vor: Fachpersonen sollten die Lehrerinnen und Lehrer im Schulalltag temporär begleiten und mittels Coaching entlasten. (sda)
09.02.2012 14:55 Uhr
Organisation Schule
Ich beschäftige mich beruflich mit dem Thema "Burnout" und finde die Ergebnisse der Studie einleuchtend. Wie an anderer Stelle zu lesen ist, waren die Interaktion mit der Schulleitung und andere systemische Einflüsse für die Lehrpersonen belastend. Somit liegt es nahe, die gesamte Organisation in die Interventionen einzubeziehen. Wünschenswert wäre es auch, in grösserem Umfang als bisher Gesundheitsförderung für die Mitarbeitenden an Schulen einzuführen.
09.02.2012 12:37 Uhr
Coachen statt krankschreiben
Dem stimme ich im vollen Umfang zu. Burnout ist und war keine Krankheit. Aus diesem Grunde kann ein Mensch auch nicht dbzgl. krank geschrieben werden. Es geht darum dem betroffenen Menschen die WIRKLICHKEIT von Burnout zu vermitteln und was ich daraus lernen soll. Dazu braucht der Betroffene einen Begleiter der dies im vollen Umfang verstanden hat, sich in die Situation aus eigener Erfahrung hineinfühlen kann, um Hilfestellung zu leisten.
HERZLICH(S)T
Klaus Mehler