Korkeiche verdrängt Fichten im Prättigau und Schanfigg

Eine Studie sagt für Wälder im Mittelmeerraum das Aussterben der Fichte und die Verdrängung durch die Korkeiche voraus. Betroffen wäre neben dem Unterland auch der Kanton Graubünden.

Ein Landwirt astet eine Fichte.

Bild: Keystone

Chur. – Die Veränderungen von Temperatur und Niederschlag durch den Klimawandel werden die Wälder Europas südländisch prägen. Die Baumartenverschiebung ist nicht nur für Tiere und Pflanzen prekär, sondern auch für die Forstwirtschaft. Dies besagt eine Studie eines internationalen Forscherteams unter Schweizer Leitung im Fachblatt «Nature Climate Change» («suedostschweiz.ch» berichtete).

Demnach könnte der Klimawandel den wirtschaftlichen Wert der europäischen Wälder bis ins Jahr 2100 halbieren. Die Einbussen könnten mehrere hundert Milliarden Franken betragen. Auf bis zu 60 Prozent der Waldfläche Europas könnten nur noch mediterran geprägte Eichenwälder mit niedrigem Ertragswert vorkommen, heisst es in der Studie.

Wertvolle Fichtenwälder schwinden

An Kälte und mässig feuchte Böden angepasste Baumarten wie die Fichte, die heute einen grossen Teil des wirtschaftlichen Werts der Wälder in Europa ausmacht, werden sich vor allem nach Nordeuropa und in die höheren Lagen der Alpen zurückziehen, schreiben die Forscher. Betroffen wäre laut einer Meldung von Radio Grischa im Kanton Graubünden das Prättigau und das Schanfigg.

Dafür rücken langsam wachsende, an Trockenheit angepasste mediterrane Arten wie die Kork- und Steineiche nach Norden vor. Der Unterschied, ob eine 30-Meter-Fichte oder eine nur zehn Meter hohe Eiche geerntet werden kann, ist enorm: Je nach Klimaszenario könnte der europäische Wald zwischen 14 und 50 Prozent an Wert verlieren. Zudem absorbieren langsam wachsende, mediterrane Wälder weniger Kohlenstoff als die heutigen Wälder. Und zu letzt wäre auch die Holzindustrie betroffen, die von Fichte und Weisstanne abhängig ist. Fichten würden nur noch in den Alpen gedeihen, wo die Bewirtschaftung im steilen Gelände deutlich teurer wäre.

Als Gegenmassnahmen schlagen die Forscher vor, bei Anpflanzungen vermehrt aussereuropäische oder mediterrane Baumarten zu wählen, die an Trockenheit und Wärme angepasst sind. (sda/so)

  • Quelle: suedostschweiz.ch
  • Datum: 25.09.2012, 16:30 Uhr
  • Webcode: 2678448
 

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